Kapitalismus: Ein Gespräch über kritische Theorie (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)
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EAN 9783518299074

Kapitalismus: Ein Gespräch über kritische Theorie (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)

Hersteller: Nancy Fraser  ·  MPN: 1157361
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Produktbeschreibung

Kapitalismus | Ein Gespräch über kritische Theorie | Nancy Fraser (u. a.) | Taschenbuch | 329 S.

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Redaktion 27.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessantes und tiefgründiges Buch, das die Konzepte des Kapitalismus aus einer kritischen Perspektive beleuchtet. Obwohl es an manchen Stellen sehr theoretisch ist, bietet es eine wertvolle Grundlage für das Verständnis der gesellschaftlichen Strukturen.
MK 15.03.2024 amazon.de
Das Gespräch dass Fraser und Jaeggi zum „Kapitalismus“ führen ist interessant und lesenswert - überzeugend ist es aber wohl nur, wenn man ihre Sichtweise bereits vorher teilt.In erster Linie Nancy Fraser baut hier ein Theoriegebäude auf, dass den Kapitalismus definiert, ihn historisiert, kritisiert und schließlich darlegt wie und warum er zu bekämpfen ist. Ihre Theorie orientiert sich sowohl an Marx als auch Polanyi, geht aber darüber hinaus um ein „holistischeres“ Bild zu zeichnen und emanzipatorische Kämpfe (insb. Frauen-, Indigenen-, Umwelt- und Minderheitenrechte) stärker zu würdigen.Die größte Stärke (auf gewissen Weise aber auch die größte Schwäche) des Buches ist die analytische Schärfe mit der Fraser ihr Konzept des Kapitalismus als „institutionelle Gesellschaftsform“ darlegt: Die Grundzüge davon ist ein Verständnis des Kapitalismus aus einem wirtschaftlichen „Vordergrund“ und einem „Hintergrund“ aus institutionellen „Spaltungen“ zwischen (1) ökonomischer Produktion vs sozialer Reproduktion (grob: Familie & Erziehung); (2) Wirtschaft vs Gemeinwesen/Politik; (3) Mensch vs Natur; (4) Ausbeutung vs Enteignung.Dazu identifiziert Fraser eine „dreifache Bewegung“ (die sich eng an Polanyi anlehnt, mit einer zusätzlichen Dimension) als gesellschaftlich-historische Triebkraft: Vermarktlichung („Marketisation“); Sozialschutz („Social Protection“); Emanzipation („Emancipation“).Es ist dieses Theoriegebäude, zusammen mit der spannenden Diskussion zur Strategie linker Bewegungen im letzten Kapitel, die das Buch sehr lesenswert machen, auch für jene die politisch ganz woanders stehen und mit marxistischen Ideen sonst wenig anfangen können.Darin liegt aber auch die größte Schwäche des Buches: es ist praktisch rein theoretisch, ohne auch nur den Versuch zu machen die Thesen durch empirische, oder zumindest anekdotische, Evidenz zu belegen. Man mag das verzeihen, weil das schlicht nicht Ziel des Buchs ist, einige der Thesen sind aber prima facie wenig überzeugend: ist eine Trennung von „Produktion und Reproduktion“ und „Mensch und Natur“ wirklich spezifisch und einzigartig für den Kapitalismus? (Es ist nicht schwer Gegenbeispiele zu finden); sind niedrige Löhne nicht nur „Ausbeutung“ sondern „Enteignung“?Tiefer als dieser Aspekt ist die zweite Schwäche: Fraser/Jaeggi sind in ihrer ökonomischen Analyse gefangen im engen marxistischen Rahmen des „Mehrwerts“, das (spätestens seit der Grenznutzenschule ab den 1870er Jahren) weder theoretisch noch empirisch haltbar ist. An einem solchen überholten und in der Praxis irrelevanten Theoriegebäude festzuhalten ist die wohl größte Schwächer radikaler linker Theorie der letzten 100 Jahre - da sind Fraser/Jaeggi keineswegs alleine.Überzeugender ist die Analyse des „progressiven Neoliberalismus“, in dem sich emanzipatorische Strömungen mit marktwirtschaftlichen Verbunden haben - grob die Politik von Clinton, Blair, Schröder bis zu Merkel und Obama. Jaeggi ist angesichts der Bedrohung durch den reaktionären Populismus (Trump, Brexit) skeptisch ob die Linke zu dieser Politik wirklich in harte Opposition gehen sollte. Fraser meint ja, und setzt einen linken Populismus aus kultureller Emanzipation und linker Sozial/Wirtschaftspolitik dagegen: die Agenda von Sanders, Corbyn, Podemos, Syriza. Zumindest aus liberaler, wahrscheinlich aber auch sozialdemokratischer Sicht ist das eher keine attraktive Aussicht.Ein Wort zum Sozialismus (der im Buch aber nur eine Nebenrolle spielt): es ist klar, dass Fraser/Jaeggi dem Realsozialismus wenig abzugewinnen haben. Sie definieren (demokratischen) Sozialismus als gesellschaftliche Kontrolle über die Investitionen des „gesellschaftlichen Überschuss“ (der wohl grob der Kapitalrendite entspricht). Dabei argumentiert insbesondere Fraser (trotz des Scheiterns vergangener Experimente) für eine „wichtige Rolle“ für die wirtschaftliche Planung und spricht gar von „globale[r] Planung im Großmaßstab“. Im Bewusstsein der Kritik von Hayek, Popper und vielen anderen sowie dem historischen Scheitern solcher Ansätze ist das der vielleicht gruseligster Punkt des Buches.Lesenswert ist es, trotz dieser klaren Schwächen und Probleme, dennoch - und sei es nur für eine „Innenansicht“ moderner linker Theorie und Strategie.
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