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Große Ambitionen | Evan Osnos | Buch | 533 S. | Deutsch | 2015 | Suhrkamp | EAN 9783518424834
Bewertungen & Erfahrungen
4,7 von 5,0
3 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion08.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein faszinierendes und packendes Eintauchen in die Geschichte Chinas zu einer Zeit, die man kaum erwartet, und ich war von Anfang bis Ende absolut begeistert. Die Darstellung der Ereignisse ist sehr lebendig und fesselnd.
Extrem interessant & gut geschrieben, selbst für Menschen, die China und die dortige Wirtschaft oberflächlich bereits „kennen“.Das Kernthema des Buches ist die Bedeutung des Internets für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen / die politische Stabilität im Land. Wer eher nach einer breiten Gesamtanalyse des Landes sucht, ist bei diesem Buch ggf. falsch.
Erstaunlich ist die Monopolstellung Chinas in der Disziplin, als Weltmacht ein zweites Mal zurück auf die internationale Bühne zu treten. Ein bisher einmaliges Ereignis in der Geschichte, aus der die Chinesen gelernt haben. Somit ist es unwahrscheinlich, dass wieder die gesamte Containerschiffflotte versenkt, alle Bootsbauer getötet und die Baupläne verbrannt werden. Weil die Frau eines hohen Parteifunktionärs ertrunken ist.Vor allem in Zusammenarbeit mit Indien offenbart sich eine Abdeckung sämtlicher sowohl produktions- als auch dienstleistungsspezifischer Aktivitäten. Diese können in dieser Masse und Wettbewerbsfähigkeit dank unschlagbarer Preise von keinem anderen Staatenbündnis erbracht werden. Neben der chinesischen Werkbank der Welt, auf der zusehends komplette Industrien aus dem Boden gestampft und der gesamte Produktionsprozess durchlaufen wird, wächst in Indien eine Wissensgesellschaft ungeahnten Ausmaßes.Auch werden Gentechnik, Klonen und embryonaler Stammzellenforschung keine Ketten wie in Europa und noch weniger Hemmnisse als in Amerika umgelegt. Somit kann in Dimensionen geforscht werden kann, die weder vom Etat noch von den Forschungsergebnissen her ihresgleichen haben.Asien wird die Vormachtstellung in der künstlichen Modifikation, Entwicklung und Optimierung von Tieren, Pflanzen und auch Menschen halten und weiter ausbauen. Ob zwischen Monsanto im Westen und den chinesischen Gentechnikkonzernen im Osten noch viel unkontaminiertes Leben wird übrigbleiben können, ist fraglich. Etwa angesichts der bisherigen Entwicklungen in den USA wie beim Genraps.Ob die selektive Züchtung von Menschen und Manipulation am Erbgut schlimmer wiegt als die irreversible Veränderung der gesamten Biosphäre, liegt im Ermessen und der subjektiven Wahrnehmung des Einzelnen.Ganz der höflichen, asiatischen Mentalität entsprechend kaschieren die Chinesen nicht nur ihr Wirtschaftswachstum und Währungskurse mit subtilen Mitteln. Sondern üben sich in einer permanenten Beschwichtigungspolitik, die einen noch lange andauernden Marsch bis zum Aufholen auf den Westen suggerieren soll.Auch treten sie nicht mit amerikanischer Direktheit und Handschlagmentalität, sondern in der Rolle des Mediators und Bündnisschmieds im asiatischen und eurasischen Raum auf. Eine Schaffung von neutralen Freihandelsbündnissen, Staatsgemeinschaften und Interessensvertretungen aus williger Vasallenstaaten zielt auf eine langsame, aber langfristige Verschiebung der Machtverhältnisse hin.Scheinbar lassen sich Staaten leichter durch Diplomatie und Bündnispolitik für sich gewinnen als durch militärische Okkupation und Ausplünderung. Unter dem Gesichtspunkt, dass die USA den chinesischen Einfluss speziell in Zentralasien und im Nahen Osten zurückdrängen wollen, lassen sich Afghanistan- und Irakkrieg unter gänzlich neuen Aspekten betrachten. Weniger Krieg gegen Extremisten als viel mehr ein verzweifelter Versuch, sich unter einem unglaubwürdigen Vorwand in möglichst vielen Staaten festzusetzen. Und sie zu kontrollieren, um einen Schutzwall errichten zu können. Wobei es nicht nur um Rohstoffe, sondern auch um die Kontrolle der Transportwege geht.Abseits des militärischen Spektrums unterschreiben auf kurzfristigen Gewinn fokussierte Manager gern jede noch so bedenkliche Klausel. Und wenn man auch Technologietransfers zustimmen, Betriebsgeheimnisse preisgeben, Schlüsseltechnologien bis ins Detail erklären und zu allem auch noch eigenes Schulungspersonal stellen muss, stört es trotzdem nicht. Wenn das der Preis ist, gibt es quasi kein westliches Unternehmen, das sich nicht zu diesem Schritt bereit erklärt. Und damit einer irgendwann überlegenen Wirtschaftsmacht den einzigen Wettbewerbsvorteil bereitwillig schenkt. Den noch vorhandenen, aber stetig schwindenden technologischen Vorsprung, der sich zu einem Gleichstand und schließlich Zweitrangstellung des Westens entwickeln wird.Als ob Braindrain und die Verschiebung von Wissenschaft, Forschung und Innovationszentren nach Asien nicht schon bedenklich genug für den Westen wären. Zusätzlich führt die hanebüchene Wirtschaftspolitik der Industriestaaten geradewegs in eine europäische und amerikanische Deindustrialisierung. Wenn der gesamte Produktionsprozess ausgelagert, die heimische Wirtschaft und der Sozialstaat zugrunde gerichtet und nur mehr ein Häufchen an verbliebenen Bürokraten und Angestellten in den einheimischen Konzernzentralen übrig sein werden, dürfte ein bitteres Erwachen folgen. Und die Erkenntnis, dass man seine gesamte Technologie, Industrie und Wirtschaftsleistung ausgelagert hat. Gut für kurzfristigen Gewinn aber mit einer miserablen Langzeitperspektive behaftet.Sofern nicht unerwartete Katastrophen wie Kriege, Pandemien oder extreme Umweltereignisse einen Dämpfer erteilen oder der Westen durch revolutionäre neue Technologien und Reformen mehr an Boden gewinnt, dürfte der Niedergang des einstigen amerikanisch-europäischen Hegemonialreichs besiegelt sein.Es steht nur zu hoffen, dass die USA und die EU von den neuen Herrschern nicht dieselbe Behandlung erfahren, die sie dem Rest der Welt Jahrhunderte lang angedeihen ließen. Damals, als sie mittels Kolonialisierung, Sklavenhandel und Opiumkriegen uneingeschränkt herrschten.
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Letzte Aktualisierung: 09.10.2026 06:33 Uhr.