Narziß und Goldmund: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
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EAN 9783518367742

Narziß und Goldmund: Erzählung (suhrkamp taschenbuch)

Hersteller: Suhrkamp Verlag Ag  ·  MPN: 465820
4,7/5,0 (3 Bewertungen)

Produktfakten auf einen Blick

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Suhrkamp Verlag AG
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9783518367742
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Produktbeschreibung

»In Narziß zmd Goldmund bekommen die zwei Grundformen des schöpferischen Menschen Gestalt: der Denker und der Träumer, der Herbe und der Blühende, der Klare und der Kindliche. Beide verwandt, obwohl in allem ihr Gegenspiel, beide vereinsamt, beide von Hesse gleich gerecht in ihren Vorzügen und Schwächen erkannt, gleich exakt wiedergegeben.« Max Herrmann-Neiße

Bewertungen & Erfahrungen

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Martin Kasperzyk 15.03.2024 amazon.de
Immer wieder zieht mich die Lebensgeschichte der beiden so gegensätzlichen und doch seelenverwandten Figuren Goldmund und Narziß in den Bann. Warum nur? Es ist wohl meine Empfindung, dass Hermann Hesse in dieser Erzählung eine tiefe Wahrheit unseres Daseins künstlerisch dargestellt hat.Besonders an der Figur des Goldmund wird das Verzweifelnde unseres Daseins und der tiefe Riss des Lebens klar. Er, der in den Sinnen und der Seele reich begabte Künstler, greift mit vollen Händen ins irdene Lebensglück. Er genießt sein Dasein, er badet im Vollen des Lebens, er hat die Kraft der Liebe und er lernt den Sinn des Lebens kennen. Für ihn bedeutet das: Frauen zu lieben und sich ihnen hinzugeben. Liebe und Wollust, das trunkene und rechenschaftslose Spiel der Sinne und die Ungebundenheit und Freiheit des Landfahrers, der sich keinen gesellschaftlichen Zwängen beugt: das ist es, wonach dieser sinnenfrohe Mensch Goldmund drängt. Dies Leben wird von Hesse packend und eindringlich geschildert. Oberflächlich gesehen könnte man meinen: ein rundum glücklicher Mensch.Aber in Wahrheit wäre dies völlig belanglos und nicht der Rede wert, wenn da nicht noch ein anderer Goldmund aufscheinen würde. Warum ist Goldmund bei allem Glück dennoch nicht ganz und gar glücklich, warum gibt es da einen letzten Rest von Grübeln über die Vergänglichkeit, die Zweifelhaftigkeit allen Treibens, das Nachdenken über den Tod und den Sinn des Lebens? Unnötige zweiflerische Gedanken? Nein, es ist die tief empfundene Trauer und das Wissen der Seele, die von jener Oberfläche des Lebens unangetastet bleibt. Es ist dies tiefe und stille Wissen, dass der Mensch nie und niemals aufgeht im schönen Schein des Lebens, in der Lustigkeit und im täglichen Trallalla, sondern etwas Höheres, Geistiges, Ewiges, vielleicht das Göttliche in sich trägt, aber auch die Trauer, dass dieser Kern unerreichbar bleibt, jedenfalls für uns Menschen, die aus Fleisch und Blut immer dem Sinnenspiel des Lebens verhaftet bleiben.Was uns bleibt, ist immer nur die Annäherung. Als Künstler versucht sich Goldmund daran, Seele und Herz, Sinnlichkeit und Geist zu vereinbaren. In dem ein oder anderen großen Werk gelingt es ihm auch. Zum Beispiel dann, wenn er die Gebärden der Wollust, die den Mienen der Gebärenden und Sterbenden so ähnlich sind, oder tiefes Leid und ungeheures Glück in einem einzigen Ausdruck einer geschaffenen Figur festzuhalten und einzufrieren weiß für die Ewigkeit. Etwas schaffen, was ohne die Eitelkeit des eigenen Wollen befleckt aus dem reich