Mit Kreativität und Kunst bringt man Menschen, die von einer dementiellen Entwicklung betroffen sind, nicht unbedingt in Verbindung. Mit einer Portion Überraschung und viel Neugierde liest man Artikel über tänzerische Arbeit mit dementiell veränderten Menschen oder vergesslichen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die ein renommiertes Kunstmuseum besuchen. Ingrid Kollak hat Autorinnen und Autoren um sich versammelt, die dementielle Veränderungen bei Menschen nicht nur als defizit begreifen, sondern den Betroffenen Lebens-und Erlebnisräume gestalten, die ihnen fremd (geworden) sind.Es hat in vergangenen Zeiten wohl kaum eine engagierte Mitarbeiterin oder engagierten Mitarbeiter gegeben, der sich hat vorstellen können, für Menschen mit Demenz Yoga anzubieten. Ingrid Kollak erzählt davon, wie es gelingen kann, trotz kognitiver Einschränkungen diese Entspannungstechnik einzuüben. Es solle tägliche Praxis, kein "special event" sein, und zum Alltag wie Zähneputzen dazugehören. Bei der Wahrnehmung der Yoga-Übungen falle dementiell veränderten Menschen vieles leichter als Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, denen Ehrgeiz, Konkurrenz und Ablenkungen das Gefühl für sich und den eigenen Körper verstelle, meint Kollak.Jessica Höhn berichtet in dem Beitrag "Theater Demenzionen" von Theaterprojekten in Einrichtungen der Altenhilfe. Stefan Kleinstück und Anna Heuvelmann schreibt in seinem Aufsatz "Wir tanzen wieder" über Tanzen mit und ohne Demenz in Tanzschulen. "Sich in der Kunst auf Augenhöhe begegnen" bietet den Raum für Arthur Schall und Valentina Tesky das Malen mit demenzveränderten Menschen und Museumsbesuche als Projekte vorzustellen.Es beschleicht den psychiatrischen bzw. pflegerischen Praktiker das Gefühl, es mache Sinn, einfach einmal die Initiative zu ergreifen. Es scheint in der Begleitung von Menschen, die von einer Demenz betroffen sind, mehr Möglichkeiten als Unmöglichkeiten zu geben. So hätte der Titel des Buchs auch "Mehr Farbe und Lebendigkeit in der Begleitung von demenzbetroffenen Menschen" heißen können.Das von Ingrid Kollak herausgegebene Buch muss als Impulsgeber für die psychiatrischen bzw. pflegerischen Praktiker gesehen werden. Den Bedenken mehr Raum als nötig zu geben, erscheint nicht zielführend. Hier und dort lassen die Autorinnen und Autoren durchblicken, dass die Schwelle zu einer menschlicheren und lebendigeren Demenzbegleitung niedrig liegt. Wörtlich: "Geschichtenerzählen ist eine barrierefreie Kunstform und für jeden zugänglich. Es braucht nur eine gute Erzählerin / einen guten Erzähler. Einer spannend erzählten Geschichte hören alle Generationen gerne zu." (S. 54)Christian Fischer und Peter Glanzmann werfen einen Blick auf die Musiktherapie bei Menschen mit Demenz. Sie stellen fest: "Die Patienten sollen das gefühl bekommen, dass sie es sind, die das geschehen während der Therapie steuern, dass sie also die Hauptdarsteller sind ... Musik vermittelt intuitives kreatives Wissen, was einen Vorteil gegenüber der Vermittlung objektiver Inhalte darstellt." (S.78)Kollaks Buch "Menschen mit Demenz durch Kunst und Kreativität aktivieren" ist ein Plädoyer, dem Pragmatismus mehr Raum in der Begleitung demenz-betroffener Menschen zu geben. Hindernisse scheinen manchmal von ganz alleine zu verschwinden.