Endlich jemand der Ahnung hat!Wenn die SPD wissen möchte, was sie alles falsch macht, sollten sie das Buch von Sahra Wagenknecht lesen. Anstelle das selbst geschaffene Unrecht im Nachhinein korrigieren zu wollen, was mit der CDU ohnehin nicht machbar ist, sollte man zusehen, dass dieses Unrecht erst gar nicht entsteht.Genau davon handelt dieses Buch. Frau Wagenknecht ist nicht nur eine sehr schöne, elegante Frau. Sie ist vor allem für mich die einzige Politikerin die in wirtschaftspolitischen Dingen kompetent ist. Es gibt kein anderer Politiker der die Mechanik der Geldschöpfung so derart durchdrungen hat wie sie.Geld ist keine natürliche Ressource! Elektronisch erzeugtes Geld hat keinerlei inhärenten Wert. Wozu aus dem Nichts geschaffenes Geld den Banken überlassen um es für Zinsen und Zinseszinsen uns Bürgern als Schulden aufzuhalsen? Das ist zu Recht leistungsfreies Einkommen für Banken! Hier ernten Banker für etwas das sie nicht geleistet haben und das ihnen nicht zusteht!Warum bekommen wir für unser Sparguthaben keine Zinsen mehr? Weil die Banken das Geld von der Notenbank erhalten? Das ist ein Teil der Wahrheit. Vielmehr wird der Kredit aus virtuellem Giralgeld bezahlt, dass Tag täglich über die Zahlungsströme der Banken auf die Girokonten gelangt. Wir zahlen Kredite mit Zins und Zinseszins zurück, das in Wahrheit gar kein Geld ist, sondern ein Versprechen auf Geld das die Bank gar nie einlösen kann. So geht die Umverteilung von Fleißig nach Reich!Mehr als die Hälfte des Buches nimmt die Autorin derartige Verstrickungen des feudalen Kapitalismus auseinander und glänzt mit stringenter Analytik ihrer Argumentation. Was aber wirklich an dem Buch brillant ist nicht nur die lupenreine Analytik des Themas, sondern die in der zweiten Hälfte des Buches stattfindende Synthese. Sie zeigt, wie die Macht des Kapitalismus beschnitten und in eine Wirtschaftsordnung umstrukturiert werden kann die allen Menschen hilft.Ich frage mich inzwischen was Frau Wagenknecht eigentlich noch in der Linkspartei verloren hat. Sie stellt sich mit diesem Buch eindeutig in die Reihe des Ordoliberalismus, in der Tradition eines Walter Eucken.Aufrichtiger und ehrlicher wie Frau Wagenknecht kann man die soziale Marktwirtschaft nicht verteidigen. Mein Kompliment zu diesem gelungenen Buch, unterhaltsam geschrieben ist es ohnehin!
Viele fragen sich seit längerer Zeit, welche Art von Wirtschaftsmodell dieser Sahra Wagenknecht, die da immer so druckreife Sätze in den Talkshows abliefert, eigentlich vorschwebt. Dass sie die alte DDR zurückhaben will, das werfen Gegner ihr immer dann vor, wenn ihnen gar nichts mehr einfällt. Doch dass SW das nicht will, ist jedem offenen Beobachter politischer Diskussionen mittlerweile klar, aber selbst dem Wohlwollenden ist bisher nicht wirklich deutlich geworden:Was für eine Wirtschaftordnung (und damit auch Gesellschaftsordnung) will Frau Wagenknecht denn nun? Und man kann dieses neue Buch nun in einem Satz zusammenfassen: Hier beantwortet sie diese Frage (zumindest zum Teil, allerdings einem wesentlichen).Als jemand, der sich „im Zweifelsfall“ eher als Konservativ-Liberaler bezeichnen würde, auch als jemand, der Organisationen in Wirtschaft und auch Wissenschaft bei Problemlösungs- und Kreativitätsprozessen psychologisch beraten hat, fand ich dieses Buch aus einem ganz anderen politischen Lager aus folgendem Grund heraus höchst interessant: Denn hier geht es ebenfalls um KREATIVITÄT, der unseres Wirtschaftssystems als ganzem!Das Buch beginnt, wie zu erwarten, mit einer großen Kritik am „real existierenden“ Kapitalismus, aber: Diese Kritik ist nicht das Hauptanliegen des Buchs, ich lese sie eher als den Versuch, eine klare Problemstellung herauszuarbeiten. Diese Problemstellung lautet: Unser Wirtschaftssystem zeigt (wie auch von vielen seiner grundsätzlichen Befürworter, auch mir, mittlerweile konstatiert) immer weniger echte INNOVATIONEN - wie aber müsste ein Wirtschaftssystem aussehen, das LEISTUNG, WETTBEWERB, UNTERNEHMERTUM und damit eben auch INNOVATION in viele stärkerem Maße gewährleistet als das gegenwärtige?1. Die grundsätzliche Antwort des Buchs:(a) Dazu braucht es eine Rückgewinnung der Dominanz der Realwirtschaft gegenüber der Finanzwirtschaft(b) Eine Restitution echten Wettbewerbs2. SW entwirft aus dieser Fragestellung und diesem Grundansatz heraus:(a) Ein Bankensystem(b) Ein System von betrieblichen Gesellschaftsformen3. Sie versucht zu zeigen (es klingt sehr einleuchtend): Mit (2) wird (1) erreicht.Das ist die Grundstruktur des Buchs. Was da jetzt im einzelnen dahinter steht, das zu erörtern, würde den Rahmen einer Rezension sprengen. Ich hoffe, der Leser wird neugierig. Ich habe das jetzt bewusst, sachlich und präzise gegliedert formuliert, aber ich glaube, es ist nicht