Er sitzt auf dem Ohrensessel, bei einem Nachtmahl, so einem scheußlichem Nachtmahl. Den Selbstmord einer gemeinsamen Freundin haben die Auersberger schamlos ausgenutzt um ihn einzuladen. Sie, die er doch so sehr hasst und verabscheut, weil es aber die Situation nicht anders zuließ musste er die Einladung annehmen und nun wartet er im Musikzimmer, auf die Ankunft des von allen erwarteten, von ihm aber sowieso verabscheuten Burgschauspielers.„Da ich nun einmal nicht imstande war, die Menschen vernünftiger zu machen, war ich lieber fern von ihnen glücklich.“Zugegeben: Wer würde sich von der Schilderung eines Abendessens treffende Gesellschaftskritik, aber viel mehr noch: Unterhaltung erhoffen?Bernhard echauffiert und empört sich über alles und jeden, nimmt die gesamte Gesellschaft anhand einer Abendgesellschafft auseinander, viel mehr aber noch als die andern nimmt er sich selbst auseinander, denn auch wenn die anderen widerlich sind, er selbst ist noch viel viel widerlicher. Aber auch die Widerlichen selbst haben ihre philosophischen Momente, in denen sie das sagen, was alle innerlich denken, bevor sie wieder zu ihrem ursprünglichem Ich zurückkehren."Ich habe zur Auersberger gesagt, daß ich froh bin darüber, die Verbindung zu ihnen, den Eheleuten Auersberger, wieder aufgenommen zu haben, nach zwanzig Jahren wieder bei ihnen in der Gentzgasse gewesen zu sein und ich hatte, während ich das zu ihr gesagt habe, gedacht, was für ein gemeiner, verlogener Mensch ich bin, der tatsächlich vor nichts, aber auch schon vor gar nichts, nicht vor der gemeinsten Lüge, zurückschreckt."-Seite 196Ausgangspunkt der Erzählung ist ein Ohrensessel, von dem aus der Erzähler alles analysiert. Von seinem inneren Monolog kehrt er immer wieder zurück zu dem Ohrensessel als Ausgangspunkt. Ich habe das Wort "Ohrensessel" so oft gelesen, dass ich jedes mal begeistert aufschreien muss, wenn ich einen Ohrensessel irgendwo sehe.Viel besser noch als die Gesellschaftskritik wirkte auf mich aber noch der Humor. Dieses Abendessen ist unglaublich unterhaltsam und das Ganze mit einer solchen Selbstironie geschrieben, dass es einfach Spaß macht und Unterhält, die Geschichte versprüht Lebenslust selbst."und lief tatsächlich mit immer größerer Energie diesem auersbergerischen Alptraum davon in die Innere Stadt und dachte während des Laufens, daß ich diese Stadt, durch die ich laufe, so entsetzlich ich sie immer empfinde, immer empfunden habe, für mich doch die beste Stadt ist, dieses verhaßte , mir immer verhaßte Wien, mir aufeinmal jetzt wieder doch das beste, mein bestes Wien ist und daß ich diese Menschen, die ich immer gehaßt habe und die ich hasse und die ich immer hassen werde, doch die besten Menschen sind, daß ich sie hasse, aber daß sie rührend sind, daß ich Wien hasse und daß es doch rührend ist, daß ich diese Menschen verfluche und doch lieben muß"-Seite 198Sprachlich ist Bernhard auch einmalig. Das kann man einfach nicht nachmachen. Der Schreibstil ist komplett einzigartig, über ein Thema so unterhaltsam und treffend zu schreiben – das ist Kunst.."Holzfällen" muss man lesen.