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Einer der Spiegel des Anderen | Briefwechsel 1922-1960 | Ernst Jünger (u. a.) | Buch | Deutsch
Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5,0
5 Bewertungen
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Redaktion12.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieser Briefwechsel zwischen Gretha und Ernst Jünger ist ein absolut faszinierendes und literarisch wertvolles Stück, das ich mit großer Begeisterung empfehle. Die Zusammenstellung und Darstellung dieser historischen Korrespondenz ist hervorragend gelungen.
Da ich Herrn Jünger noch persönlich aus kindheitstagen kenne und seine Frau eine gute Freundin meiner Großeltern war, lag mir dieses Buch sehr am Herzen. Es gibt tiefe Einblicke in die Persönlichkeit ernst jüngers
Tu ich einem großen Autor, dem ich trotz entgegengesetzter Gesinnung als Leser in einem langen Leben treu war, Unrecht, wenn ich sage, die Lektüre des privaten Briefwechsels sei eine Fundgrube für Eheberater, Beziehungspsychologen und feministisch orientierte Ehekritiker? Wie in einem Labor prallen im Briefwechsel zwei kantige Persönlichkeiten, zwei Menschen mit ihren Lebensentwürfen, stoßen Eiszapfen und Kerzenlicht aufeinander, wehrt sich ein Künstler mit seinen "vorgeschriebenen Lebensgesetzen" gegen die Liebeserwartung einer oft enttäuschten Ehefrau (sie zeichnet einmal sogar eine "Liebeskurve" in ihren Brief), konfrontiert sich der "männliche Standpunkt" in seiner gewissen Kargheit und Kälte gegen die Gefühlswelt einer Frau, die von ihr in psychologischer Gründlichkeit, ja Emphase verteidigt wird. Dieser Gegensatz spielt sogar ins Materielle hinein: der Mann - so sagt er - richte sich im Haushalten nach den "Einnahmen", die Frau nach den "Ausgaben" (und prekär war die finanzielle Situation des Autors nicht selten). Zwei Welten im Kontrast, vor allem während des Krieges: der Mann im luxuriösen, ästhetisch ergiebigen Pariser Lebens eines Offiziers-Dandys, die Frau in den schrecklichen Turbulenzen der Bombengewitter in und um Hannover, belastet und beladen mit den Sorgen ganzer Sippen (inklusive der Heimsuchung eines weiblichen akademischen Fans, der unbedingt in das so sorgsam in Koffern geborgene Manuskript des Bestsellers "Auf den Marmorklippen" Einblick nehmen muss). Der Mann leistet sich eine Geliebte im fernen Paris, stellt die Beziehung in seinen Tagebüchern und Notizen dar und wundert sich, dass die Frau an der Öffentlichkeit des Verhältnisses Anstoß nimmt, ganz abgesehen von den "Kränkungen" (für Jünger nur "Störungen", die sich bei seiner Frau nur in "Vergrößerung" zeigten). Aber diese Ehe ist nicht, wie ein namhafter Kritiker meinte, eine "Ehehölle". Nein, beide kämpfen um ihren Bestand, der "Eheherr" und "Perpetua", und sie sind damit 38 Jahre lang erfolgreich, bis zum frühen Krebstod Gretha Jüngers, geb. von Jeinsen, 1960. Eine wirklich spannende Lektüre. Trotzdem frage ich mich: Sollte der Verlag die Privatheit eines Autors, der schon in frühen Liebesbriefen in dreifacher Signatur sein EJ in verschnörkelten Arabesken als Ausdruck seines Stil- und Markenwillens verwendet, zu Markte tragen und damit ein eisernes Profil ausfransen lassen? Und die Briefe Jüngers sind sehr viel banaler als die lebhaften und farbigen und klugen seiner Frau.
Das Buch gibt eine Auswahl an Briefen wider. Ein wenig bleibt es deshalb Stückwerk. Man kann allerdings gut die Phasen der Ehe nachvollziehen: Von der schwärmerisch-romantischen Verliebtheit hin zum Alltag, wo es ganz nüchtern und zweckmässig nun um Rechnungen, Immobilien, Arztbesuche und Umzüge geht bis hin zu bitteren Vorwürfen wegen "Ernstels" Affäre mit einer Französin und abgekühlten Gefühlen, bis hin schließlich zur Krebserkrankung von Jüngers Frau. Bemerkenswert finde ich immer wieder generell bei Briefen aus Kriegszeiten das merkwürdige und doch ganz typische Nebeneinander aus Schrecken und Alltag. So in etwa: "Nebenan fielen nachts Bomben, dem Herrn Meier hat es ein Bein abgerissen. Im Garten werden langsam die Äpfel reif. Mutter lässt Dich grüßen!"
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Letzte Aktualisierung: 17.10.2026 18:15 Uhr.