Rosa Luxemburg: Ein Leben
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Rosa Luxemburg: Ein Leben

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Produktbeschreibung

Rosa Luxemburg | Ein Leben | Ernst Piper | Taschenbuch | 832 S. | Deutsch | 2021 | Pantheon

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 04.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Perfekt!
arno 29.08.2023 amazon.de
Die zm 100. Todestag von Rosa Luxemburg erschiene Biografie hat es in sich. 684 Textseiten,1456 Anmerkungen, eine 35-seitige Bibliographie , 3 Seiten für Abkürzungen und 9 Seiten Personenregister werden vorgelegt. Da schluckt man erst einmal.Piper ist zwar Wissenschaftler, schreibt aber trotzdem verständlich.Allerdings muss man sich - in einigen Teilen des Buches - auf eine gewisse Langatmigkeit einstellen. Sehr ausführlich werden z.B. Auseinandersetzungen und Vorstellungen Luxemburgs zum Revisionismusstreit, zum sog. Massenstreik im Gegensatz zum Generalstreik, zur Spontaneitätstheorie und zur Ablehnung des Bolschwismus Lenins behandelt. So interessant wie diese Themen sind, so werden sie doch sehr breit und teilweise wiederholend ausgewalzt.Allerdings ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Piper immer wieder die konsequent klassenkämpferische Haltung Luxemburg deutlich macht, wonach Sozialismus nur durch die Machtübernahme des Proletariats und Umwälzung der Produktiosverhältnisse zu erreichen ist: Luxemburg stellt sich damit vehement gegen die Theorie Bernsteins, Sozialismus sei evolutionär herbeizuführen, durch Interessensausgleich und Reformen, d.h. durch parlamentarische Mittel.Die sympathische Einstellung Luxemburgs hinsichtlich Ablehnung des Terrorismus jacobinischer Prägung sowie der Satz Luxemburgs zur "Freiheit der Andersdenkenden" als Maßstab sozialistischer Demokratie wird hervorgehoben.Die Sprengkraft dieser Äußerungen Luxemburgs für das sozialistisch/kommunistische Lager war mir so noch gar nicht bewußt. Piper geht sogar so weit,zu behaupten, dass der "demokratische Sozialismus, der Alptraum aller orthodoxen Kommunisten" sei (S. 598). Ein weiteres Wesensmerkmal des Luxemburgismus, ihre Ablehnung des Nationalstaats, ihr strikes Bekenntnis zum Internationalismus als unabdingbare Voraussetzung für den Sozialismus und die daraus resultierenden Diskussionen, wird von Piper ebenfalls ausführlich behandelt; sie ist eine Ursache für die Ablehnung Luxemburgs z.B. in Polen, wo sie noch heute als Verräterin gilt.In weiten Teilen ist das Buch eine Geschichte der SPD und deren innerparteilichen Auseinandersetzungen. Man versteht die heutige SPD sicher besser, wenn man sich mit der Entwicklung dieser Partei einmal beschäftigt hat.Die nur 1,46 m große Luxemburg mit ihrem "etwas verschrobenen Körperbau" war eine furchtlose Wahlkämpferin,, scharfsinnige Denkerin und glänzende Rednerin; ihre Veranstaltungen lösten häufig "wahre Völkerwanderungen" aus.Die Niederlagen Luxemburgs durch die Bewilligung der Kriegskredite mit den Stimmen der SPD sowie letztlich auch der 1. Weltkrieg haben Luxemburg so sehr erschüttert, dass Sie an Selbstmord dachte.Piper geht auch immer wieder auf die private Situation Luxemburgs ein, ihre problematische (Liebes-)Beziehung mit Ihrem Dauerfreund Leo Jogiches (der sie jahrelang finanzierte und mit dem sie politisch eng verbunden war), aber auch Ihre Liebesbeziehung zu Kostja Zetkin, Wladyslaw Feinstein, Paul Levi und ihre tiefe Freundschaft zu Hans Diefenbach.Die Zitate aus Luxemburgs Briefen aus der Schutzhaft Wronke, wo sie sehr viel Freiheiten (mit zwei getrennten Zimmern, privater Kost und freiem Hofgang) hatte, sowie aus den verschiedenen Gefängnisaufenthalten (weniger angenehm) - insgesamt war Luxemburg zwischen 1915 und 1918 drei Jahre und vier Monate in Haft - , werden von Piper ebenfalls gut in die Biografie eingebaut. Hier lernt man eine andere, sehr empfindsame und poetische Seite Luxemburgs kennen, und es werden auch so erstaunliche Sätze zitiert wie "...dass ich nur