übertrieben zu sagen:Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei macht mit diesem Buch einen geradezu historisch zu nennenden Vorschlag!Sie lädt nämlich alle echten Marktwirtschaftler und alle echten Unternehmer, speziell die Hidden Champions ein, darüber nachzudenken, ob das gegenwärtige System wirklich optimal Wettbewerb und Innovation befördert. (Besonders gefreut hat mich, dass sie das wunderbare Buch von Steve Johnson: Woher die guten Ideen kommen rezipiert hat.) Wichtig: Ihr Wirtschaftssystem würde zwar eine Revolution bedeuten, aber sie gerade nicht voraussetzen, sondern nur Evolution. (Die SPD täte gut daran, ein solches Modell mal zu überdenken ...)Positiv an ihrem Modell werte ich das, was ihr vielleicht mancher vorwerfen wird: es sei zu einfach. Doch zu komplizierte Modelle scheitern in der Realität. Mir ist natürlich klar, dass über all das, was in diesem Buch angesprochen wird, tausende von Büchern geschrieben sind, aber die in diesem Buch entwickelten Modelle von SW haben etwas, was ich ihr in dieser Form gar nicht zugetraut habe, nämlich gesunden Menschenverstand ...SW hat, wie mir scheint, zwei Grundleitmotive:1. Die Befreiung des Sozialismus von der Planwirtschaft2. Die Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus3. Und dann noch ein drittes, eines auf der Metaebene, durchaus emotional: Hier schreibt ein stolzer Mensch, der sich darüber ärgert, dass Leute für sich die ökonomische Rationalität gepachtet haben wollen, obgleich ihre Kenntnisse und Argumente höchst kümmerlich sind. SWs Ehemann, Oskar Lafontaine, hat ja einmal ein Buch mit dem Titel geschrieben „Das Herz schlägt links“, und ich glaube, Sahra W. hat immer auch das Anliegen, die Linke vor einer falschen moralisierenden Gefühligkeit bewahren, in gewissem Sinne a `la „Auch die kühle Rationalität schlägt links“. (Der Chef des FAS-Wirtschaftsteils, Rainer Hank, hat grad dazu ein Buch veröffentlicht.)FAZIT: Ich bin wahrscheinlich an keiner Stelle des Buchs mit SW völlig einverstanden, aber es täte vielen Leuten aus der Wirtschaft gut, die Gedanken dieses Buchs zu überdenken.POSTSKRIPTUM:Ich will noch ein paar „negative“ Gedanken anfügen. Zunächst: Die Autorin hat sich etwas Undankbares aufgeladen: In einer Zeit, in der man von Krise zu hechelt, ist kaum noch der ruhige Atem gegeben, um sich so grundlegende - wenn auch absolut konkrete - Gedanken machen, wie dieses Buch sie entwickelt; es kann sein, dass das Buch deswegen versandet; `s wär schade. Es kann der Autorin auch passieren, dass sie zwischen allen Stühlen sitzt! Dass die traditionellen Linken sich schwertun werden damit, dass die Autorin den Wettbewerb als so essentiell ansieht, und die Nicht-Linken werden sich schwertun damit, dieses Buch überhaupt ins Auge zu fassen und sich vorzustellen, von einer Linken etwas über die Prinzipien der Marktwirtschaft zu lernen. Beides wäre ebenfalls schade. (Eine Anmerkung in diesem Zusammenhang: Wer, wie bspw. Albrecht Lucke in seinem letzten Buch über die Linke, die Meinung vertritt, SWs gedanklicher Pfad über Ordoliberalismus und auch Liberalismus sei „Camouflage“, dem fehlt psychologisches Gespür; SW, dies sage ich als Psychologe, ist ein viel zu gradliniger, zu rationaler, v.a. zu stolzer Geist, um sich zu „verstellen“.) Man fragt sich übrigens, warum die Linkspartei bisher so wenig auf die Idee gekommen ist, Mittelstand und Unternehmer anzusprechen; mit den realexistierenden Arbeitern wird`s nicht reichen; wahrscheinlich wird das Buch leider ein Produkt der gedanklichen „Einzelunternehmerin“ SW bleiben. Zu kritisieren wäre m.E. der Titel des Buchs: „Reichtum ohne Gier“, das klingt moralisierend und psychologisierend, der Grundmodus aber ist analytisch. (Man hat fast ein wenig den Eindruck, als ob zuerst ein anderes Buch geschrieben werden sollte, am Anfang ist mir zuviel von der oben angesprochenen moralisierenden Gefühligkeit, erst so ab S.50 bekommt das Buch „drive“ und wird immer besser, klarer und rationaler, je weiter es fortschreitet.) Und vielleicht sollte die Autorin mal darüber nachdenken, ihre Gedanken in Form von Graphiken und Fazits noch besser zu veranschaulichen (die Gliederung ist dagegen sehr klar). In einer zweiten Auflage sollte man das Buch von Schwächen befreien, damit es gewissermaßen seiner eigenen Größe gerecht wird. Auch könnte man das Anliegen des Buchs viel besser bspw. durch folgenden Titel ausdrücken:WIR SCHAFFEN DAS!Wie wir Start-ups, Mittelstand und echte Unternehmervor dem Kapitalismus rettenDeswegen sage ich abschließend wie Guido Maria Kretschmer mit freundlicher und sanfter Stimme: Diesmal nur vier Punkte, ich setze auf die zweite Auflage und wünsche der Autorin, dass sie mit der Wirtschaft in einen sachlichen Dialog gelangt, beide Seiten könnten nur davon profitieren.