Stress and the City: Warum Städte uns krank machen. Und warum sie trotzdem gut für uns sind
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EAN 9783570102701

Stress and the City: Warum Städte uns krank machen. Und warum sie trotzdem gut für uns sind

Hersteller: Verlagsgruppe Random House Bertelsmann  ·  MPN: 1186407
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Stress and the City | Warum Städte uns krank machen. Und warum sie trotzdem gut für uns sind | Adli

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 2 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Amazon Customer 18.03.2024 amazon.de
Ich habe mit das Buch direkt am Erscheinungstag bestellt, sofort gelesen und war begeistert. Das Buch spricht natürlich Architekten, Stadtplaner und Neurowissenschaftler, aber auch alle anderen Stadtmenschen an. Wie ich finde ist Herrn Dr. Adli hier eine perfekte Übersetzung wissenschaftlicher Aspekte des Stadtlebens und deren psychischer Effekte gelungen.Besonders die vielschichtigen Interviews mit Stressforschern, Soziologen, Kunstschaffenden, Politikern, Architekten und sogar einer Geruchsforscherin aber vor allem die sehr persönlichen Erzählungen des Autors, waren für mich als Leser ein hervorragender Anker zum Verständnis der wissenschaftlichen Erkenntnisse, welche in diesem Buch sehr fundiert aber eben auch für jeden leicht verständlich beschrieben sind.Und ja: Städte sind gut für uns – wir müssen nur lernen, sie zu lebenswerten Orten zu machen.Ich habe das Buch nicht nur mit Begeisterung gelesen, sondern bereits mehrfach verschenkt.
Benedictu 18.03.2024 amazon.de
Der habilitierte Arzt und Psychiater Mazda Adli befaßt sich mit Streß- und Depressionsforschung sowie Neurourbanistik. Ausführlich geht er in seinem Buch aber auf die soziologischen Studien ein, die das Zusammenleben von Menschen in Städten untersuchen. "Was wirklich zählt. Das soziale Kapital der Stadt" ist eines der interessantesten Kapitel.ZIVILITÄTDer US-amerikanische Soziologe Richard Sennett, mit dem Adli sich eingehender beschäftigt und den er auch befragt hat, beschreibt mit dem Begriff »Zivilität« die Situation In einer Stadt, in der sich die Bewohner ein großes Sozialkapital erarbeitet haben, und eine verantwortungsbewußte und aufgeschlossene Haltung gegenüber ihrer Stadt und den Menschen, die in ihr leben, entwickeln. Er meint damit einen basalen bürgerschaftlichen Konsens, der darauf ausgerichtet ist, daß die Menschen in einer Stadt sinnvoll und friedlich zusammenleben können. Zivilität schaffe eine gemeinsame Ebene der Verständigung, jenseits von Gesetzen und Regelungen. Zivilität entstehe in einer »offenen Stadt«, die den Bewohnern das Erleben von Vielfalt, Unfertigkeit und damit auch einer gewissen Uneindeutigkeit ermögliche.OFFENHEITEine offene Stadt in Sennetts Sinne sei eine Stadt, die eine Vielfalt an Erfahrungen ermöglicht, mit denen wir uns weiterentwickeln können, eine Stadt, die uns vor Aufgaben stellt, die wir nur in Zusammenarbeit mit anderen Menschen lösen können und die dadurch erst die Vorteile einer städtischen Gemeinschaft zutage bringt. In der offenen Stadt, referiert Adli, fühlen sich die Menschen durch die Erfahrung von Unterschieden und Andersartigkeit im wahrsten Sinne des Wortes nicht »befremdet« oder bedroht. Die offene Stadt biete durch ihre Dichte und Vielfalt viel mehr und bessere Gelegenheiten, soziale Kompetenz zu erwerben. Dazu gehöre der Umgang mit Uneindeutigkeit und mit dem Fremden, Frustrationstoleranz und die Fähigkeit, auf Menschen, die anders sprechen oder anders fühlen, aufmerksam zu reagieren. Voraussetzung sei allerdings eine Stadt, in der sich die unterschiedlichen sozialen Gruppen begegnen, miteinander Handel und Geschäfte betreiben und sich – einfach gesagt – gegenseitig beobachten können.AMBIGUITÄTMenschen mit Ambiguitätstoleranz seien in der Lage, die Mehrdeutigkeit bis hin zur Widersprüchlichkeit von Aussagen oder Interpretationen auszuhalten, ohne daß sie