Gute Frage natürlich. Dies ein neuer Anlauf über künstlich gebastelte Sprachen. Wie Nonsensworte oder Unfugausdrücke folgen sie den Grundgegebenheiten des Sprachensprechens. Was würde Derrida hier sagen zum Verhältnis zur Schrift? Auch da pharmakon, Gift oder Heilmittel? Wer übersetzt, wie dieser Nichtfachmann, kann daraus lernen; weshalb dieser nun das Buch gekauft hat. Dank dem Verfasser und dem Verlag!
Ich würde das Buch als eine Mischung aus Sachbuch und Biografie bezeichnen. Man erfährt einiges über den Autor und seine Ansichten, aber gleichzeitig schreibt er informativ und fundiert über Kunstsprachen.Ich mag Clemens J. Setz. Seine Art zu schreiben ist immer ein bisschen ungewöhnlich, fast schon lyrisch, ohne dabei kryptisch zu sein. Er hat immer wieder ungewöhnliche Ideen und wirkt frisch und frech, und gleichzeitig auf eine sehr lässige, fast schon unbekümmerte Art und Weise professionell.Hier zwei Beispiele aus dem Buch, die mir besonders gefallen haben, und meiner Meinung nach typisch Setz sind:"Schnell aber wurde mir klar, dass die Einhorn-Vorrichtung die Funktion eines Zeigestocks erfüllte. Man hatte sie dem Jungen wie eine Grubenlampe vor die Stirn geschnallt, und er deutete mit dem unbegreiflichen Utensil auf einem riesigen vor ihm ausgebreiteten Brett herum, das wie ein Periodensystem der Elemente (in dessen herrliche Symmetrien ich mit sechs oder sieben unglücklich verliebt war) aussah, bloß mit weit mehr Kästchen und mehr Farben.""An der Rezeption stehend bemerkte ich ein großes, deckellos dastehendes Honigglas. Die heilige Substanz in seinem Inneren besaß ein gutmütiges und inniges Leuchten, dem Abschied angemessen dunkel, ein Gemurmel aus Oktoberlicht."Das Buch ist keine trockene Information aber auch keine richtige Kunst, sondern irgendwie eine sonderbare Mischung dazwischen. Man bekommt hier praktisch beides, ohne etwas davon richtig zu bekommen, das ist gleichzeitig ein Vorteil und ein Nachteil. Ich selbst kann mich nicht recht entscheiden, ob ich das mag oder nicht. Wäre es ein reines Sachbuch gewesen, hätte ich es nicht gelesen; ich will mehr Kunst haben, und nicht nur ein bisschen, trotzdem fand ich es sehr fesselnd, wie Setz über die Plansprachen geschrieben hat, und bereue es nicht, das Buch gelesen zu haben.Weil mich das ein bisschen ratlos zurücklässt, gebe ich statt der vielleicht verdienten 5 Sternen doch nur 4.