"Der Waldgang" von Ernst Jünger ist ein bemerkenswertes Buch, das auch heute noch höchst aktuell ist. In einer Zeit, in der die Gesellschaft von Hektik, Konsum und Oberflächlichkeit geprägt ist, ruft Jünger dazu auf, sich zurückzuziehen und die Freiheit des Einzelnen zu schätzen.Das Buch zeichnet ein Bild vom "Waldgänger", einem Menschen, der bewusst Abstand von der Masse nimmt und sich in die Stille der Natur begibt. Jünger betont die Bedeutung der Innerlichkeit und der persönlichen Freiheit in einer Welt, die oft von äußeren Zwängen und Normen dominiert wird. Dabei geht es nicht um Isolation, sondern um eine bewusste Entscheidung, sich von der Oberflächlichkeit des Alltags zu lösen und die eigene Individualität zu entfalten.Jüngers Schreibstil ist prägnant und tiefgründig. Er vermittelt seine Gedanken in klaren, nachdenklichen Worten, die zum Innehalten anregen. Das Buch regt dazu an, über den eigenen Lebensstil und die Prioritäten nachzudenken.Für mich persönlich hat "Der Waldgang" eine inspirierende Wirkung gehabt. Die Idee des bewussten Rückzugs und der Fokus auf die eigenen Werte und Überzeugungen haben mich nachhaltig beeinflusst. Das Buch ermutigt dazu, kritisch zu hinterfragen, was wirklich wichtig ist und wie man ein erfülltes Leben führen kann.In einer Zeit, in der die Digitalisierung und der Trubel des modernen Lebens oft überhandnehmen, bietet "Der Waldgang" eine Erinnerung daran, dass die Freiheit des Einzelnen und die Verbundenheit mit der Natur unverzichtbar sind. Ich empfehle dieses Buch allen, die sich nach einem tieferen Verständnis ihrer eigenen Existenz sehnen und den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Waldgang:Der Einzelne ist mehr wert als augenscheinlich. Das Gegenteil wird ihm aber von der Politik und den Medien suggeriert. Die Regie versucht ihm vorzuspiegeln, dass er einsam und unsolidarisch sei. „Und nicht nur das - die Mehrheit soll nicht nur ziffermäßig imponieren, sondern auch durch Zeichen moralischer Überlegenheit.“ (4)In Wahlen wird ihm „Gelegenheit geboten, sich an einem Beifall spendenden Akt zu beteiligen.“ (2)„Die Propaganda ist auf einen Zustand angewiesen, in dem der Staatsfeind, der Klassenfeind, der Volksfeind zwar durchaus aufs Haupt geschlagen und schon fast lächerlich geworden, doch immerhin nicht ganz ausgestorben ist.“ (3)Wir befinden uns schnell in einer „Demokratie, über die es nur eine amtliche Meinung gibt - und zahllose geflüsterte.“ (5)Ein „Demokrat“, der vorträgt, was alle sagen und was keineswegs neu und schon gar nicht von ihm selbst erarbeitet ist, tritt „damit nicht nur aus seinem politischen System, sonder auch aus seiner Individualität heraus.“Die Freiheit der Meinungsbildung wird täglich domestiziert. Der Mensch wird dressiert, sich seine souveräne Entscheidung ausquatschen zu lassen. Die Gesellschaft wird zu einer „Auseinandersetzung des Einzelnen mit dem technischen Kollektiv und seiner Welt.“Er, der so unwichtig sei und die Ausnahme, der Verirrte, der Querdenker, der Absonderliche, der noch nicht begriffen hätte, wird traktiert, kommentiert, in die Ecke und bloß gestellt.„All diese Enteignungen, Abwertungen, Gleichschaltungen, Liquidationen, Rationalisierungen, Aufteilungen und Pulverisierenden setzen weder Bildung noch Charakter voraus.“ Die Bildung wird von der Staatsmacht gern in Obhut genommen und in Bahnen gelenkt. Es gilt: Zuckerbrot und Peitsche. Es winken Umverteilung, „Sicherheit“ und ein Rentnerdasein auf Staatskosten, und es drohen Verunglimpfung, Ermahnung, Bevormundung und Ausschluss. Der Einzelne muss sich seine Freiheit teuer erkaufen, viel riskieren und die Entscheidung treffen, ob er Ziffer sein oder sein Schicksal antreten will. Er muss mit Schlägen rechnen.(17): „Die Menschen sind im Kollektiven und Konstruktionen auf eine Weise eingebettet, die sie sehr schutzlos macht. … Dazu kommt das Leben aus Anschlüssen, Konserven und Leitungen; die Gleichschaltungen, Wiederholungen, Übertragungen.“Der Zwang ist oftmals günstiger und bequemer als die Freiheit. „Der Widerstand erfordert große Opfer; daraus erklärt sich die Überzahl derjenigen, die den Zwang vorziehen.“ (18)„Hier heißt es, mit den Wölfen heulen oder gegen sie ins Feld ziehen.“ (19) „Zwei Eigenschaften werden also beim Waldgänger vorausgesetzt. Er lässt sich durch keine Übermacht das Gesetz vorschreiben, weder propagandistisch noch durch Gewalt.“ (16)(21): „Ewig unterhält die Dummheit ihr Tribunal. Man wird hinausgeführt, weil man die Götter verachtete, dann weil man ein Dogma nicht anerkannte, dann wieder, weil man gegen die Theorie verstieß. Es gibt kein großes Wort und keinen edlen Gedanken, in dessen Namen nicht schon Blut vergossen worden ist.“Und zuguterletzt für heute: „Welche Meinungen man immer von dieser Welt der Krankenkassen, Versicherungen, pharmazeutischen Fabriken und Spezialisten hegen möge: stärker ist jener, der auf das alles verzichten kann.“ (27)
Ernst Jünger beschreibt in seinem 1951 erschienenen Werk Entwicklungen und Leben in totalitären Staatsformen und geht (wenn auch teilweise sehr abstrakt) auf Widerstandsmöglichkeiten und auch auf das Leben bzw. zu erwartende Leben von Menschen aus, die dem System Widerstand entgegen setzen.Neben den Methoden, wie in solchen Systemen Wahlen manipuliert werden, spielt vor allem auch Massenbeeinflussung und hierbei die Rolle von Parteien und Medien eine große Rolle.Was soll ich sagen, ich schreibe diese Rezension im Herbst 2015 (der vielleicht einmal als Höhepunkt einer neuen, gesteuerten Medienkampagne und Massenbeeinflussung in die Geschichtsbücher eingehen wird) und hatte beim Lesen zunehmend den Eindruck, dass Jünger dieses Buch auch letzte Woche geschrieben haben könnte.Sehr viele der Beschriebenen Handlungsweisen (wobei Jünger eigene Erfahrungen aus dem 3. Reich und wohl auch Beobachtungen aus den Anfangsjahren der DDR verarbeitete) lassen sich in unserer Polit- und Medienwelt heute nahezu genau 1:1 wieder beobachten.Eine bedrückende Erfahrung, auch wenn es für mich keine Überraschung war. Der Waldgang ist absolut aktuell und daher sehr lesenswert.