wütend oder gereizt reagieren. Diese Fähigkeit setze ein dialektisches Denkenvoraus. Die Person müsse verstehen und emotional nachvollziehen können, daß verschiedene »Wahrheiten« nebeneinander gelten können, ohne daß man die Situation insgesamt in Frage stellt. Ein großes Defizit an Ambiguitätstoleranz könne manchmal mit psychischen Problemen und Erkrankungen einhergehen: Man finde ein solches Defizit bei Menschen mit emotional-instabilen Persönlichkeitsstörungen, den sogenannten Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Sie neigen zu »Schwarz-Weiß-Denken«. Sie seien sie weitgehend unfähig zu erkennen, daß eine negative Situation auch Vorteile haben kann. Ambiguitätstoleranz steckt auch in der Fähigkeit, die Befriedigung von Bedürfnissen aufzuschieben.Und so sei das Aufwachsen unter den Bedingungen der Uneindeutigkeit und Unsicherheit wohl auch ein entscheidender Vorteil der Stadt. Unsicherheit auszuhalten, mit der Fremdheit anderer Menschen einen Umgang zu finden und mit Bedingungen umgehen zu können, die nicht zu hundert Prozent kontrollierbar sind, erhöhe die psychische Flexibilität und Frustrationstoleranz – beides Elemente dessen, was man als Ambiguitätstoleranz bezeichnen könne. Das Ergebnis ist soziale Kompetenz. Sie wächst in der Auseinandersetzung mit den Hindernissen und Unvorhersehbarkeiten des Stadtlebens.Adli zieht eine Parallele zur Theorie der »kognitiven Dissonanz« des amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger. Sie erkläre, wie wir reagieren, wenn wir mit widersprüchlichen Gefühlen oder Wünschen konfrontiert werden. Die sich widersprechenden Gedanken führen zu Anspannung und verlangen nach Auflösung. Kognitive Dissonanz könne zu sozialem Streß führen, weil man etwa um Status und Ruf fürchtet. Ambiguitätstoleranz sei also eine wichtige Ressource, die gegen sozialen Streß schütze.FAZITDieses Streßbuch zur Stadt ist eine sehr gut lesbare Mischung aus persönlichen Beobachtungen des Autors, Interviews und referierten Studien. Besonders aufschlußreich sind die Ausführungen, die auf den sozialen Wesenskern der funktionierenden Stadt zielen: Sozialkapital, Offenheit, Ambiguitäts- und Komplexitätstoleranz, wobei mir das Thema Komplexität zu diffus erschien. Meint Adli wirklich komplex oder doch eher kompliziert? Für einen wichtigen Aspekt der Ambiguität hält Adli, daß sie uns neugierig mache und unsere psychische Flexibilität erhöhe. Ambiguität sei gewiß nicht langweilig, sondern stimuliere uns. So gut das klingt, unklar ist dabei, wieso die bei allen Menschen limitierte präfrontale Verarbeitungskapazität bei der Problemlösung hier keine Rolle spielen soll. Beim Thema psychische Flexibilität in unneindeutigen Situationen mit mehreren Lösungsmöglichkeiten spricht Adli immerhin davon, daß Ambiguität erfordere, Einfallsreichtum zu zeigen, der allerdings blockiert werde, wenn man sich ärgere und den Kopf nicht frei habe.Auch auf die negativen Seiten kommt Adli ausführlich zu sprechen, etwa daß das Stadtleben auf Menschen mit einem genetischen Risiko für Schizophrenie tatsächlich für den Ausbruch der Krankheit eine ähnliche Wirkung hat wie regelmäßiger Cannabiskonsum. In der psycho-somatischen Gesamtbilanz erscheint die Stadt positiv dazustehen, allerdings unter einer Reihe von Bedingungen:Eine Stadt, so zitiert Adli den Soziologen Richard Sennett, funktioniere erst dann gut, • wenn sie uns positiv stimuliert, • wenn sie aus den Unterschieden Vorteile schöpft, • wenn sie Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zu einer leistungsstarken Gemeinschaft verbindet, • wenn die Bewohner Energie gewinnen aus der Erfahrung von Unterschieden und sich so selbst weiterentwickeln können.Erst dann werde ein produktives Zusammenleben der Stadtbewohner ermöglicht und der Zersplitterung der verschiedenen Bevölkerungsteile entgegengewirkt. Und genug Grünflächen muß die Stadt aufweisen. Sie schützen vor sozialem Streß.
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