Zorn und Zeit: Politisch-psychologischer Versuch (suhrkamp taschenbuch)
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EAN 9783518459904

Zorn und Zeit: Politisch-psychologischer Versuch (suhrkamp taschenbuch)

Hersteller: Suhrkamp Verlag Ag  ·  MPN: 1064984
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Zorn und Zeit | Politisch-psychologischer Versuch | Peter Sloterdijk | Taschenbuch | 357 S. | 2009

Bewertungen & Erfahrungen

4,6 von 5,0
5 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 17.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessantes Buch, das tief in die philosophischen Wurzeln des Zorns eintaucht, allerdings finde ich die Darstellung manchmal etwas zu akademisch.
Redaktion 17.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein absolutes Meisterwerk und eine faszinierende Lektüre, die den Leser tief in die philosophischen und historischen Strömungen zieht. Die Art und Weise, wie Sloterdijk den Zorn und die Zeit analysiert, ist unglaublich eindringlich und sehr inspirierend.
Redaktion 17.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Tiefgründig.
drcnussbaumer 04.10.2024 amazon.de
Peter Sloterdijks Werk über den Zorn als zentrale Triebkraft von Entwicklung und Veränderung ist eine beeindruckende Analyse der Bedeutung des Zorns für das Verständnis historischer Umwälzungen. Wer dieses Buch gelesen hat versteht die Gegenwart, aber auch die Dynamik der Geschichte etwas besser. Bereits im ersten Satz, im Eingangs Vers der griechischen Ilias, taucht das Wort "Zorn" auf, fatal und gleichzeitig feierlich, ein Appell, der keinen Widerspruch duldet.Der Mensch ist Träger von stolzen und selbst affirmativen Regungen, die weit über die des Eros hinausgehen. Während die Erotik Wege zu den "Objekten" der Begierde zeigt, die uns fehlen und durch deren Besitz oder Nähe wir uns ergänzt fühlen, erschließt die Thymotik den Menschen die Bahnen, auf denen sie geltend machen, was sie haben, können, sind und sein wollen. Thymos ist ein philosophisches Konzept, eingeführt von Platon als eine der drei menschlichen Grundmotivationen. Der Thymos kann als Regungsherd des stolzen Selbst gesehen werden, als das was Menschen antreibt, das Streben nach Anerkennung. So wird auch verständlich, warum ausbleibende Anerkennung durch relevante Andere Zorn erregt. Der Andere muss sich mit dem Zorn des Herausforderers auseinandersetzen, da dieser sich missachtet fühlt. Wenn die Anerkennung vorenthalten wird, geschieht die Zornaufwallung.Sloterdijk hat das komplexe Geflecht des Zorns geradezu genial in einen größeren Kontext gestellt, in Zorngeschäfte im allgemeinen und einer Rachebank, die, ähnlich wie Geschäftsbanken, Einzahlungen auf das Zornkonto ermöglichen, die zu einem gegebenen Zeitpunkt ausgezahlt werden. Nun bestehen solche Zornkonten nicht nur auf persönlicher Ebene, was treffend von der Psychologie zu erklären wäre. Sie existieren auch in einem viel größeren Kontext. Und genau solche übergeordnete Zornkonten sind Gegenstand seiner Betrachtungen: Die katholische Kirche, der Islamismus, die französische Revolution, der Kapitalismus und der Sozialismus, der kommunistischen Weltbank des Zorns.Seine Betrachtungen eröffnen eine überraschende Klarheit, wie beispielsweise die Russische Revolution, der Aufstieg Mao Zedongs und der politische Islam aus Sicht des Zorns entstanden sind. Der Zorn, gleich ob er explosiv-momenthaft auftritt oder chronisch-weitsichtig, schöpft aus dem Überschuss an Energie, die nach konzentrierter Verausgabung strebt. Dem sich