Das Besondere an diesem interessanten Buch ist, dass Jo Vogel als Biologe das Survival als Energiebilanz beschreibt. Dabei ermöglicht ein zweckmäßiges Messer, sofern man damit umgehen kann, bei lebenserhaltenden Aktivitäten eine Energieaufwandseinsparung von 90%, so dass entsprechend viel Energie für das eigene körperliche Überleben übrig bleibt. Die Survival-Twechniken beschreibt Jo Vogel als das. was indigene Völker in ihrem Alltag tagtäglich zu tun haben. Damit komt der Trainingsapekt ins Spiel. Jo Vogel kommt dabei richtig zur Sache: vom richtigen Gebrauch des Messers, Nutzung von Behelfen, wie sie die Natur bereitstellt, Herstellung wichtiger Hilfsmittel wie Schnur, Unterschlupfbau, Verarztungen, Nahrungs- und Wassergewinnung und das hochschwierige Thema Feuermachen etc. ist alles in einer großen Komplexheit und Vielfalt beschrieben. Auch schildert er prägnant, durch welch einfache Malheurs man in survivalträchtige Situationen geraten kann. Vor überbordender Schreiblust leidet aber bisweilen die Verständlichkeit etwas, z. B. Thema Schnurherstellung aus Planzenfasern. Es dürfte auch für den Laien ziemlich schwierig sein, die speziellen Holzarten zusammenzusuchen, die das beste Feuer ergeben.Ja aber was tut das für uns hier in Germany? Allein das Training wird schwierig, da es zuhause praktisch nichts mehr gibt, was man als Wald bezeichnen kann. Alles blitzeblank aufgeforstet. Was noch herumliegt, ist morsch und unbrauchbar. Also buche man für teures Geld einen Survivalkurs im Ausland... Ich habe ein wenig von den Buchinhalten ausprobiert, und aus Buchenstangen einen Windschutz gebaut. Einfach und schnell ist es nicht zu machen - auch eine Erfahrung! Training ist alles.Die Materie wird von Jo Vogel anschaulich, herausfordernd und interessant beschrieben. Als Biologe liefert er für viele Belange da draußen eine solide Wissensgrundlage. Es lohnt sich, sich das für einen Passende davon anzueignen, wie es die eigenen Aktivitäten erfordern, sich sensibilisieren zu lassen, Anregungen und Denkanstöße aufzunehmen. Ich habe für meine ruppigen, täglichen Touren mit meinen Hunden quer durch Wald und Flur viel daraus ableiten können, was dazu beiträgt, dass ich diese Unternehmungen auch in widrigen Fällen heil überstehen kann (plötzlicher Nebel, Gewitter, Schneesturm, plötzlicher Kälteeinbruch mit Blitzeis zu Fuß und im Auto, Geäst, Verirrung, Hund abgehauen, leichte Verletzungen, Dunkelheit, im Winter strammsitzender Gummistiefel mit Wasser vollgelaufen....). Mit Mobiltelefon, Kompass, Outdoormesser, Funkenstahl, einem Döschen Baumwollwatte und Pinienwurzelholzschnizeln, Pflaster und Miniatur-Schneidbrettchen, Schutzbrille, Top-Taschenlampe und stabilstem Regenschirm, und weiteren sehr guten technischen Hilfsmitteln aus dem Profibereich Jagd und Forst; spielt der Zufall im Fall des Falles günstiger!Wichtig ist die genaue Selbsteinschätzung dessen, welche Gefahren für einen selber wirklich realistisch sind, was man jeweils an Hilfsmitteln braucht und was man körperlich und psychisch leisten kann. So wird anhand Survival-Literatur das eigene, individuell angepasste und ausgestaltete Survival-Projekt. Man muss sich nur einmal intensiv damit befassen, welche Gefahren unsere unsteten Winter mit den schwer vorhersehbaren Umgebungsbedingungen erzeugen! Auf anstrengenden Märschen zu warm angezogen zu sein, ist genauso schädlich, wie zu frieren, wenn man draußen unverhofft hängenbleibt! Allein da gibt es ausreichend Nüsse zu knacken... Der gallopierende Klimawandel stellt zahllose weitere Aufgaben. Ich fühle mich durch die interessante Survivalliteratur wie dieses Buch von Jo Vogel dafür sensibilisiert, dass ich mir bewusst mache, in welchen Gefahrenstrukturen ich mich bewege, dass ich meine eigenen Gefahrenerfahrungen unverzüglich reflektiere und auch mit Hilfe von Jo Vogel in vorbeugende Maßnahmen umsetze. Faszinierend ist das.Ich finde aber auch, dass der/die LeserIn aber manche Aussagen von Jo Vogel etwas mit Vorsicht geniessen muss. Er stellt heraus, dass Wasser sparen in Deutschland eher schädlich ist, da wir ein Wasserüberschussland ist. Vielmehr gelte (und gilt) es, mit viel Wasser die Kanalisation sauber zu halten. Aha. Aber da stimmt am System etwas nicht, solange wir die verbrauchten Kubikmeter bezahlen müssen, und wie wird das den bald unter dem Einfluss des Klimawandels aussehen. Rhein und Talsperren sind jetzt schon leer! An anderer Stelle erwähnt er, dass Leute Schlamm kaufen, um davon gesund zu werden. Also zumindest Heilerde ist ein ärtzlich anerkanntes, wirksames und erprobtes Mittel bei Malessen mit dem Verdauungstrakt. Und das Messer kann alles leisten. Wenn man Kraft und Zeit hat! Mit einem Beil (ebenfalls das älteste Hilfsmittel des Menschen) geht so vieles weitaus besser! Dazu sagt Jo Vogel, dass man ja einen kleinen Beilkopf im Survival-Set aufnehmen könnte. Man könne sich bei Bedarf dann einen Beilstiel schnitzen!! Nun also, der Bedarf nach einem Beil kann sehr plötzlich und verbindlich auftreten, z. B. wenn ein umgefallener Baum mit seinem Geäst das Fortkommen unmöglich macht. Also auf mein Trekking Mini Beil eines namhaften schwedischen Herstellers kann ich nicht mehr verzichten. Und wie stabil der Beilstiel in dessen Beilkopf bombenfest befestigt ist! Wenn ein Beilkopf von einem selbst geschnitzten Stiel davonfliegt, kann er allein durch seine Wucht kurzzeitig eine ernste Gefahr darstellen. Und wenn man ihn im nahen Unterholz dann nicht wiederfindet, dann erst recht! Gewiss, Jo Vogel schreibt fundiert, was man tun kann, wenn man gerade noch sein Leben, die Kleidung am Leib und ein Messer gerettet hat. Aber ich mache mir das nicht zur alltäglichen Selbstkasteiung, das kann auch schief gehen. Für planbare Risikotouren darf es doch a bisserl mehr sein, oder?