Die Autorin, die Soziologin Eva Illouz, ist in den vorigen Rezensionen hier schon ausgezeichnet vorgestellt worden, so dass ich mich hier darauf konzentrieren kann, die Erkenntnis wieder zu geben, die ich aus dieser wertvollen soziologischen Abhandlung bislang gezogen habe.Das erst 2011 erschienene Buch ist meiner Lesart nach eine Vervollkommnung ihres Buches : Der Konsum der Romantik.Es ist ein soziologisches Sachbuch; anders als das persönlicher gehaltene Buch von Christiane Rösinger zu dem ähnlichen Themenkreis " Liebe wird oft überbewertet", die es -ein Sachbuch- nennt, meiner Ansicht nach jedoch, ohne das wörtlich zu meinen.Illouz ist daher nicht zu konsumieren wie ein Roman.Ich habe mir Zeit genommen und werde es auch künftig immer einmal wieder zur Hand nehmen, was bei Sachbüchern anzuraten ist.Wer eine leichtere Kost möchte, ist bei Frau Rösinger besser bedient.Meine neue, durch dieses Buch gewonnene Erkenntnis ist, dass die Liebe in der Moderne eine andere Aufgabe hat als in früheren Zeiten, eine umfassendere und eine so schwierige- nämlich die, ein zuverlässiges SelbstwertGEFÜHL zu verschaffen - dass sie darin versagen muss, weshalb sie meistens eben WEH TUT.Sie ist eine APORIE geworden ( Ausweglosigkeit und Unmöglichkeit, eine Frage oder ein Problem zu lösen, da in der Sache selbst oder in den Begriffen Widersprüche enthalten sind ) die ständig über ihre eigenen Füße stolpert.Früher hatte die romantische Liebe auch schon die Funktion, dem Menschen als sozialem Wesen Wohlgefühl und Sicherheit zu geben, aber da konnte sie das sogar dann tun, wenn sie nicht erwidert, nicht erfüllt wurde. Der Mensch sah sich selbst in der Zurückweisung noch veredelt, und stellte nicht gleich seinen gesamten Selbstwert in Frage.Das Selbstwertgefühl hing früher noch von vielen weiteren Quellen ab, von denen die meisten sogar wichtiger waren als die Liebe, besser gesagt : das Sich-Geliebt-Wissen.In den heutigen Zeiten haben die Kriterien zur Beurteilung des Menschen aufgehört, objektiv zu sein, unterliegen also nicht länger der Prüfung durch verschiedene soziale Aspekte mit gemeinsamen sozialen Kodes, sondern sind zum Resultat einer privaten und subjektiven Geschmacksdynamik verkommen.Hierzu mag ICH eben mal die Juroren der immer mehr werdenden Castingshows erwähnen, von denen sich Heerscharen besonders junger Menschen ebenfalls eine Aufwertung ihres Egos erhoffen, oder wenigstens einmal eine Zeitlang SICHTBAR werden zu können glauben.Wer nicht Superstar wird, bleibt auf die romantische Liebe angewiesen.Denn diese ist heutzutage fast die einzige Produzentin von umfassendem Selbstwertgefühl.Vor allen Dingen für Frauen, die immer noch mehr an ihrem dokumentierten Geliebtsein gemessen werden, als an ihren Fähigkeiten, ihrem Status, ihrer Geisteskraft, ihrer Kreativität.Und leider definieren sie sich auch meist selber noch mehr über ihre Sichtbarkeit als Frau, als z.B. über ihre beruflichen Erfolge oder ihr jenseits der romantischen Liebe erfolgreiches Sozialleben.Nach Illouz ( Seite 224) ist " die Liebe ein zentrales Bindeglied- für manche vielleicht DAS zentrale Bindeglied - in der langen Kette der Interaktionsrituale. Das heißt, die romantische Liebe nimmt eine Schlüsselstellung in der Anerkennungsordnung ein, durch die in der Moderne einer Person in Ketten von Interaktionsritualen soziale Geltung zuwächst. Der Grund hierfür ist, dass die Liebe die intensivste und totalste Weise ist, emotionale Energie zu erzeugen, eine Folge der durch sie bedingten Aufwertung des Ich."Gegen alles das wäre ja nichts zu sagen, wenn jede/r spürbar geliebt würde, und wenn die Liebe nicht eine Schimäre wäre, hinter der mensch täglich erneut 24 Stunden lang her jagen - oder, schlimmer noch, daran ARBEITEN - muss, da sie nie ein zuverlässiger Dauerzustand ist. Nicht nur bei der seriellen Monogamie nicht, sondern ebenso so wenig in den Ehen, die hohen Scheidungsraten unterliegen.Denn: sie ist nur ein Gefühl.Also Sand, auf dem nun mal keine Häuser gebaut werden können.Was heute Anerkennung durch das Geliebtwerden ist - vermeintlich oder tatsächlich - kann sich schon morgen ins Gegenteil verwandeln, und jede/r kennt den Song "Yesterday", oder "Don`t let me down" von den Beatles.Der Totalverlust des von der Liebe abhängenden Selbstwertes hängt wie ein Damoklesschwert über allen gegenwärtigen Häuptern; die Verlustangst ( Angst vor dem Entzug der Aufwertung des Ich) ist auch in Honeymoonphasen schon immer mit dabei.Ewig währen kann nur die Liebe von und zu einer Gottheit, die physisch nie präsent ist und für positive Unterstellungen mehr Raum lässt als Männer und Frauen aus Fleisch und Blut.Hinzu kommt - so Illouz- dass die Liebe in Konkurrenz zu einem zweiten menschlichen Grundbedürfnis liegt, das in der Moderne ebenfalls sehr stark ist : das Bedürfnis nach Autonomie.Die romantische Liebe ist also, selbst wenn sie - schon oder noch - DA ist, Quelle eines permanenten Konflikts.Und so kann sie halt nicht anders als hauptsächlich WEH ZU TUN.Denen, die sich ihrer Unzuverlässigkeit fast immer bewusst sind, schon während der Beziehungen, und den narzisstischen Träumer/innen nach ihrem Entzug; dann um so heftiger.Das alles schließt natürlich nicht aus, dass die romantische Liebe phasenweise auch sehr gut tut, das Gegenteil von weh.Das alles wurde mir in diesem Buch erklärt und leuchtet mir ein.Ein herzliches Dankeschön an Frau Illouz.Ich kann die Lektüre dieses Werkes nun dringendst empfehlen.Also, 5 Sterne von mir.