entladenden Zorn wohnt oft die Überzeugung inne, es gebe in der Welt zu wenig Leiden. Dieses Zuwenig folgt aus dem Urteil, wonach gewisse Personen, auch Kollektive oder Klassen, in bestimmten Situationen Leiden verdienen, aber nicht erhalten haben.Bei solchen, aus seiner Sicht zu Unrecht Leidlosen entdeckt der Träger des Zorns seine überzeugendste Ziele. Nie wird er sich damit abfinden, dass der Schmerz bis zur Unerträglichkeit ungleich verteilt ist. Von dem Zuviel, das sich bei ihm selber angehäuft hat (Zornbank), will er einen fairen Anteil an den unbestraften Verursacher zurückgeben. Der Neid ist ein typisches Beispiel, das besonders den Zorn triggert. Beim Neid geht es um Erniedrigung und Enteignung. Deshalb sind die Befürworter nach Erbschaftsteuern und Vermögensteuern in Wirklichkeit weniger an den Steuereinnahmen interessiert, sondern mehr an der Erniedrigung und Enteignung der Vermögenden, egal, ob das Vermögen durch eigene Leistung erarbeitet worden ist oder nicht. Wo der Neid das Gewand der sozialen Gerechtigkeit überstreift, kommt eine Lust an der Herabsetzung zum Zuge, die schon die Hälfte der Vernichtung ist.Sloterdijk befasst sich detailliert mit den Zornmechanismen des Sozialismus, Faschismus und Nationalsozialismus, mit Karl Marx, Lenin, Stalin, Mao Zedongs etc. Diesen Despoten ist es gelungen Zornbanken zu errichten, die sogar die Abschaffung des fünften Gebots "Du sollst nicht töten" - ohne mit der Wimper zu zucken - rechtfertigten. In Lenins unmittelbarer Nähe wurden Thesen formuliert wie diese: "Bei einem so zahlreichen Volk wie dem russischen dürfe man ohne weiteres ein Zehntel opfern, wenn man mit dem Rest erfolgreich weiterarbeiten könne". Auch von Trotzki ist überliefert, dass er als Kommandant der Roten Armee aus geringfügigen Anlässen die Maßnahme ergriff, jeden zehnten Soldaten erschießen zu lassen. Lenins Erklärung, nur in der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Kommunismus sei Repression noch nötig, war nie viel mehr als eine Parole zur Außerkraftsetzung von moralischen Bedenken.Die sozialistische Mobilisierungsmacht war von vorneherein ausschließlich im Medium Sprache vollzogen. Die Selbstdarstellung des Linksfaschismus als Antifaschismus wurde im gesamten Einflussbereich des Stalinismus und darüber hinaus in der Neuen Linken zum vorherrschenden Sprachspiel der Nachkriegszeit, mit Langzeitwirkungen bis in unsere heutige Zeit. Man sagt nicht zu viel, wenn man die Flucht der radikalen Linken in den "Antifaschismus" als das erfolgreichste sprachpolitische Manöver des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Indem die extreme Linke in Europa nach dem zweiten Weltkrieg immer wieder ihren Antifaschismus ins Feld führte, reklamierte sie das Recht, dort weiterzumachen, wo die Revolutionäre vor Stalin aufgehört hatten.Nach Sloterdijk ist es jetzt wichtig, die altehrwürdig-fatale Allianz von Intelligenz und Ressentiment zu delegitimieren, um zukunftsfähigen Paradigmen entgifteter Lebensweisheit Raum zu verschaffen. Deren Kriterien sind bekannt. John Locke, Vordenker des liberalen englischen Bürgertums, hat sie 1689 in schlichter Sprache formuliert: Es handelt sich um die Grundrechte auf Leben, Freiheit und Eigentum. Was die Erfolgsgeschichte dieser Grundrechte angeht, sind die historischen Befunde evident: Nur in Gegenden der Welt, wo diese Normen respektiert werden, sind wirkliche Aufhellungen in Gang. Man kann sich nur wünschen, dass sich diese Grundwerte durchsetzen, entgegen den Neiddebatten, die immer wieder auftauchen.
