Super Buch. Gut recherchiert und Materie von allen Seiten beleuchtet. Wenn man einmal gesehen hat was für einen Benefit die EKT bringen kann , der ist überzeugt. Wer sich optimal informieren will, der ist mit dem Buch gut bedient. Wer sich hier kritisch äußert kritisiert die EKT aber nicht die Qualität des Buches ist, die wirklich gut ist.
Aktuelles, sehr ausführliches, sehr differenziertes Buch für Fachpublikum. Sowohl mit maximalen Praxisbezug und sehr konkreten praktischen Hinweisen für Anwender im Klinikalltag als auch mit der theoretischen Hintergrundinformation zu allen relevanten Bereichen. Die Autoren stammen aus führenden Kliniken im Bereich der EKT Anwendung in Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien. Das beste Buch zur Elektrokonvulsionstherapie momentan auf dem Markt.
"Ein kleiner Teil der Patienten klagt allerdings glaubhaft über längerdauernde Gedächtnislücken, die bisher jedoch nicht ausreichend belegt und auch nicht sicher mit der Behandlung in Zusammenhang gebracht werden konnten." (S. 53)Was für ein zynischer sprachlicher Bullshit! Genauso schön klingt auch:"Ganz im Gegensatz zu der Hypothese einer Hirnschädigung wurden in den letzten Jahren zunehmend Hinweise gefunden, dass bei der EKT die Neubildung von Nervenzellen und deren Kontaktstellen gefördert wird. Entsprechend der neurotrophen Hypothese wird auf diese Weise die Regeneration von Hirngewebe gefördert, das sich im Verlauf der psychischen Erkrankung degenerativ verändert." (S. 53)Wenn man dem Glauben schenkt, dann wäre eine EKT für jederman jederzeit empfehlenswert, eine echte Frischzellenkur für Gehirn! Auch ich hätte gerne eine "Regeneration von Hirngewebe" und eine "Förderung meiner Kontaktstellen" im Gehirn. Die Frage bleibt jedoch: Wenn es so toll und hilfreich ist, warum gibt es keine Psychiater, die mit dieser Methode ihre Gehirnzellen auffrischen? Liegt das etwa doch an der Angst vor dem glaubhaften, unbelegten Gedächtnisverlust, der jedoch nicht sicher mit der Behandlung in Zusammenhang gebracht werden kann?Was man im Buch leider vergeblich sucht, findet man in Peter Lehmanns kurzem Aufsatz: Risiken und Schäden neuer Elektroschocks. Daraus ein kurzes Zitat:Behandlungsschäden durch Elektroschocks sind vielfältig.Langanhaltender oder dauerhafter Gedächtnisverlust gilt als verbreitete, ernste und häufig vorkommende Auswirkungdes Elektroschocks und betreffe mindestens ein Drittel der Behandelten, so psychiatrische Fachveröffentlichungen.Manche Psychiater nennen Häufigkeitsraten von über 50 %. Kopfschmerzen, Sprachversagen und Agnosie (beeinträchtigte zentralnervöse Sinnesverarbeitung), anhaltende epileptische Anfälle von mindestens mehreren Minuten (Status epilepticus), spontane Anfälle einhergehend mit Atemstillstand sind weitere unerwünschte Wirkungen, die sich im zentralen Nervensystem bemerkbar machen. Es kann nach der Verabreichung von Elektroschocks zu ein biszwei epileptischen Anfälle pro Woche auf Dauer kommen. Psychische Schäden sind nicht weniger gefährlich. Im Vergleich mit nicht elektrogeschockten Klinikpatienten ist in der auf Elektroschocks folgenden Woche die Suizidrate umdas Fünffache erhöht. Lucy Johnstone von der University of the West of England in Bristol befragte Betroffene, die negative Erfahrungen mit psychiatrischer Behandlung gemacht hatten, und kam zum Schluss, dass die Verabreichung von Elektroschocks für einen Teil der Patienten eine tiefgreifende und dauerhaft traumatische Erfahrung bedeutet:»Eine Vielzahl von Themen kamen auf, darunter Gefühle von Angst, Scham und Demütigung, Wertund Hilflosigkeit sowie das Gefühl, misshandelt und vergewaltigt worden zu sein.« (1999)Einige der Interviewten hätten darauf hingewiesen, dass Elektroschocks qualitativ anders einzuschätzen seien alsPsychopharmaka, nämlich als brutalen Angriff auf die Person an sich. Eine Frau meinte: »Ich denke, einen Menschen festzuschnallen und ihm einen Stromschlag zu versetzen ... erinnert doch sehr an Frankenstein, nicht wahr?« (ebd.)An vegetativen und Organschäden sind sehr langsamer Herzschlag mit einer Frequenz unter 50 Schlägen pro Minute mit gestörtem Rhythmus zu nennen. Solche und andere Herzrhythmusstörungen kommen in einer Häufigkeit biszu 10 % vor, insbesondere wenn gleichzeitig die üblichen, potenziell kardiotoxischen, d.h. schädlich auf das Herzwirkende Begleitmedikamente verabreicht werden. Weiterhin auftreten können Lungenentzündungen infolge Ansaugung von Fremdkörpern in die Lunge, Komplikationen der Lungenfunktion wie Asthmaanfälle sowie Krämpfe derglatten Bronchialmuskulatur und des Kehlkopfes, ebenso Schwindelzustände, Übelkeit, Einkoten, Einnässen, Rissein der Blasenwand, Verletzungen an der Zunge, den Lippen, den Zähnen und der Mundschleimhaut. Im »Kompendiumder Psychiatrischen Pharmakotherapie« sind die Ergebnisse der »risikoarmen« Verabreichung von Elektroschocks anSchwangere nachzulesen: »In einer Übersichtsarbeit bei 169 schwangeren Frauen, die mit EKT behandelt wurden, zeigte sich eine sehr hohe Rate an unerwünschten Ereignissen (in 29 % der Fälle kam es zu einem Abfall fetaler Herzraten, zu uterinen (Gebärmutter-) Kontraktionen oder zu frühzeitigen Geburten zwischen der 29. und 37. SSW (Schwangerschaftswoche). Die kindliche Mortalität (Sterblichkeit) lag bei 7,1 %.« (2017). Psychiater berichten intern auch von tödlichen Schäden am Gehirn, am Atemapparat, am Herzen und an den Blutgefäßen des Kreislaufs.Ein Stern ist zu viel für diese Werbebroschüre!