Hat man erstmal drei oder vier Bernhard-Romane gelesen, stellt sich bald ein gewisser Sättigungsgrad ein. Man kann es nicht abstreiten, seinbevorzugtes Sujet ist äußerst begrenzt: Wieviele Romane möchten Sie lesen, indem es einzig und allein darum geht, wie verkommen, widerlich, ekelerregend oder grauenhaft Österreich, seine Kultur, Bewohner, Architektur und Geschichte ist?Bernhard hat viel geschrieben, und ich habe vieles davon gelesen – und bin geneigt zu sagen, dass er gerade in seinen letzten Jahren häufig nur noch ermüdet: Sein letzter Roman "Auslöschung“ zeigt ihn aber nocheinmal in aller Spannkraft und als ein Genie der deutschsprachigen Prosa – "Korrektur“ ist fesselnd, "Holzfällen“ ist brillant – aber "Auslöschung“ ist überragend.Franz-Josef Murau ein "Privatgelehrter“ und Bonvivant kehrt nach langer Zeit der Trennung wieder in das Haus seiner Kindheit zurück, um das Begräbnis seiner Eltern zu organisieren, die kurz vor Einsetzen der Handlung bei einem Autounfall ums Leben kamen.Hier trifft er auf alles, was ihn einst aus Österreich drängte: Kleingeistigkeit, Spießigkeit und nicht zuletzt seine verhasste Familie.In typisch Bernhard-scher Manier ergeht er sich Seite um Seite in einem ellenlangen Monolog und begießt Heimatland und Mitmenschen mit ätzendem Spott; im Gegensatz zu Bernhards anderen Werken wirkt diese Litanei aber niemals polemisch oder langweilig, sondern tatsächlich begründet: Bernhards Stil strotzt vor Kraft, und seine humoristische "Übertreibungskunst“, die schon in anderen Werken deutlich wurde, erreicht einen absoluten Höhepunkt.Bernhard schreibt in gewohnt langen Sätzen, und da das Buch in nur zwei Kapitel aufgeteilt ist, ohne dass jemals ein Absatz den Leser ein Innehalten bietet, ist auch dieser Roman keine leichte Lektüre. Trotzdem – wenn man einen Bernhard gelesen haben muss, dann die "Auslöschung“. Die Tiraden dieses exzentrischen und nicht sonderlich sympathischen Ich-Erzählers bringen mich immer noch zum Lachen, egal welche Seite ich aufschlage.