Peter Janich (1943-2016) war der Begründer einer Schule wissenschaftstheoretisch ausgerichteter Philosophie, die unter dem Namen ›Methodischer Kulturalismus‹ firmiert. Diese Denkrichtung begreift Wissenschaft als die Fortführung praktischer Prozesse der Alltagswelt. Die Gegenstände wissenschaftlicher Untersuchung beruhen nicht auf rein theoretischen Überlegungen, sondern werden durch menschliches Handeln konstituiert. Eine kritische Betrachtung von Wissenschaft besteht nach Maßgabe dieser Denkrichtung darin, methodisch zu prüfen, ob wissenschaftliche Leistungen zur Stützung und Förderung der alltagsweltlichen praktischen Prozesse beitragen können.Eine kritische Analyse im Sinne des Kulturalismus hat Janich bereits für unterschiedliche Theorien und Forschungsprogramme durchexerziert, hier nun wendet er sich Wissenschaftsbereichen zu, die mit dem Informationsbegriff operieren. Seine Kritik richtet sich in erster Linie gegen alle Versuche, Information zu naturalisieren. Unter ›Naturalisierung‹ wird dabei verstanden, dass »die Naturwissenschaften beanspruchen, Information in voller und am Ende alleiniger Zuständigkeit erforschen und beherrschen zu können.« (13)Im Gang seiner Untersuchung spürt Janich die Naturalisierungstendenzen nicht nur in Kybernetik und Nachrichtentechnik auf, sondern auch in der Genetik (›Erbinformation‹) und der Hirnforschung (Gehirn als informationsverarbeitendes Organ). Die aus seiner Sicht fatalen Weichenstellungen in Richtung Naturalismus verfolgt Janich aber bis zu den Anfängen der neuzeitlichen Wissenschaften, bis zu Galilei und Descartes, zurück.Legitime Verwendungsweisen des Informationsbegriffs seien, so Janich, an die lebensweltliche Praxis des sich gegenseitig Informierens gebunden. Informieren sei eine Form des Redens und damit ein von Normen geleitetes Verhalten, das sich zwischen Personen vollziehe. Die Normativität sei dasjenige Merkmal der Praxis des sich gegenseitig Informierens, das in den Naturalisierungsbemühungen explanativ nicht einzuholen sei.Und mehr noch: Jede Wissenschaft, die Information naturalisiert, sei auch nicht in der Lage, ihre eigene Praxis zu erklären, die nämlich zum Teil in der Praxis des Informierens bestehe. Sie verstricke sich letztlich in einen performativen Selbstwiderspruch.Im letzten Teil des Buches führt Janich einerseits vor, wie irreführende metaphorische Verwendungen von ›Information‹ zustande kommen, aber auch, in welchen Fällen Metaphern, Abstraktionen und Modelle nützliche und unverzichtbare Rollen spielen, sofern man sich darüber im Klaren bleiben, dass es sich um Metaphern, Abstraktionen und Modelle handelt.Man kann an dem Buch sicherlich bemängeln, dass der Autor allzu oft Seitenwege beschreite, doch das ist nicht dramatisch. Wirklich lästig und störend ist vielmehr der permanente gereizte Tonfall von Janich. Auf eine überaus schulmeisterliche Art begegnet der Autor der philosophischen Tradition, diversen Akteuren der Naturwissenschaften sowie einigen Gegenwartsphilosophen. Das nervt nicht nur beim Lesen, sondern beschädigt auch die Glaubwürdigkeit des Textes.Wer im Übrigen von Peter Janich bereits das Buch »Handwerk und Mundwerk: Über das Herstellen von Wissen« (2015) kennt, das so etwas wie die Summe seines Denkens darstellt, der findet dort im Kapitel VIII auch die wesentlichen Überlegungen des vorliegenden Bandes.