„Die hellen Tage“ ist ein wunderbarer, sehr leiser Roman über Kindheit, Freundschaft, Verlust, über das Erwachsen werden und Erwachsen sein.Die drei Kinder Aja, Serie und Karl wachsen gemeinsam im fiktiven Städtchen Kirchblüt bei Heidelberg auf. Ajas Vater ist nur zwei Monate im Jahr anwesend; Series Vater starb kurz nach ihrer Geburt und Karls Bruder stieg in ein Auto und kam nie wieder.Der Roman erzählt von den schönen, als auch den schwierigen Tagen die die drei durchleben, von Erlebnissen, die sie aneinanderbinden und entzweien, um sich doch wieder zu finden.Mittelpunkt ihrer Kindheit sind der Garten und das Haus von Ajas Mutter Evi. Karls Eltern (getrennt) leiden schwer unter dem Verlust von Karls Bruder, sie igeln sich in ihre Trauer, mauern sich in ihr ein, und für Karl bringen sie kaum noch Kraft auf. Evis Haus, Evi selbst, Aja und Serie sind seine Inseln des Glücks, der Zuneigung und Aufmerksamkeit.Series Mutter hat nach dem Tod ihres Mannes die Spedition übernommen, sie ist Geschäftsfrau und alleinerziehende Mutter, auch für Serie wird Evis Heim ein Zufluchtsort. Denn Evis scheint von allen Erwachsenen diejenige zu sein, die dem Leben am meisten abgewinnen kann und es mit Freude zu füllen weiß. Materiell ist sie am schlechtesten aufgestellt, als Imigrantin aus Ungarn, als ehemalige Zirkusartistin und Analphabetin, wohnhaft in einer schiefen Gartenlaube nahe dem Bahnhofshäuschen und am Rande der Felder, etwas außerhalb des Städtchens, ist ihre Wohnsituation ein Gleichnis für ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft, innerhalb von Kirchblüt. Kinder sind unbefangen, Kinder achten nicht auf Normen und Konventionen und so richten sie sich in Evis Garten und Leben ein, weil sie sie lässt, weil sie den Kindern etwas bieten kann, was das Geld (bei Karl und Serie vorhanden) nicht ermöglicht. Evi ist für mich die heimliche Protagonistin des Romans, denn der Fokus liegt auf den Kindern, aber sie ist die stille Heldin, weil sie ihr eigenes Glück/Leben hinter das der Kinder stellt. Und so finden sich auch die Mütter und Karls Vater in Evis Garten ein und die Evis Lebenslust und -mut bleibt nicht ohne Wirkung. Evi öffnet für Karls Eltern wieder die Fenster zur Welt, die Fenster zum Leben außerhalb ihrer selbsterichteten Mauern und auch für Series Mutter wird Evis Wohnort zu einem Platz des Aufatmens, Durchatmens, des zu sich selbst kommen.Der zweite Teil spielt hauptsächlich in Rom, wohin es Karl, Serie und Aja zieht, nachdem sie den Elternhäusern entwachsen sind. Wärme und Licht sind für sie die Synonyme des Lebens, der Lebensfreude. Doch ausgerechnet an diesem Ort offenbaren sich weitere Schatten. Schwer und dunkel hängen die in Rom kaum vorhandenen Wolken über ihnen. Nichts scheint mehr so sein, wie es einst Kirchblüt war. Ihre Freundschaft scheint daran zu zerbrechen, zu schwer die Schuld, die Last, die Unmöglichkeit des Vergessen und Verzeihens. Als der Satz aus Irvings Hotel New Hampshire: „Bleib weg von offenen Fenstern“ sich in den Roman einschlicht und wie auch bei Irving zu einem roten Faden wird, hatte ich die Befürchtung, er würde ein Spoiler sein und war fast sauer, Satz und Roman bereits von Irving zu kennen. Er wurde es nicht und dafür bin ich der Autorin tatsächlich dankbar.Ein stiller Roman. Ein Roman über das Leben. Alltag. Ein Psychogramm. Nein, sieben Psychogramme über die Arten mit Verlust, mit Ängsten umzugehen, über die Kraft von Freundschaft, wie Freundschaft wächst und woran sie zerbrechen kann. Ein Roman über die Stärken und Schwächen, ein Roman über Menschen und Menschliches. Ein großer Roman! Jedenfalls für Leser, die sich auf die Langsamkeit/Genauigkeit, auf die Detailliebe und die wunderbar poetische Sprache von Zsusa Bánk einlassen können und wollen.
ich habe das so noch nie erlebt:Ich hatte Angst davor, dass deses Buch je enden könnte! Als ich bei den letzten Seiten angekommen war, hätte ich weinen können allein dieser Tatsache wegen!Es ist einfach so wunderbar geschrieben! Es weckt bei mir Erinnerungen einer längst vergangenen Zeit, ist voller Tiefgründigkeit und ja...Zeit, wunderbarer Zeit!Es ist ein Buch zum fühlen, fast wie Musik und irgendwie nicht besser auszudrücken! Es besticht durch Bildlichkeit, Klangfarbe und Glaubwürdigkeit.Ich denke, wenn man das Buch richtig versteht ist es absolute Magie! Ja...Magie...besser könnte ich es in einem Wort nicht beschreiben!Wer dieses Buch nicht liebt, hat vielleicht einiges im Leben (noch) nicht verstanden, versäumt oder ist noch nicht so weit...Es ist eher zwischen den Zeilen zu verstehen und das kurzweiligste Buch, das ich je gelesen habe!Ein Buch für vielleicht eher tiefgründigere Menschen und sicherlich nichts für die schnelle und einfache Unterhaltung, wo es (nur) um den Fortgang von Ereignissen und Spannungsmomenten geht.Dieses Buch weckt Emotionen ohne mit großen Ereignissen abzulenken! Ein sehr authenisches Buch! Einfach wunderbar!Vielen Dank Zusa Bank, für dieses einzigartige und großartige Werk! Vielen vielen Dank! Mein absolutes Lieblingsbuch!!
Ich habe ewig gebraucht, um dieses Buch zu lesen. Die Geschichte lässt sich viel Zeit, im besten Sinne könnte man sagen, sie wirkt entschleunigend. Ich konnte es deshalb nur in kleinen Dosen lesen, wollte es aber auch nicht aufgeben, weil die Geschichte trotzdem gut ist und die Figuren so liebevoll und klischeefrei beschrieben sind, dass man ihnen einfach gerne weiter auf ihrem Lebensweg folgen möchte...