empfundenen Sinnenleben geschöpft wird und doch den Geist des Ewigen und Unvergänglichen atmet. Viele kennen diese Erhabenheit, dieses Transzendieren des endlichen Lebens in der Betrachtung eines großartigen bildnerischen Werkes oder dem Hören eines ergreifenden Musikstückes.In diesem Zusammenhang legt Hermann Hesse Goldmund wohl seine eigene Sicht des Künstlers in den Mund: alle großen Kunstwerke hatten dieses Zusammenspiel von Triebhaftem und reiner Geistigkeit, dieses Mann-Weibliche, jedes große Kunstwerk trägt ein Geheimnis in sich.Das Leben des Künstlers hat nur einen Sinn, wenn man beides erreicht: das irdene Sinnenglück greifen und aufbewahren in etwas Ewigem, Unvergänglichen, das der Mensch eben auch ist. Schaffen, ohne den Preis des Lebens dafür zu bezahlen. Der Künstler versucht den Gegensatz des Lebens aufzubrechen, den Gegensatz zwischen Mann oder Frau, Landfahrer oder Spießbürger, Verstand oder Gefühl, Trieb oder Geist, Freiheit oder Werkstatt. Immer scheint man das eine mit dem anderen zu bezahlen. Der Sinn des künstlerischen Lebens aber besteht in beidem.Hermann Hesse gelingt eine eindringliche Erzählung großen Glückes und schlimmer Tragik. Unerbittlich arbeitet der Tod in Zeiten der Pest. Hesse schildert das kalte, grausame Sterben ganzer Familien, die Grausamkeit der Überlebenden, die Halbtote verscharren, Unschuldige erschlagen, ins Feuer jagen und foltern. Hesse schildert kurz eine Welt ohne Erbarmen und Gnade. Wo ist Gott? Wo ist Gerechtigkeit, wo so viele Böse im Wohlleben schwimmen und so viele Unschuldige leiden und untergehen? Auch heute leben wir in Zeiten der Pest. Und das heißt auch, wir leben in Zeiten des schnellen Vergessens: wie schnell nach dem grausigen Unglück doch das Lachen zurück kommt, die Liebe und Wollust, der Spaß und die Heiterkeit.Im Laufe der Erzählung gewinnt die Erzählung Hesses - dem Lebenslauf des Goldmund gemäß - immer mehr von einem memento mori. Schön war das Leben, schön und flüchtig war das Glück, schön und rasch verwelkt die Jugend. Wie man doch vom Leben genarrt wurde. Man lebte, ließ die Sinne spielen, empfand manche hohe Lust, aber keinen Schutz gegen die Vergänglichkeit. Man war wir ein Pilz im Walde, der heute in schönen Farben strotzt und morgen verfault ist.Zu kurz kommt freilich der strenge Denker Narziß. Auch er hätte viel zu erzählen von dem Zwiespalt des Lebens.
Patrick Michel 15.03.2024 amazon.de
Sprache, Geschichte, Symbolik. Hesse ist einfach unnachahmlich. Seine Geschichten, so auch diese, ziehen mich förmlich in ihren Bann. Ein Mann auf der Sinnsuche mit allem was das Leben bietet: Liebe, Enttäuschung, Hoffnung, Spiritualität, Glaube, Freundschaft und und und.Hesses Werke beschreiben oftmals die Suche nach sich selbst und auch hier ist ihm diese wieder einmal gelungen.
Johannes Wahl 15.03.2024 amazon.de
Inzwischen habe ich einiges von Hesse gelesen. Es ist gewiß nicht seine beste Erzählung. Aber dennoch lesenswert. Er verliert sich nicht in Details, schreibt nicht ausschweifend. Doch oft hatte ich den Eindruck, er könnte etwas knapper sein. Er benutzt oft zwei Adjektive hintereinander, wovon eins meist überflüssig ist. Es fehlt ein bißchen der "letzte Schliff".Von der Geschichte her ist es sehr romanhaft. Ich würde sagen eher Unterhaltungscharakter als mitreißender, epischer Stil.Mit dem Buch bin ich zufrieden. Wer gerne Hesse liest, kann hier bedenkenlos zugreifen. Wer noch nichts von Hesse gelesen hat, sollte vielleicht eher zum Steppenwolf greifen.
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