aus Versehen im Strudel der Weltgeschichte herumkreisle, eigentlich aber zum Gänsehüten geboren bin" ( Brief an Luise Kautsky vom 18.09.1915).Man lernt also nicht nur die Politikerin Luxemburg kennen sondern auch die private, einschließlich ihrer Krankheiten und ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Luxemburg war häufig krank (sie war auf Diätkost angewiesen), aber sie war auch sehr zäh. Sie hatte eine positive Ausstrahlung auf Menschen, war sehr einnehmend und hatte viele innige, freundschaftliche Beziehungen. Ihre lesenswerter Briefwechsel, aus dem Piper zitiert, inbesondere mit Luise Kautsky, Sophie Liebknecht, Clara Zetkin und Sophie Liebknecht gibt einen tiefen Einblick in ihren insgesamt liebenswerten Charakter. In politischen Fragen war sie allerdings meist hart und kompromisslos. Auf diesem Gebiet versagte ihre Menschenliebe, Nächstenliebe und Freundschaft weitgehend, wenn sie sich unverstanden oder enttäuscht sah.Gut gefallen hat mir an dem Buch inbesondere auch der 28-sitige "Exkurs: Die Russische Revolution" . Allein schon wegen dieses Kapitels ist das Buch kaufenswert.Aufheiternd fand ich Pipers Ironie/Witz z.B. auf S.220 bzw. 225, wo er auf die "bürgerlichen Konventionen der damaligen Zeit" abhebt, denen sich die Revolutioärin Luxemburg natürlich auch unterwarf und ferner der Widerspruch der von ihr "dressierten" (so Luxemburg expressis verbis) Hausgehilfin Anna im Verhältnis zur "Macht der Arbeiterklasse".Trotz der oben angesprochenen Längen insgesamt ein hervorragendes Buch, das man auch ohne tiefgreifende Kenntnisse des Marxismus mit Gewinn lesen kann.
Theodor Kuhlau 29.08.2023 amazon.de
Wer war Rosa Luxemburg? Ein österreichischer Sozialist nannte sie eine „doktrinäre Gans“, der SPD-Haudegen Karl Kautsky fand sie einst „nihilistisch“, Stalin wetterte gegen den „Luxemburgismus“, und da sie Lenins zentralistisches Parteikonzept kritisiert hatte, wurde sie deshalb postum in der DDR tot geschwiegen. In Westdeutschland wurde sie im Zuge der 68er Bewegung zu einer Kultfigur aller Linken, man verehrte sie als eine Art Märtyrerin.Sie war, wie Ernst Piper eindrucksvoll zeigt, eine facettenreiche, lebensbejahende Persönlichkeit, und zugleich eine Frau, die ohne dogmatisch zu werden, für das, was sie richtig fand, ihr Leben lang kämpfte.Sie wuchs in Polen auf, Polnisch war ihre Muttersprache, doch wie die meisten jüdischen Familien sprach auch die ihre und mithin auch Rosa selbst perfekt Russisch, Deutsch und Französisch. Das große polnische Versepos "Pan Tedeuzs" kannte sie in- und auswendig. Sie gründete 1893 die Sozialdemokratie des Königreich Polens, wollte, dass Polen von der russischen Vorherrschaft befreit wurde, aber sie wollte nicht den alten Nationalstaat wiederherstellen, getreu dem Diktum aus dem Kommunistischen Manifest :„die Arbeiter haben kein Vaterland“. Weswegen sie heute noch in Polen als eine Art Vaterlandsverräterin gehandelt wird.Fast alle ihre engen Freunde und Mitstreiterinnen waren jüdischer Herkunft, auf SPD-Parteitagen machte sie sich manchmal auf Jiddisch Notizen, aber sie lehnte jedes Mitleid für sie als Jüdin ab. Das Leid eines ausgebeuteten Afrikaners sei ihr genauso nahe wie das eines gettoisierten Juden, sagte sie trotzig.Rosa Luxemburg lebte das Leben einer vollständig emanzipierten Frau, aber den von der SPD ab 1900 regelmäßig organisierten Sozialistischen Frauenkonferenzen blieb sie demonstrativ fern. Sie war eine Politikerin durch und durch, aber als 1919 ein letztes Mal verhaftet wurde, las sie Goethes "Faust, 2. Teil".Ihre große Liebe war der vier Jahre ältere Leo Jogiches aus Wilna. Dieser Arbeiterführer floh auf einem Lehmkarren nach Zürich, wo Rosa Luxemburg studierte, musste ständig seine Pseudonyme, seine Adressen wechseln, Geheimschriften, gefälschte Pässe benutzen.Ein brillant recherchiertes Buch, das frei von ideologischen Scheuklappen geschrieben ist und mir diese Persönlichkeit sehr viel näher gebracht hat.
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