Im Zuge einer Seminararbeit fielen mir die rund 300 unscheinbar verpackten Seiten von Beate Rössler beim Streifzug durch die Bib ins Auge. "Der Wert des Privaten" klingt in der heutigen Zeit vielsagend und dabei ist das Büchlein von 2001! 2001 war noch vor Facebook und der wirklichen Tracking-Welle, die sich ja immer weiter über das Netz ausbreitet. Ich war schon im Vorfeld sehr gespannt, was Frau Rössler zu erzählen hat!Nun ist es wohl so, dass ich dem "akademischen Zeug" oftmals nichts abgewinnen kann. Da müssen Texte hochkompliziert verfasst und mit Fremdwörtern gespickt sein, damit man ja vor wortgewaltiger Beeindruckung niederkniet und der Autorin auch entsprechend Kompetenz zollen kann. Einfache "Trottelsprache" kann ja schließlich jeder. Das Werk ist keinefalls durchgängig unverständlich, aber was Frau Rössler an einigen (ähm, vielen) stellen an Schachtelsätzen und Wortgebilden abfeuert, passt leider kaum noch auf die wortwörtliche Kuhhaut. Dabei funktioniert die Einleitung (im Inhaltsverzeichnis) sehr gut als Anheizer, so spricht sie doch davon, was privat ist und was privat sein soll. Kulturelle Differenzen werden beleuchtet und sie stellt kluge und wirklich essentielle Fragen (Warum schätzen wir Privatheit?), die recht banal klingen, doch gerade im Kontext zur aktuellen "Nichts zu verbergen"-Argumentation sehr alleine stehen und nach Beantwortung rufen. Sie unterscheidet drei Privatheiten (dezisionale, informationelle und lokale). Gerade die informationelle Privatheit wird lecker eingeleitet mit nachvollziehbaren Fragestellungen wie "Warum halten wir es generell für unangemessen, [...] wenn andere Leute uns ohne unser Wissen [...] beobachten, belauschen [...]?" Bis auf die Tatsache, dass dieser Satz alleine über knappe sechs Zeilen reicht, war er mir Anreiz genug um der Schilderung zu folgen, die dann irgendwann (wie vieles andere in dem Buch auch) einfach nur in (ja, für mich) unverständliches Akademiker-Blabla abdriftet. Nun musste ich an einigen Stellen zwangsläufig Wörter nachschlagen, Sätze wieder und wieder lesen, um den Sinn zu extrahieren, aber ob das die hohe Kunst darstellt?Leider musste ich auch den Eindruck gewinnen, dass Frau Rössler überhaupt nicht den Anspruch hat für die Masse zu schreiben. Wie schon erwähnt, empfinde ich es gerade in der aktuellen Debatte um Prism, Tempora, etc. als so wichtig Bewusstsein für das sensible Thema Privatheit zu schaffen. Doch mit Literatur wie dieser gelingt das meines Erachtens nach nicht oder nur bei einem eingeschränkten Personenkreis.Selbstverständlich ist mir bewusst, dass diese Rezension auf meiner eigenen "Dummheit" und Unbelesenheit basiert und ich gar selbst dafür verantwortlich bin, wenn sich mir der Sinn des Werkes nicht erschließt ;-). So ist es nun einmal und ich kann mir gut vorstellen, dass ich damit nicht alleine bin.Fazit: Spannendes Thema, leider weitgehend unverständlich beschrieben und leidig zu lesen.