Llamazares Roman ist bedrückend und eindringlich zugleich. Ein deprimierender und doch unter die Haut gehender Blick auf ein sterbendes Dorf und seinen letzten Bewohner in den spanischen Bergen.Seine Beschreibungen sind so bildhaft, dass man die Einsamkeit und das deprimierende selbst spürt. Ein Traum in dem man eintaucht, aus dem man gottseidank aber auch wieder erwacht. Nur manchmal nimmt es Überhand, und es kommt einem so vor als habe das Buch Längen und dann musste ich es doch erstmal beiseite legen.
Julio Llanazares ist ein interessanter Autor, ein Werk habe ich bisher gelesen, andere stehen auf der Liste.Der Protagonist, ein alter Mann dessen Namen man nicht erfährt, harrt als letzter der Bewohner mit seinem Hund in einem Bergdorf in den Pyrenäen aus. Er sieht sein Heimatdorf verfallen, er erlebt, wie sich die Menschen seiner Vergangenheit als Erinnerungen, dann als sichtbare Gestalten in seine Realität hineinbewegen, immer präsenter, bis sich die Grenzen zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten zuerst ein bißchen, dann endgültig verwischen und er sich zu ihnen gesellt.Das Buch entführt durch seine treffende Sprache in dieses verlassene Dorf. Man sitzt mit dem alten Mann am Kamin und blickt durch seine Erinnerungen in die Vergangenheit, man geht neben ihm durch die Berge und fühlt mit – bis hinter die Grenzen der Melancholie zur Selbstverständlichkeit des Todes. An einer Stelle wird der Tod als „Reise ohne Wiederkehr in die Stille“ bezeichnet.Der alte Mann ist soviel mehr als der Chronist des Verfalls seines Bergdorfes. Je länger er alleine ausharrt, desto spürbarer besuchen ihn die ehemaligen, nun toten Familienangehörigen als Geister und verwischen in ihrer Anwesenheit die Grenze zwischen Leben und Tod, weiten das Reich der Toten in das der noch Lebenden aus. Gerade so wie die Vegetation sich die leerstehenden Gebäude zurückholt. Der Protagonist weiß, daß er all dem nicht entgehen kann. Der Tod schleicht sich ein durch die Herdrunden der verstobenen Familienangehörigen und wird somit ganz selbstverständlich familiär, wird zum Familienmitglied und Hüter der alten verlassenen Häuser. Irgendwann fragt sich der übriggebliebene Dorfbewohner, ob er selbst noch zu den Lebenden gehört und ergibt sich dem Sterben, geradeso wie die Häuser des Dorfes, die nach und nach zusammenbrechen und überwuchert werden. Dabei erscheint der Tod nicht feindlich, er existiert einfach, ist eine unausweichliche, später sogar ersehnte Selbstverständlichkeit.Als vordergründiges Thema erscheint mir die Einsamkeit, wobei sich innere und äußere Einsamkeit gekonnt vermischen, und das Auflösen der Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits. Es ist die Chronik eines zwangsläufigen Verlöschens, voller Melancholie und Unausweichlichkeit.Ich finde das Buch bemerkenswert, auch von der kraftvollen Sprache her, aber es ist kein Lieblingsbuch – dazu ist es viel zu schwermütig.
Literarisch ist das Buch wohl nicht zu kritisieren. Ich habe das Buch vom Autor „Rosen aus Stein“ gelesen und bin daher auf dieses Buch gestoßen. Es ist allerdings für mich irreführend, wenn davon gesprochen wird, dass es hier um den Abgesang einer vergangenen Welt geht. Das trifft zwar auch zu, ist aber von untergeordneter Bedeutung. Hier geht es um die detailreiche Beschreibung des Sterbens eines alten, verbitterten und sich wohl schon in einer Art Delirium befindlichen Mannes. Der Mann ist allein und einsam, wohl zum Teil auch selbst verschuldet. Für mich war das Buch fast unerträglich und ich habe es fast mit Zwang zu Ende gelesen. Es bedürfte fast eines Warnhinweises für psychisch instabile Personen. Mir tut es leid so schreiben zu müssen, gerade weil mir der Autor eigentlich ans Herz gewachsen ist und ich es mag, wenn sich ein Autor mit seiner Erzählweise gegen die beschleunigte moderne Welt stellt.