In dieser sommerlichen Zukunftsversion von Deutschland, in der Hitzewarnungen, Plünderungen und weitere düstere Nachrichten der Klimakrise zum Alltag gehören, geht es um eine zweiunddreißig Jahre alte Frau, die in jungen Jahren nach einer Handverletzung ihre großen Träume als Pianistin nicht verwirklichen konnte und sich nun als Türsteherin eines Kaufhauses über Wasser hält. Was beim Lesen atmosphärisches Unbehagen auslöst, ist für Harriet vertraut, die viel mehr mit ihrem Trauma zu kämpfen hat, welches sie in ihren Träumen heimsucht, als mit den Folgen der Hitze und Dürre. „Jeder Mensch vergisst oder hat falsche Erinnerungen“. Harriets Träume fühlen sich an wie Erinnerungen, die nicht wahr sein können. Erste Zweifel kommen ihr, nachdem sie eine alte Frau aus deren brennenden Haus rettet, die Harriet zu erkennen scheint, dies aber später abstreitet. Außerdem konnte Harriet Auto fahren, ohne sich daran zu erinnern, je den Führerschein gemacht zu haben. Als sie nachzuforschen beginnt, stellt sie bald ihre Vergangenheit infrage und versucht die Wahrheit herauszufinden. Doch jemand will die Lügen schützen und bedroht Harriets Leben.Erzählt wird aus der dritten Person mit einer gewissen Distanz, die mit ihrem nüchternen Stil ganz typisch für Zoë Beck ist. Ich habe bereits ein Buch der Autorin gelesen und mag den Mix aus Realismus, lokaler Nähe und Spannungsaufbau. Die Handlung fasziniert durch düstere Prognosen, sowie einer Hauptfigur, die auf der Suche nach Antworten ist, dabei einige Geheimnisse aufdeckt und echten Gefahren begegnet. Die Auflösung hat mich überzeugt. Die überraschenden Wendungen waren nicht vorhersehbar. Das Ganze ist gut verstrickt und konstruiert, so dass an der Komplexität der Welt kein Zweifel bleibt. Zudem ist der Schreibstil wunderbar, sodass man gut mitfiebern kann, ohne den Lesefluss zu verlieren. Besonders gefallen hat mir, dass Harriets Schicksal einem wirklich nahe geht. Vor allem die Begegnungen mit ihrem dementen Vater, sind sehr einfühlsam und authentisch dargestellt.Fazit: Ein spannender Thriller einer Tragödie, deren Lügenspiel, dargestellt in einer unbequemen Zukunftsversion, überzeugt. Packend und berührend.
Zoe Beck – MemoriaHarriet lebt in Frankfurt. In ihrer Gegenwart hat die Klimakrise einen hohen Preis bezahlt und überall um sie herum entstehen immer wieder Brände aufgrund der hohen Temperaturen. Als erneut ein Brand ausbricht und sie vor den Flammen fliehen muss, kann sie eine ältere Frau in ihrem Haus retten. Die Verwunderung ist groß als diese Harriet scheinbar wiedererkennt.Doch wie ist das möglich? Schließlich hat Harriet früher mit ihrer Familie in München gelebt und die ehemalige Konzertpianistin hat ihr Leben dort vollkommen aufgegeben.Nach und nach blitzen Erinnerungsfetzen auf, doch ist es möglich seine Vergangenheit zu vergessen? Oder spielt ihr der Stress und ihr Gedächtnis einen Streich? Aber warum fühlen sich die Erinnerungen dann so real an?Harriet geht zurück an den Ort ihrer Jugend und muss sich den Erinnerungen stellen und macht dabei eine furchtbare Entdeckung.Ich habe noch kein Buch der Autorin gelesen. Mich hat der Klappentext und die Leseprobe angesprochen, weshalb ich mich für das Buch entschieden habe.Ich habe das gekürzte Hörbuch mit einer Länge von 6 Stunden und 54 Minuten gehört. Eingesprochen wird das Hörbuch von Milena Karas. Die Sprecherin macht einen guten Job und liest die Geschichte emotional und lebendig. Sie schafft es die Stimmung der unterschiedlichen Situationen einzufangen und diese auf die Hörer:innen zu übertragen.Insgesamt ist der Thriller dystopisch angelegt und spielt in der nahen Zukunft, wo Brände den Alltag beherrschen und man insgesamt mit leichtem Gepäck reist um schnell fliehen zu können. Der Erzählstil ist gut, an einigen Stellen wirkt die Story aber etwas zäh.Die Figuren sind detailliert und lebendig ausgearbeitet, zumindest was die Hauptfigur betrifft. Viele Nebenfiguren blieben aber recht blass.Ich konnte Harriet bis zum Schluss nicht sonderlich gut einschätzen, klar ist aber, dass ihr irgendwas Scheckliches passiert ist und sie die Erinnerung daran verdrängt hat. Die Narbe an der Hand und die Erinnerungslücken zeigen, dass sie ein traumatisches Erlebnis hatte. Nach und nach erinnert sich Harriet wieder und das Finale ist wirklich nervenaufreibend – allerdings wirkte es auf mich arg konstruiert. So recht wollte Harriets Geschichte für mich nicht passen, auch wenn die Autorin ihr bestes gibt lose Enden bzw. Gedankengänge zu verknüpfen.Die verschiedenen Schauplätze sind detailliert und anschaulich ausgearbeitet. Die Grundstimmung des Buches ist düster und eher beklemmend. Die Leserschaft erlebt eine Achterbahn der Emotionen durch Harriet, die plötzlich ihren Halt verliert.Ich habe das Hörbuch in höherer Geschwindigkeit in einem Rutsch durchgehört. Auch wenn es Spannungs- und Tempoabfälle gab, hat miich die Story nie komplett verloren. Ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht. Der Weg war interessant, das Finale hat mich nicht so überzeugen können, aber das ist ja auch wirklich Geschmackssache. Insgesamt war es eine gute Story mit einer guten Idee, die zum Nachdenken anregt.Wer einen dystopisch angehauchten Thriller mit einer interessanten Hauptfigur mag, der wird sich mit dieser Geschichte sicher wohl fühlen.Von mir gibt es eine Leseempfehlung.Das Cover ist mir persönlich zu bunt und zu farbenfroh für die recht düstere Grundstimmung der Geschichte, auch wenn das Feuer ein wesentlicher Bestandteil der Story ist.Fazit: interessanter Spannungsroman. Knappe 4 Sterne.