Obwohl mittlerweile über 30 Jahre (1. Auflage: 1980) alt, kommen alle, die sich für die Schmalspurbahnen in Deutschlands Osten interessieren, an diesem Buch nicht vorbei. Es werden, natürlich in knapper Form, alle Schmalspurbahnen einschließlich etwa der Kleinbahn Gommern-Pretzien und der Industriebahn Halle, die eingesetzten Fahrzeuge und die jeweiligen Strecken behandelt (besonders nützlich: die jeweiligen Streckenpläne).Klar ist, dass das Buch nicht unseren heutigen Kenntnisstand repräsentiert (ob es auch wirklich so fehlerfrei war und sit, wie Kieper und Preuß in einem neu hinzu gekommenen Vorwort behaupten, mag dahin stehen). Die Konzeption ist aber bis auf den heutigen Tag einmalig geblieben. Auch die "Enzyklopädie der deutschen Schmalspurbahnen" von Wolf Dietger Machel (Geramond Verlag), die zwar einen allgemeinen und beachtenswerten Überblick bietet, die einzelnen Bahnen aber nur summarisch auflistet, reicht an den Informationsgehalt des Klassikers bei Weitem nicht heran.Dabei verströmt das DDR-Schmalspurbahnarchiv seinen ganz eigenen, liebenswerten Charme: Schwarz-weiß-Fotos und ein antikes Layout - das war in der DDR state of the art. Der Nachdruck ist drucktechnisch tadellos, allerdings ist der Band gegenüber dem Original um eine Einleitung aus der Feder der Verkehrsökonomin Elfriede Rehbein gekürzt worden.Lesenswert ist das neu hinzu gekommene Vorwort der "Schmalspur-Titanen" Klaus Kieper und Reiner Preuß, in dem geschildert wird, wie das Buch entstand und wie es als eines der ersten, das sich mit Schmalspurbahnen in der DDR befasste, rasenden Absatz bei den Käufern fand. 25.000 Exemplare wurden verkauft, hinzu kam eine Lizenzausgabe für Westdeutschland. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das Buch nicht nur zwei, sondern viele Autoren hat, aus deren Feder die Beschreibungen der einzelnen Bahnen stammen. Auch insoweit gleicht das Buch einem Who is who der deutschen Schmalspurliteratur: neben Kieper und E. Preuß sind R. Preuß, Machel, Röper, Zieglgänsberger und viele andere Namen vertreten. Verschwiegen werden soll aber nicht, dass es mit Rechtschreibung und Verständlichkeit dieses neuen Vorworts doch etwas hapert. Und dabei sollte der Verlag vor Drucklegung doch wenigstens auf das Vorwort einen Blick geworfen haben.