Das in der Reihe „Motorlegenden“ vom Motorbuch Verlag in einer ersten Auflage 2018 von der Quarto Publishing Group USA adaptierte Porträt „The life – Steve McQueen“ (2017) macht Fans starker Motoren und kultiger Filme gleichermaßen Freude. Das von Bestsellerautor Dwight Jon Zimmerman getextete und von Sebastian Quillmann aus dem Lektorat des Stuttgarter Motorbuch Verlags übersetzte Werk bringt Lesern und Fans die verschiedenen Welten nahe, in denen Steve McQueen (SMQ) brillierte: Leinwand, Motorsport und Mode. Dabei präsentiert das kompakte Hardcover eine große Fülle eindrucksvoller Fotos vom Set, von der Rennstrecke und aus dem Privatleben der Schauspiel-Ikone.Das Porträt – von einer Biografie zu sprechen wäre nicht richtig, weil die suggestive Kraft der Bilder die Texte weit hinter sich lässt und auch vom Gesamtumfang des Buches her der illustrierte Teil überwiegt – ist chronologisch aufgebaut. Es beginnt mit den „Wurzeln der Legende“ und erzählt von McQueens schwerer Kindheit. Vom Vater im Alter von einem halben Jahr verlassen und von der Mutter bis zum neunten Lebensjahr zu Verwandten weitergereicht, entwickelte er sich zu einem beinahe unkontrollierbaren und rebellischen Halbstarken, der in Los Angeles bald Mitglied in einer Straßengang und 1945 aufgrund einer gerichtlichen Anordnung in eine Schule für schwer erziehbare Jugendliche eingewiesen wurde. Sein Rettungsanker, denn die California Junior Boys Republic zeigte dem explosiven Charakter Grenzen auf und gab ihm die Führung, die er brauchte, um ein positives Selbstwertgefühl aufzubauen. Hierhin kehrte McQueen in seinen späteren Jahren immer wieder zurück und förderte die Einrichtung auch finanziell.Diese Wurzeln seiner Herkunft zu kennen, ist wichtig. Sie erklären zumindest teilweise die exklusive Mischung aus den auf den ersten Blick höchst widersprüchlichen Charakterzügen: der elegante Macho, „geborene“ Held und Womanizer einerseits, und der verletztliche, zweifelnde und trotz seines Starruhms zeitlebens von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Mensch. Die Attitüde des „King of Cool“, wie SQM genannt wurde, speist sich wohl aus mehreren Quellen, und ihre Widersprüchlichkeit ist ihm in nicht wenigen filmischen Sequenzen an den Augen abzulesen.Über seine Anfänge an der Schauspielschule in Manhattan, seine frühen Jahre in Hollywood und auch heute noch bekannte und meisterhafte Filme wie „Die Glorreichen Sieben“, „Gesprengte Ketten“ und Bullitt führt das Werk Schritt für Schritt in das umfangreiche Vermächtnis, das er für die Leinwand geschaffen hat. McQueen hat mit allen großen Filmlegenden seiner Zeit zusammengearbeitet, sei es Paul Newman, Fay Dunnaway, Dustin Hofmann, Yul Brynner, Robert Vaughn oder James Coburn. So ist es nur folgerichtig, dass manchen unter ihnen hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit mit McQueen größere Beachtung geschenkt wird.Selbstverständlich – nicht ohne Grund erscheint der Band in der Reihe der „Motorlegenden“ – widmet sich Autor Zimmerman ausführlich der wohl größten Leidenschaft McQueens: seiner Hingabe an sportliche Boliden und schnelle Motorräder. Er selbst sagte dazu: „Ich wußte nicht, ob ich ein Schauspieler war, der Rennen fährt, oder ein Rennfahrer, der schauspielt.“ Wie auch immer, offensichtlich traf beides zu, bestritt SMQ etliche hochklassige Auto- und Motorradrennen und hätte nach der Einschätzung von Rennprofis auch davon alleine leben können. Mit dem von ihm produzierten Filmepos Le Mans jedoch führte er beide Leidenschaften – Schauspielkunst und Motorsport – zusammen.Damit ist das Themenportfolio für ein Porträt von Steve McQueen, der nach der Devise des US-amerikanischen Schrittstellers Mark Twain „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“ lebte, lange noch nicht erschöpft. Es gibt noch so viel zu erzählen – über die Frauen, seine Liebschaften und Beziehungen, seine Vorliebe für Jazz, exklusive Uhren und kaltes Bier, seine Rolle als Stilikone… Doch all das passt kaum zwischen die Deckel eines Buches. Gleichwohl ist es Zimmerman für interessierte Leser und Fans in einer Tour de Force von 240 Seiten gelungen, die wichtigsten Stationen eines rasanten und übervollen Lebens heranzuzoomen, das nach viel zu kurzen 50 Jahren tragisch mit dem Krebstod endete.