Der Anfang gefällt mir. Aber die Trostlosigkeit der Ortschaften, die am Beginn erwähnt werden, hat mir Google Earth wesentlich eindringlicher gezeigt als der Roman. Sorry, das klingt banal, aber ich kenne Bücher, die in ihren Schilderungen die Realität von Google Earth weit übertreffen (siehe unten). Ab Seite 40 ließ mein Interesse dann sehr nach, und schließlich gefällt mir das Nachwort weit besser als der Roman.Wer bisher glaubte, nur die russischen Politiker seien krank, kann in diesem Roman den Eindruck bekommen, auch drei Viertel der Bevölkerung seien krank. Übertreibung und Surrealismus ist das Recht der Künster, keine Frage. Dieser Roman enthält Gesellschaftskritik und und viel von den Abgründen des menschlichen Daseins.Was mir nicht gefällt, ist die Sprunghaftigkeit und die Zerfaserung in Einzelheiten, die an vielen Stellen vergessen lassen, dass der Roman tatsächlich einen roten Faden hat. Insofern steht der Roman allerdings in der russischen Tradition. Da wird jeder noch so unbedeutende Statist mit Namen genannt, und man sollte sich den Namen merken, denn wer weiß, vielleicht taucht die Person ja irgendwo wieder auf, vielleicht aber auch nicht, dann hat man sich den Vornamen, Vatersnamen und Spitznamen umsonst gemerkt.Eine Leseprobe:"Übrigens saß auf dem nächsten Fensterbrett ein abgewrackter Veteran der philosophischen Fakultät mit dem Spitznamen Kürbis, der schon im zwölften Jahr studierte und geschlagene drei Minuten lang in ausschließlich nichtnormativer Lexik reden konnte, und zwar ohne ein einziges Wort zu wiederholen. Du hättest auch ihn um ein Feuerzeug bitten können, aber du bist eben auf mich zugesteuert." Exkurse dieser Art in der dargebotenen Häufung nehmen mir die Lust am Lesen.Sicher ist die Übersetzung problematisch. Der Roman wurde für russische Leser geschrieben, und Sarkasmus, Ironie, Gefühle kann man nicht eins zu eins übersetzen.Zwei Sterne bedeuten nicht, dass der Roman schlecht sei. Sie bedeuten nach der Amazon-Definition: "Gefällt mir nicht".Zum Vergleich: Fredy Gareis schreibt in seinem Buch "100 Gramm Wodka" auch über eine Reise. Auch er trifft viele Menschen, er erwähnt die Abgründe, aber für mich weit lebendiger und anrührender.