Wie man aus der Überschrift sieht, bin ich absolut begeistert!Und zwar weil hier der zweite große deutsche Straßenläufer der Weltklasse sein Werk vorlegt. Und man sollte sich hüten Carsten Eich nur auf seine Sahnestrecken Zehnkilometer und Halbmarathon zu reduzieren, denn mit 2.10 ohne Carbon-Schuhe war er auch ein Marathongigant. Wie der große Waldemar Cierpinski schrieb - ihm hat auf dieser Strecke nur der perfekte Tag für noch Größeres gefehlt. Und ich würde es mir wünschen und bin ganz gespannt, irgendwann auf sein möglicherweise zweites Buch über Marathon.Jetzt aber zu diesem Buch, warum spricht es mich so an? Man muss hier mit anderen Trainern, Läufern und Schreibern vergleichen.Der erste Punkt: einer der ganz Großen legt hier sein Trainingswissen dar und zwar auf zweierlei Weise. Auf der einen Seite schreibt er einen Trainingsplan für Sub 35 auf Zehn. Machen andere auch, nur Carsten Eich kennt diese Bereiche aus eigener Erfahrung und noch ganz andere. Auf der anderen Seite hat er, auch noch zu Profizeiten und somit seit über fünfzehn Jahren, bereits Wochenseminare für Amateure jeder Leistungsklasse geleitet. Er ist auch mit der 7-Minuten-Pace-Gruppe gelaufen und kennt deren Befindlichkeiten oder Belastungsfähigkeit.Zweitens: andere Autoren die nie auf Carstens Niveau gelaufen sind maßen sich Trainingspläne sogar für Topläufer an. Oder Trainer die ihre College-Spitzenläufer im Blick haben brechen Pläne mit reduzierter VDOT und prozentualer Reduzierung von Umfang, aber aller Trainingsmittel auf Amateurläufer herunter. Von den Ausfällen bei diesen wissen sie nichts. Carsten Eich kennt aber auch diese Leistungsklassen aus eigener Ansicht und Nähe sehr wohl.Was kann man erwarten?Ein Buch für den absoluten Neueinsteiger ist es nicht. Carsten Eich erwartet von Wettkampfeinsteigern als geringste Vorleistung bisher in der Woche dreimal so rund vierzig Minuten laufen zu können und ein Wettkampfziel auf 10 km von 70 Minuten anzustreben. Deshalb wird hier auch nicht ausgeführt, wie ich mit Laufen und Gehen auf eine Dreiviertelstunde Laufen komme.Also ein Wettkampfbuch und bei dem großen Namen denkt dann vielleicht jeder an das so moderne HIIT Training. Mitnichten!!! Das geht bis ganz hohes Niveau tatsächlich auch ohne.Gut finde ich den ganz differenzierten Trainingsaufbau mit Berücksichtigung aller Leistungsklassen. Angepasst ist hier der Kilometerumfang, die Anzahl der Trainingstage und vor allem welche intensiveren Trainingsmittel und in welchem Umfang bzw. überhaupt eingesetzt werden. Sehr schön die Angabe der Pace, was ich als sehr wichtig empfinde. Die entsprechenden Pulszonen sind vorher bei der Erklärung der Trainingsbereiche aufgeführt.So hat der Sub 70 Läufer noch keinen Dauerlauf III (Schwellenlauf) drin. Wohl aber erstes Fahrtspiel und erste kurze Dauerlauf II Abschnitte (als intensiver Dauerlauf noch GA1 also Grundlagenbereich)Sehr gut ist auch die Geschwindigkeitsveränderung im Planverlauf. Nach 4-6 Wochen werden diese in jedem Plan 5 Sekunden schneller, da Eich richtigerweise von einer Anpassung ausgeht. Ebenfalls die Berücksichtigung, dass im Halbmarathonplan jede Pace etwas langsamer wie im Zehnerplan ist, da hier auch mehr Kilometer gelaufen werden.Vor allem aber sind die Tempowechselläufe und die Schwellenläufe auf ein verträgliches Maß im Umfang begrenzt. Und damit hebt sich Eich von Pläneschreibern wohltuend ab, die gar nicht wissen, was sie mit 10x1000 Zehnerwettkampftempo, was dann als schneller Dauerlauf verharmlost wird, ihren Lesern antun. Das endet hier zum Beispiel im Zehnerplan bei guter Form in 6x1000 je nach Leistungsklasse und auch die Schwellenläufe haben nur 8 km, im Halbmarathonplan 10 km. Lediglich der Sub 35 Läufer wird ein einziges mal mit 8x1000 gequält. Auch im Halbmarathonplan gibt es bis auf den Sub 1.20 Läufer