Traumatherapie ist, wenn sie nicht sehr überlegt und strukturiert erfolgt, keineswegs ein ungefährliches Geschäft. Das gilt sowohl für die Patientin, als auch für die Therapeutin. Für die Patientin besteht die Gefahr darin, dass sie von belastenden Ereignissen überschwemmt wird. Dass der Blick zurück dazu führt, dass sie, oder die Bilder zu einer Salzsäule erstarren. Für die Therapeutin besteht die Gefahr darin, in das geschilderte Geschehen "verstrickt" zu werden. Vor Mitleid über zu fließen. Sich zum Helfer , oder gar zur Beteiligten an einer Reinszenierung machen zu lassen. Beim EMDR, so wie ich diese Methode verstanden hatte, war es erforderlich noch einmal in den Orkus hinabzusteigen. Das Geschehene so genau wie möglich und von den Umständen so realistisch wie möglich zu erleben. Das ist eine Kontroverse, die auch innerhalb der Gemeinschaft der Therapeuten besteht. Die einen sind der Meinung dass dieser möglichst realistische Rückblick erforderlich ist, und die anderen lehnen das eher ab. Wenn man sich die imaginativen Übungen anschaut, die in Therapien häufig eingesetzt werden, dann sind dies Vorstellungen, die die Betroffene stärken sollen. Dass sie innere Helfer haben. Dass sie in der Vorstellung über Kräfte verfügen, z.B. ganz schnell laufen zu können, zwischen sich und dem Geschehen eine unsichtbare Glaswand entstehen zu lassen, Kräfte und Fähigkeiten über die wirkliche Menschen nicht verfügen.An der hier vorgestellten Form der Traumatherapie finde ich so sympathisch, dass sie der Patientin größtmögliche Autonomie vermittelt. Fähigkeiten, die sie sofort auch im Alltag für sich verwenden kann. Es sieht, wenn man solche Bücher liest, so aus, als könne man das in wenigen Stunden erlernen. Das ist natürlich nicht so. Selbstverständlich hat jeder schon einmal eine Leinwand gesehen. In der Schule, wenn der Lehrer im Naturkunde- Unterricht einen Film vorgeführt hat. Zuhause, als der Vater stolz seine ersten Dias vorführte, wurde eine Leinwand aufgestellt. Man erinnert sich auch daran, dass mittels der Optik, das Bild vergrößert und verkleinert werden konnte. Sowohl bei der Vergrößerung, als auch beim Verkleinern, gibt es einen Punkt, wo man das Bild gar nicht mehr erkennen kann.Diese Traumaarbeit ist insofern schonend, als es zunächst darum geht, die Tretminen, die sich um das Trauma gruppieren,und von denen man manchmal gar nicht mehr weiß, warum sich da etwas furchtbar in einem aufregt, zu entschärfen. Das ist bei mir der Fall, wenn ich jemanden im Krankenhaus besuchen muß. Die grauen Gänge mit den Nummern an der Tür, der Geruch von Desinfektions- und Reinigungsmitteln in manchen Stationen, die lösen in mir sofort den Impuls aus, irgend einen Weg hinaus zu suchen. Da ich als Kind einmal längere Zeit in einem Krankenhaus war,ist es sehr wahrscheinlich dass von den damaligen Erfahrungen manches bis heute nicht ganz verarbeitet ist.Mir erscheint diese Arbeit sehr repektvoll. Ich habe mich, wie bei anderen Trauma- Büchern auch, gefragt, ob die Krankenkassen den Patientinnen heute die notwendige Zeit einräumen um diese schonende Aufarbeitung durchzuführen. Ellen Spangenberg hat lange Zeit in einer Trauma- Klinik in Bad Wildungen gearbeitet, wo sie die Grundlagen für die TRIMB- Methode von Ingrid OIlbricht erlernt hat, die eine der ersten Therapeutinnen war, die sich dezidiert mit traumatisierten Frauen und Männern auseinander gesetzt hat.Etwa in dieser Zeit erschien auch das Buch, Die Narben der Gewalt" von Judith Hermann. Wenige Jahre später erschien das Grundlagenwerk von Bessel van der Kolk, "Traumatic Stress", in deutscher Sprache. Inzwischen ist mehr als eine Generation ins Land gegangen. Ulrich Sachsse, Michaela Huber, Jochen Peichl und Luise Reddemann, haben ihre Konzepte von Trauma-Therapie und Verarbeitung vorgestellt. Inspiriert wurden diese Konzepte auch durch hypnotherapeutische Konzepte, für die die Namen Watkins und Watkins, Kluft, oder Frederick und Phillips stehen.Martin Sack hat bereits ein Buch über eine schonende Traumatherapie vorgelegt. Er hat darin herausgearbeitet, dass es nicht immer erforderlich ist, sich mitten in das traumatische Geschehen zu begeben, dass es besser sein kann, den Blick immer aus einer gewissen Distanz und unter der Begleitung einer erfahrenen Therapeutin, zu wagen.Diese Vorsicht, hätte mich früher stutzig gemacht. Heute sehe ich die Vorsicht als eine Qualitätsmerkmal einer gelingenden Therapie an. Die Autorin schildert, wie sie die Patientin immer wachsam begleitet. Wie sie die Schritte und Vorgaben der Patientin aufgreift, und gleichzeitig immer selbst die Rettungsschnur und das Geländer darstellt, an dem sie sich festhalten und wieder aufrichten kann.Mir flößt diese Arbeit großen Respekt ein. Es ist nicht einfach eine Zusammenschau dessen, was auch andere Therapeuten machen, die bei achtsamkeitsbasierter Arbeit, den Atem in ihre Arbeit einbeziehen, die mit imaginativen, oder hypnotherapeutischen Interventionen arbeiten. Die den Körper als eine Ebene betrachten die eine wesentliche Rolle bei der Auflösung des Traumas spielt, wie es Babette Rothschild und Peter Levine in ihrer Arbeit mit unterschiedlichen Ansätzen, verfolgen.Ich kann nach der Lektüre dieses Buches, das kein Patientenratgeber, sondern eher eine Anleitung und Zusammenfassung der vorgestellten Arbeit für Therapeuten darstellt, nur jeder Betroffenen wünschen, eine so engagierte und gleichzeitig behutsame Therapeutin für sich zu finden.