euripides50 04.10.2024 amazon.de
Manche Wahrheit kann man nur verhüllt aussprechen. Wenn die finalen Thesen des Buches in leicht verständlicher Diktion gleich am Anfang des Werkes ständen, würden die Gutmenschengeier über den Autor herfallen und kein Blatt auf dem anderen lassen. Eingepackt in ein philosophisches Werk von 330 Seiten jedoch bleibt die Wahrheit unbehelligt - vielleicht sogar unbeachtet, weil sich kaum jemand die Mühe macht, ein solches Buch zu lesen.Was schade ist. Denn Sloterdijk, der mit Abstand inspirierendste Sozialphilosoph unserer Zeit, eröffnet dem Leser einen neuen Verständnishorizont unserer Lebenswelt. Was aber kann diesen neuen Verständnishorizont eröffnen? Eine neue Theorie der Menschenrechte, der Zivilgesellschaft, der Klimarettung oder eine neue Genderotopie? Das sind doch alles Narrenkappen oder alte Hüte - es geht um etwas viel Elementares: es geht um den Zorn.Der Zorn steht im ersten Satz der abendländischen Literatur ( der Zorn des Achilleus), und der Zorn wird noch an ihrem Grabe stehen. Denn der Zorn ist ein Mischung aus Wut und Kraft, eine Energie, die sich in Zorndepots" ansammelt um durch die richtigen Fokussierungen zur kraftvollen Veränderung der Welt beizutragen. Wenn die Revolutionen nach Marx die Lokomotiven der Weltgeschichte sind, dann ist der Zorn ihre Antriebsenergie.Das ist eine erregende, neuen Perspektive, und die Art, wie Sloterdijk diese Sichtweise entlang der abendländischen Literatur- und Geistesgeschichte immer aufs neue durchdekliniert, ist beeindruckend und brillant. Diese Passagen über autosuggestive Zornmassen" oder die ursprüngliche Akkumulation des Zorns", über alttestamentarische und christliche Zornexzesse muss man gelesen haben: ein Schatzkästchen für jeden Philosophieinteressierten, eine ganze Galerie exzellenter Miniaturen, die sich zu einem neuen Bild der gesellschaftlichen Evolution zusammen setzen.Ohne zu viel verraten zu wollen, sei nur auf den Ausklang und die zeitdiagnostische Pointe des Werkes hingewiesen. Nach Sloterdijk leben wir im Westen in einer thymotisch vollkommen verarmten Epoche - nach den Zornexzessen des Nationalsozialismus und des Kommunismus ist die Legitimität des Zorns obsolet geworden. Der Zorn kann sich nicht mehr äußern, er diffundiert und verkrüppelt - wo Zorn war, triumphiert nun unter dem Einfluss der Gutmenschen die Schuld, die Neurose, die SelbsterniedrigungAber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn inmitten und vor den Toren der entzornten Gesellschaft erhebt ein neuer Zorn sein Haupt, als thymotische Energie schrecklicher und furchterregender als alles vorhergehende: der Islamismus. Vollkommen unangekränkelt von den Sprachvorgaben des politische korrekten Neusprech beschreibt der Autor auf den letzten Seiten des Buches die heraufziehende Gefahr des Islamismus in einem derartigen Klartext, das einem das Grausen ankommen kann. "Der unvorbereitete Leser des Koran kommt nicht umhin, zu stauen, wie ein heiliges Buch, ohne Furcht davor, sich selbst zu dementieren, nahezu auf jeder Seite den Feinden des Propheten und des Glaubens die Pein des ewigen Feuers anzudrohen vermag."(S. 345) Und gleich anschließend heißt es. "Kein Mensch würde sich um die dunklen Koranstellen kümmern, wären da nicht die Millionen zählenden gewalthungrigen Gottsucherbanden, die sich die Worte zu ihren kommenden Taten zurechtlegen."(S. 346). Das ist das Problem, und einen Rat weiß auch der Autor nicht. "Selbst Kenner der Lage besitzen heute nicht die geringste Vorstellung davon, wie der machtvoll anrollende muslimische youth bulge, die umfangreichste Welle an genozidschwangeren Jungmännerüberschüssen in der Geschichte der Menschheit mit friedlichen Mitteln einzudämmen wäre"(S. 347).Dabei liegt die Therapie nach der Lektüre des Buches klar auf der Hand. Gegen diesen Zorn werden sich nur Gesellschaften behaupten können, die selbst wieder zornig werden. Aber diese Wahrheit auszusprechen, war dem Autor dann vielleicht doch noch ein wenig zu heiß.
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