nur Tempowechselläufe mit 4x2000 (diese dann etwas schneller wie Halbmarathontempo, aber langsamer wie Zehnertempo). Vom Tempo her ist diese Einheit schon ein Brett. Aber auch hier werden sehr fein die Leistungsklassen berücksichtigt, wie oft es vorkommt.Die kürzeren Eintausender-Intervalle lässt er etwas schneller laufen wie des Zehnertempo, lässt hierbei aber die Kirche im Dorf und die schnellsten Intervalle z.B. mit 10x500 im Fünfer-Wettkampftempo gehen nur ein einziges mal im ganz fortgeschrittenen Stadium Richtung Dreitausender Tempo.Ich gehe davon aus, dass ein Carsten Eich noch immer beste Kontakte zu Deutschlands Spitzentrainern hat und er es sich nicht leisten würde auf modernste Trainingsmittel wie HIIT zu verzichten, wenn sie denn so existenziell wären.Ganz spannend, dass zwei der größten Straßenläufer Deutschlands, nämlich Carsten Eich und Herbert Steffny beide als schnellste Pace das 5er-Tempo (einzige Ausnahme siehe oben) ansetzen und auch mit Umfang von Schwellenläufen und Intervallen vorsichtig umgehen.Eich ist hier im konkreten Trainingsplan differenzierter wie Steffny. Das ist auch klar, denn hier sind Zehnerwettkampf und Halbmarathon Hauptziele. Bei Steffny ist es nur eine Sechswochen-Tempospritze zwischen einem Frühjahrs- und einem Herbstmarathonblock, welche dort die Hauptziele sind und differenziert ausgearbeitet.Aber im groben Konzept wie Kilometerumfang, vorsichtiges Volumen der intensiveren Einheiten und dabei ein „verträgliches“ Tempo liegen beide auf der gleichen Linie. Zugegebenermaßen ist allerdings ein konzeptioneller Unterschied ob ich, wie bei Carsten Eich, Tausender etwas schneller laufe wie das Zieltempo. Das hat schon Auswirkungen auf die Regeneration. Das muss jeder halt mal selbst ausprobieren.Carsten Eich betont ständig und mehrfach die Wichtigkeit der Erholung. Das findet man bei vielen Schreibern. Nur bei Eich findet das dann auch in den Plänen seinen Niederschlag mit Ruhewochen und vorsichtigem Ansatz der intensiven Läufe und ausreichend langer Trabpause.Was macht man vor den Plänen? Nun Grundlagenausdauer mit gelegentlichem Fahrtspiel und erste leichte Tempoläufe. Da muss man aber genau lesen, da das lediglich auf einer halben Seite ausgeführt wird. Dort setzt er diese mit 6-8 Wochen an, worauf dann die direkte Wettkampfvorbereitung in Form der Pläne erfolgt. Das kommt, und das ist der einzige Kritikpunkt, eben nur mit einer halben Seite weg. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Etwas, das ist aber nur persönlich, vermisse ich auch reine Regenerationsläufe.Auch gut die Bilderstrecken für Lauf-ABC, Stretching und Stabitraining und hier wird dem Kraftteil für die Rumpfstabilität großer Raum zugebilligt.Bei Kapiteln wie Ausrüstung, Ernährung etc. beschränkt er sich freundlicherweise auf das wesentliche und ist damit nicht ermüdend.Würde mein Schwerpunkt auf zweimal Marathon im Jahr liegen und der oben genannten Tempospritze im Sommer dazwischen, dann wäre Herbert Steffnys 6-Wochenkonzept das Mittel der Wahl.Laufe ich nur einen Herbstmarathon und will einen Bestzeitenhalbmarathon hinlegen, trainiere ich im Frühjahr nach Eich und dabei wird auch noch eine Zehnerbestzeit herauskullern.Will ich nur Halbmarathon laufen, dann im Frühjahr und im Herbst den zwölfwöchigen Plan und dazwischen und danach Grundlagentraining wie oben beschrieben.Habe ich auch mit Halbmarathon nichts am Hut, dann kann ich durchaus dreimal in Frühjahr, Sommer und Herbst den achtwöchigen Zehnerplan durchziehen. Vielleicht als Beispiel in Frühjahr und Sommer den Sub 50 Plan und wenn ich merke, dass ich im Sommer aufgrund meiner Verbesserungen bereits übererfülle, dann im Herbst den Sub 45 Plan.Von meiner Seite aus eine ganz klare Kaufempfehlung und ich bin glücklich noch einmal ein solches Buch in Händen halten zu dürfen.