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Orhan Pamuks Buch über "Istanbul, Erinnerungen an eine Stadt", in der der Literaturnobelpreisträger von 2006 geboren wurde und heute nach langer Abwesenheit wieder lebt (und arbeitet) ist eine intime und melancholische Liebeserklärung an eine große Kulturmetropole. Pamuks Buch ist ein ungeheuer geistreiches Buch, das von einer ruhig fließenden, klassischen Sprache, aber auch von orientalischem Bilderreichtum und einer unendlich lebhaften Welt von Zwischentönen lebt.Nach dem Ende des Osmanischen Reiches, das mit dem Ende des Ersten Weltkriegs zusammenfiel, und nach einer Zwischenepisode unter dem "Vater der Türken", Kemal Pascha, genannt Atatürk, war das mächtige Byzanz, die Hauptstadt des griechisch-oströmischen Reiches, neben Rom die erste Megapolis und erste Kosmopolis der Weltgeschichte, war das spätere prächtige Konstantinopel und heutige Istanbul über einen langen Zeitraum hinweg, geprägt durch dramatische politische Turbulenzen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Militärdiktaturen, in einen Dornröschenschlaf versunken, aus dem es erst in den letzten zwei oder drei Jahrzehnten langsam wieder aufgewacht ist.Heute ist Istanbul wieder eines der bestimmenden Kulturzentren jenseits von Paris, Berlin, Wien und Rom, und es kann mit allen von diesen mithalten. Seine Schönheiten ziehen jeden magisch in den Bann, der sich vom orientalischen Zauber, aber auch vom kultureuropäischen Flair der Stadt zwischen Bosporus und Goldenem Horn begeistern lassen will. Für jeden, der die Stadt an der Grenze zwischen Europa und Asien schon kennt, die zu allen Zeiten der Weltgeschichte ihren sehr eigenen Platz im Zentrum des jeweiligen Geschehens eingenommen hatte, bleibt sie ein Ort heimlicher, oder auch offen zur Schau getragener Sehnsucht. Man könnte es auch das "Heimweh des Weltbürgers" nennen. Für jeden, der sich dem Charme der Weltstadt Istanbul erst jetzt öffnet, wird sich die Begegnung ebenfalls als eine besonders langlebige Freundschaft erweisen, weil niemand sich dem Charme seiner märchenhaften Geheimnisse jemals wieder entziehen kann.Wie jede wahre Kulturmetropole in der ganzen Welt ist auch Istanbul eine im tiefen Kern melancholische, geheimnisvolle und, jenseits vom geschäftigen Lärm und scheinbar allgegenwärtigen Chaos, stille Schöne, die ihre Liebhaber nicht durch grelle Töne und Farben, sondern durch verhaltene, verborgene, erst auf den zweiten Blick erkennbare, hingetuschte Feinheiten für sich einnimmt. Wie sie entweder alte, immer noch elegante, sehr kultivierte, auch vielleicht ein bißchen verschrobene, Damen auszeichnen. Oder aber sehr junge Mädchen, denen ihre zukünftige, von alter und gewachsener Kultur geprägte Schönheit schon unübersehbar auf den Leib geschrieben ist.All das bietet Istanbul. Und das nicht erst seit gestern, sondern immer schon. Für den einen oder anderen mag das eine ganz neue Betrachtungsweise sein, die er der Stadt zwischen Orient und Okzident, der Stadt der Türken, die sich in Berlin und Kreuzberg doch scheinbar durch alles mögliche andere, aber nicht vordergründig durch Kultur und feine Melancholie, auszeichnen, unbedingt nicht zugetraut hätte. Wer also wirklich interessiert daran ist zu erfahren, wer die Türken sind, woher sie kommen und vor allem: was sie mit Europa immer schon gemein hatten und immer noch haben, sollte sich von Orhan Pamuk mitnehmen lassen auf seiner Reise in die Erinnerungen einer (seiner) Stadt, die, wie alle Kulturmetropolen der Welt, Gemeinsamkeiten widerspiegelt, die allen gehören, nicht nur den Türken, aber vor allem diesen.
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Letzte Aktualisierung: 17.10.2026 18:15 Uhr.