Yael Almog, Michal Zamir (Hrsg.)יעל אלמוג, מיכל זמיר (עורכות)Zwischen den Zellenבין השורותerschienen im Passagen Verlag, WienDer neue Gedichtband, den Yael Almog und Michal Zamir als Herausgeberinnen mit ihrem neuesten Buch "Zwischen den Zeilen" jetzt vorgelegt haben, ist ein echter Glücksfall. Darin stellen sie Gedichte junger Autorinnen vor, zwei von ihnen in Israel geboren und aufgewachsen, die beiden anderen stammen aus Deutschland. Beide sind mit der Sprache und der Kultur der jeweils anderen sehr vertraut. Alle Gedichte sind zweisprachig wiedergegeben, in Hebräisch und gegenüberliegend in Deutsch, bis auf zwei, die entsprechend ihrem Original in Hebräisch und Englisch wiedergegeben sind.Thematisch kommen in den Texten scheinbar einfache Alltagssituationen zur Sprache, in behutsamen, tastenden Worten. Doch unter der Oberfläche, sozusagen zwischen den Zeilen - wie der Titel sagt - schwingt viel mehr mit: tiefe Konflikte, alte und frische Verwundungen, die nicht heilen wollen, und dennoch ein Ja zum Hier und Jetzt, und eine tiefe Sehnsucht auf eine heilere Welt, in der die trennenden sprachlichen und kulturellen Grenzen überwunden werden und in der es für alle Versöhnung und Heilung gibt.Dabei berührt es einen als Leser beim Verfolgen dieser Texte besonders, die ja jeweils in der Muttersprache der einen und zugleich in der der anderen vorgestellt werden, mit ihrer jeweils gegenläufigen Schreibrichtung, dass die Textzeilen immer aufeinander zugehen, ja einander entgegen eilen und sich in der Mitte ganz nahe kommen, fast berühren, in Freundschaft und Behutsamkeit, wie ein Symbol für die zwischen den Zeilen ersehnte und mögliche Heilung der tiefen Konflikte beider Seiten.Ergänzt und begleitet werden diese Gedichte von einer Serie von Zeichnungen der israelischen Künstlerin Maya Attoun, die schon mehrfach für ihr Werk ausgezeichnet wurde. Die Bilder sprechen dieselbe behutsame Sprache, scheinbar schwerelos und doch fest in einfache Alltagssituationen eingebunden, in klarer, fast minimalistischer Linienführung und mit glatten, wie polierten Oberflächen, immer mit einem Hauch von Melancholie. Auch hier lassen sich quasi zwischen den Zeilen tiefe Konflikte erahnen. Dabei schwingt dennoch immer eine gewisse Gelassenheit mit, die sozusagen über den Dingen schwebt, - eine perfekte Ergänzung zu den empfindsamen Texten der Gedichte, die jeweils auch über das geschriebene Wort weit hinaus gehen.Dass es sich bei diesem illustrierten Gedichtband ausschließlich um weibliche Autoren und Künstler handelt, ist kein Zufall, da hier gerade die weibliche Sichtweise besonders gewürdigt werden sollte, die in unserer modernen Welt oft zu wenig repräsentiert ist und die doch so viel zur Heilung unserer verwundeten, unheilen Welt beitragen kann.Insgesamt stellt dieser Gedichtband eine gelungene Mischung zwischen der jungen deutschen und der jungen israelischen Dichtkunst dar, die sich hier beide auf wunderbare Weise gegenseitig ergänzen, bereichern und befruchten.Die Herausgeberinnen sind beide hervorragende Kennerinnen der Literatur- und Kulturszene in Israel, in Deutschland und international. Mit der Auswahl der hier vorgestellten jungen Autorinnen haben sie eine glückliche Wahl getroffen. Gefolgt werden die Präsentationen von Kurzporträts der verschiedenen Künstlerinnen, was den Band perfekt abrundet. Dieser einzigartige Gedichtband kann dem interessierten Leser wärmstens empfohlen werden.