Das Buch ist großartig! Unterhaltsam, verspielt, intelligent, witzig...Ob die Lang-Fassung, die Suhrkamp vorlegt, allerdings die beste ist, darüber lässt sich streiten. Auf jeden Fall ist es gut, den Roman jetzt so auf Deutsch zur Verfügung zu haben und sich ein Urteil bilden zu können. Ich persönlich mochte die kürzere, knackigere Fassung in der Übersetzung von Günter Dalitz (Aufbau Verlag 1982 / 1999) lieber. Hier praktiziert Belyj seine Erzähltechnik genau so, führt sie aber weniger raumgreifend vor - und erklärt sie auch weniger. Das fand ich persönlich besser. Geschmackssache also.Ein Wort zum Rezensenten „Kokusnussritter“. Ilma Rakusa mag es ihm in ihrem Nachwort suggeriert haben, aber es stimmt nicht und ist wohl eher Suhrkamps Verkaufsinteressen geschuldet. „Petersburg“ durfte nicht erst 1981 in Russland erstmals verlegt werden. Die erste Buchausgabe von „Petersburg“ erschien in Russland 1916 im Verlag Sirin. Eine gründliche Überarbeitung / Kürzung des Romans durch Belyj ging der zweiten russischsprachigen Ausgabe des Romans voraus, die 1922 in Berlin erschien. Die darauffolgende Ausgabe erschien in Moskau 1928, dann noch einmal im Jahr nach Belyjs Tod, 1935. Die Dalitz-Übersetzung folgt der sowjetischen Ausgabe von 1978 (!), der wiederum die Moskauer von 1928 zugrunde lag. Also, selbst wenn Kokusnussritter mit „Russland“ Sowjetunion meint, sind seine Informationen falsch.Mit den Kürzungen und Umarbeitungen, die Beyj an seinem Roman vornahm, verhält es sich komplizierter. Suggeriert wird auch hier vorschnell, er sei zensiert und beschnitten worden und die ursprüngliche, längste Fassung sei die „richtige“. Auch das stimmt so nicht. Es ist zumindest allzu eindimensional. Belyj hat sich sehr bemüht, die Oktober-Revolution zu verstehen und gut zu heißen. Wie sehr sich die sowjetische Literaturpolitik ihrerseits bemühte, Belyj gut zu finden? Kann ich nicht einschätzen. Nicht ganz falsch liegt man unterm Strich wohl mit der Annahme, dass die Umarbeitungen, die Belyj an „Petersburg“ im Laufe der Jahre immer wieder vornahm, eine Mischung aus eigener künstlerischer Entwicklung (immerhin hatte eine Umwälzung aller Verhältnisse stattgefunden) und äußeren Beeinflussungen gewesen sein mag. Auf jeden Fall aber hat er sich in den Ausgaben, die noch zu seinen Lebzeiten erschienen, nicht selbst verleugnet.Doch genug geschulmeistert. Das Buch ist grandios!