Bewusstsein erklären - Wolfgang Prinz Kartoniert (TB)
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Bewusstsein erklären - Wolfgang Prinz Kartoniert (TB)

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Produktbeschreibung

Bewusstsein erklären | Wolfgang Prinz | Taschenbuch | suhrkamp taschenbücher wissenschaft | 317 S.

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Wolfgang >60 09.06.2024 amazon.de
Psychologie will – mit Prinz - die Rolle des Vermittlers zwischen Geist und Körper spielen, soll mit ihrem Sprachspiel zwischen Philosophie oder Theologie einerseits und Medizin-nahen Naturwissenschaften andererseits vermitteln bzw. die kognitiv-theoretischen Fächer gegenüber diesen Naturwissenschaften vertreten. Sie gerät aber zwischen die Fronten, wenn die „Elefanten“ eigene Modelle und Methoden entwickeln, weil die Psychologie allenfalls Ergebnisse der Hirnforschung nutzt: angesichts Bild-gebender oder messenden Verfahren verlieren klassische Methoden und phänomenologische Interpretationen an Gewicht!Der Autor hat frühere Artikel aktualisiert, deren Argumentation zusammengefasst, Methoden und Verfahren der Psychologie durch Kybernetik, Systemtheorie, „radikalen“ Konstruktivismus etc. aufgewertet.Menschliches Erleben und Verhalten sowie damit verbundene physiologische Prozesse, Operationen und Funktionen werden erläutert; gleichzeitig diskutiert Prinz offen methodische Schwächen der Psychologie, die er gern in Stärken wandeln würde, wie er am Beispiel der „Erklärung des Bewusstseins“ oder des „freien Willens“ demonstriert; es liegt im Auge der Leser, ob Beispiele und Argumente überzeugen.Prinz nutzt Modelle, ähnlich denen des „radikalen“ Konstruktivismus, wo durch Beobachtung bzw. rückgekoppelte Beobachtung höherer Ordnung die Selbst-Simulation kognitiver Systeme in ihrer Umwelt per Welt-Modell möglich wird, wo sich das System – mit geringem Einfluss auf die Umwelt - seiner ökologischen Nische anpasst! (p.114ff)Es ist fraglich, ob methodische Schwächen allein durch „Sprache“ ausgeglichen werden können, denn Sprache – insbesondere die des Alltags und der Lebenswelt - hat als Methode intrinsische Schwächen, weil sie auch dem Bereich menschlicher „Handlungen“ angehört; man erwartet daher - ggf. durch Anleihen bei Neurobiologie oder anderen, system-theoretischen, nachrichten-technischen Fächern - eine Ausweitung objektiver, instrumenteller Methoden, deren Ergebnisse in die Sprache der Psychologie übersetzt werden können. Ziel wäre es, mit dieser Theorie und Praxis, diesen Modellen und Methoden die Psychologie auf eine objektivierbare, vielleicht sogar materielle Basis zu stellen, aber gleichzeitig den Anschluss an bisherige Sprach-basierte, subjektivistische Ergebnisse der Psychologie zu halten. Dazu müssten vermutlich Tabus der Geisteswissenschaften gegenüber materiellen bzw. materialistischen Konzepten aufgegeben werden, deren Ziel es war, Existenz und scheinbare Überlegenheit einer „Seele“ über Funktionen und Operationen des „Körpers“ – also den Dualismus – und andere historische Konzepte von Philosophie und Theologie zu rechtfertigen.Heute erwartet man mehr, weil neurologische und Informations-theoretische Fächer zunehmend die Deutungshoheit übernehmen, seit sie sich mit Fragen beschäftigen, die historisch exklusiv von Philosophie und Psychologie behandelt wurden.Prinz leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, wie am Begriff „Intentionalität“ deutlich wird: auch die klassische Betrachtung versucht, die Beobachtungssituation der Vorgänge mitzudenken: Geschehen, Beobachter und Interpretation als Geschehen, das vom Beobachter erneut, diesmal rekursiv, betrachtet wird, vergleichbar - in der Sprache des radikalen Konstruktivismus - einem Beobachter höherer Ordnung.Stellt man die Verbindung dieser Ausführungen von Prinz zu den Darstellungen von von Foerster und von Glasersfeld her, werden die Prozesse nicht nur in Form von Sprache formal beschrieben, sondern viele der bei Prinz als „offen“ erklärte Fragen über evolutionäre Vorteile auf der Handlungsebene beantwortet. Abläufe werden über Funktion, Ursachen und Wirkungen auf System-Ebene verstanden, wobei die Beteiligung des Beobachters in Form einer Selbst-Beobachtung als Teil des Prozesses berücksichtigt wird. Damit werden die Vorgänge bis auf die Ebene des materiellen Geschehens verfolgt, erklärt und begründet einerseits, andererseits die Verbindung zu idealistischen Vorstellungen hergestellt.Prozesse werden nicht als lineare Kausalketten, sondern über die Vernetzungen rückgekoppelter Systeme beschrieben, die in Form stabiler Eigenzustände Gedächtnisfunktionen ermöglichen, die auf materieller Basis die Erklärung für Begriffe der rein Sprach-basierten Betrachtung liefern können - falls man dieses Konzept nicht aus ideologischen oder anderen Gründen grundsätzlich ablehnt!Ein wichtiges Buch, selbst wenn es vor allem die Psychologie als Wissenschaft im Kontext historischer Theorien, aber auch moderner Entwicklungen behandelt.
Forster 09.06.2024 amazon.de
Wer Bewusstsein so wie Prinz als soziales Konstrukt definiert und permanent dessen unbestrittene Determiniertheit durch und vollkommener Identität mit der zugehörigen Neurophysiologie des Gehirns auszublenden oder gar abzustreiten versucht, das "Ich" zu einer eigenständigen, allein psychologisch beschreibbaren Kategorie verklärt kann damit nicht wirklich ernst genommen werden.Dieses Psychologie-Buch mag durchaus manch interessante Einsicht über das menschliche Sozialleben und seine Beziehung zu bewussten Inhalten und subjektivem Ich-Empfinden vermitteln, erweist sich aber analog vielen philosophischen Büchern allzu oft nur als Spiel mit den unendlichen Facetten von Sprache und Wortbedeutungen, Ansichten und letztendlich Lebenseinstellungen.Zwei Sterne vergebe ich für die durchaus anspruchsvolle und anregende Lektüre.
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