Ein typischer James Ellroy Roman, unmöglich vorherzusagen, wie er ausgeht und wer überlebt ( außer natürlich bei den Protagonisten, die in anderen Romanen, die später spielen und immer noch leben - da bleibt er sich treu! ).Wer andere Romane von ihm gelesen hat, dem wird vielleicht gefallen, daß viele Personen mit ihren peziellen Eigenschaften immer wieder auftauchen; mir geht es zumindest so und ich habe alle von ihm.Ich warte auf den 3. Band dieser Reihe!
Nach insgesamt über 40 Jahren der Roman von James Ellroy kann man weiterhin nur den Hut vor der Kreativität des Autors ziehen, auf der anderen Seite tatsächlich als einzige „Kritik“ daneben stellen, dass am Ende die Sujets immer ähnlich vorliegen.Wer also einfach keine Lust mehr auf die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in den USA hat, wer zynische, ironische, hartgesottene und durchaus nicht selten die „illegale Straßenseite“ nutzende, harte „Cops“ hat, der sollte natürlich auch an diesem neuesten Werk eher vorbeigehen.Wobei Ellroy in diesem Fall eine Reihe historischer Eigenheiten (massiver Argwohn gegen im Lande lebende Japaner) interessant miteinbaut (eine der Hauptfiguren ist ein solcher Japaner und Ellroy schildert wie nebenbei überzeugend die feindliche Atmosphäre aus dem Jahr 2942 und dem erfolgten Angriff auf Pearl Harbour). Wobei das nicht den Kern der Ermittlungen ausmacht, sondern zurückliegende Morde. Beim LAPD gerne nach hinten in die Ablage verschoben, durch den Pathologen Hideo Ashida neues Leben eingehaucht bekommen und neue Ermittlungen nach sich ziehen. Die mehr und mehr in einen Sumpf des Verbrechens führen, mehr und mehr Gefahr aufkommen lassen, in einer Zeit, in der weder Kriminelle noch Polizisten noch kriminelle Polizisten auch nur um Geringsten mit sich spaßen lassen würden.Was sich sinn bildlich in der Person des Dudley Smith niederschlägt. Mit allen Wassern gewaschen, der seine Fühler (die illegalen natürlich) nach Mexiko austreckt, wo in einer kleinen Gegend direkt an der amerikanischen Grenze Truppen der Sinarquistas ausgebildet werden und man natürlich neugierig ist, zu welchem Zweck das da alles so abläuft.Bis sogar Orson Welles im quer über den Weg läuft, bzw. Smith Welles gut gebrauchen kann, nach ein wenig „spezieller“ Überzeugungsarbeit.Wobei es doch eine Weile in diesem epischen Werk benötigt, bis man als Leser einigermaßen einen roten Faden erkennt, der die diversen fast „Milieustudien“ verbindet, die Ellroy aneinanderreiht. Eine Orgie aus Rauschgift, Gewalt, Streben nach Oben auf allen Wegen (wo immer das die einzelnen Protagonisten für sich ansiedeln, jenes „Oben“).Reine Sympathieträger begegnen einem bei der Lektüre dabei selten, was nichts anderes darstellt als ein Spiegelbild von Menschen in verworrenen Zeiten der Krise und der weltweiten Erschütterungen, in denen scheinbar nur gilt, wer sich rücksichtsloser und härter als andere zu positionieren versteht im Tanz um die goldenen Kälber, Eine Positionierung, die schlichtweg mit Härte, Gewalt und Brutalität ausgetragen wird.Eine „Realität“, die sich immer wieder im Buch hart bricht an der „Scheinwelt“ der „oberen 10.000“ und ihrer ausschweifenden Hollywood-Partys. Eine Welt des Films und der Show, die Ellroy grundlegend noch nie mochte und dementsprechend als dekadente, hohle, Selbstüberhöhende Szene ins Bild gesetzt wird, die als fast logische Konsequenz es hier und da „hinter die Ohren“ bekommt.Eine Welt im Wandel mit vielfachen, feindlichen Fronten, die Ellroy im Los Angeles jener Tage aufeinanderprallen lässt zwischen „Roten“ und „Faschisten“, beginnender Kommunistenhatz, abfällig urteilender Chinesen, aufrechter Vaterlandsverteidiger, vor den Nazis nach Amerika geflohener Intellektueller.Das Ganze recht subjektiv geschildert mit ständig zynischem Unterton. Zusammengehalten von einer Leiche, die nach Jahren erst vor Augen liegt, deren Geschichte aber Reichtum versprechen könnte und damit alle handelnden Protonisten in Konzentration versetzt, sich zumindest einen Teil dieses möglichen Reichtums für sich selbst zu sichern.Atmosphärisch dicht, bildkräftig, desillusionierend, spannend und am Ende mit einigen überraschenden Wendungen versehend fügt sich dieser Roman bestens in den „Ellroy-Kosmos“ ein, wenn auch die „Nebengeschichten“ der Historie fast zu platzraubend immer wieder für Nebenaspekte in der Geschichte sorgen und sich Ellroy somit viel Zeit für die Entfaltung der Geschichte nimmt. Zeit, die auch der Leser in Ruhe mitbringen muss.