Der Trend beruht auf den letzten 14 Tagen des Preisverlaufs und ist
keine Vorhersage. Gezeigt wird je Tag der niedrigste Preis aller bei uns
gelisteten Shops — Angebote, die wir nicht erfassen, sind nicht enthalten.
Browser-Benachrichtigung bei PreissenkungWir melden uns, sobald es günstiger wird als heute (22,90 €) — höchstens einmal am Tag. Ohne E-Mail, ohne Konto, jederzeit abbestellbar. Amazon-Angebote sind ausgenommen. Datenschutz
Hinweis: Amazon-Preise sind in der Preisverfolgung bzw. im
Preisverlaufsgraphen nicht enthalten. Wir versenden keine
Benachrichtigungen zu Produkten über Amazon.
Michael Krüger hat wieder einen klugen, interessanten und anregenden Roman geschrieben. Mit großen Erwartungen begann ich zu lesen und wurde wunderbar belohnt.Ein Mann Mitte 40, ein Archivar, bekommt die Chance seinem sinnlosen, leeren Berufsalltag zu entfliehen. Die elektronische Datenverwaltung hat seine berufliche Daseinsberechtigung untergraben. Von der Tante seiner Tante erbt er ein großes Mietshaus in München und kann fortan von den Mieteinahmen leben. Er zieht inkognito in sein Mietshaus ein und genießt die Leere seines neuen Lebens. Er will philosophisch das Nichts, die Bewegungslosigkeit und die Langweile ergründen, alle falsche Vitalität meiden und dem stumpfsinnigen Mitmachen des Alltags entkommen. Er umgibt sich mit Leere, die aber schnell gefüllt wird, denn er selbst schreibt Sinnsprüche auf Zettel und verteilt sie der ganzen Wohnung, die Musik von Sibelius verdrängt die Stille und die Nachbarn dringen ungefragt in seine Wohnung und in sein Leben ein. Ein Bestattungsreformer, ein Derivaten Händler, eine Studienrätin, die Obrigkeit, Familienanagehörige und eine abgewiesene Liebe des Vormieters, bevölkern mit skurrilen Situationen seine Lebensleere. Das Objekt seiner Begierde, die prinzipielle oder existenzielle Langeweile, das reine Am – Leben – Sein, geht ihm und er sich selbst verloren. Er steht am Fenster beobachtet einen „General“ und interpretiert: „ wenn sich die Gelegenheit ergibt ungeschoren davon zu kommen, ist jeder zu jeder Schandtat bereit, so entsteht die Spur der Grausamkeit.“ Die Zeitung, da ist er sich mit dem pakistanischen Kiosks Besitzer einig, ist die Darstellung und Interpretation des Bösen. Er flieht vor den Mitmietern in Museen und Galerien, sucht das Nichtstun, wird immer wieder zu Aktivitäten und zu stumpfsinnigem Mitmachen genötigt. Der Protagonist dringt über die Post in das Leben des Vormieters ein und nimmt dessen Identität an, als sich Familienangehörige bei ihm einquartieren. Er sieht „Familie als Ansammlung sich gegenseitig belauernder Wracks, deren einziges Ziel die Zerstörung der letzten Bande ist“. Er verliert sich im Leben des Schriftstellers. Einem „Protokollanten des Scheiterns der Schönheit“, der neben Naturlyrik „Einblick in höchst verstörte Familien“ gewährt. Seine junge Mitbewohnerin kannte den Schriftsteller nicht persönlich und da sie immer nach unten auf das Display schaut, geht auch ihr die Welt verloren.Es stellt sich die Frage: „Wie wird man ein aktiver Hausbewohner, wenn man der Menschen müde ist.“ Wie viel Leere, hält der Mensch aus, wie viel gewähren die Mitbewohner, die sich schon lange kennen, und die ihren Anteil Gemeinschaft wollen. Unter dem sezierenden Blick des Autors entsteht aus Eigenart und Unzulänglichkeit der Mieter ein Käfig voller Narren. Eigentlich passen die neuen Bewohner ganz gut in dieses Irrenhaus. Ein Roman über den Versuch, ein neues befreites Leben zu beginnen und sich selbst anzuleiten, die Welt kritisch zu sehen und Unheil zu vermeiden. Wie im Bauerspruch, „es kann der Sanfteste nicht in Frieden leben, wenn der Nachbar ihn nicht lässt.“Ein philosophisches Buch, ein Buch voller Anspielungen auf Literatur und Kultur, ein soziologischer Blick auf die moderne Gesellschaft, ein liebenswertes Buch, ein lesenswertes Kleinod und eine nachdenkliche Leserin bleibt zurück. Erkenntnis: “Es ist nicht einfach, ein neues leeres Leben, selbst -bewusst zu füllen“. Eine unbedingte Leseempfehlung.
Das Irrenhaus ist ein Zinshaus in bester Münchner Lage. Sechzehn Parteien zahlen regelmäßig ihre Mieten an einen Eigentümer, der sich gern bedeckt hält, wohl weil er mitten unter ihnen lebt. Das Haus hatte er von einer Tante seiner Tante geerbt (dank des deutschen Mietrechts, wie der Ich-Erzähler meint) und war in die verwaiste Wohnung des verschollenen Schriftstellers Georg Faust gezogen. Als Freier Philosoph gab er sich den anderen Mietern gegenüber zu erkennen und löste damit im Haus vielleicht Verwirrung aus, wahrscheinlich aber nicht."Mein Haus jedenfalls, mein Irrenhaus, mein Erbe, stand auf einem blubbernden Morast, dessen faulige Dämpfe allen meinen Mietern das Gehirn vernebelt hatten." S153Bald nach seinem Einzug wird er von den Nachbarn belagert, allen voran Frau Doktor Annika Keller, Studienrätin und glühende Wagner Verehrerin, Mira Netzeband, deren Mann die Städtischen Friedhöfe auf allgemeine Grünflächen der Stadt verteilen will oder Herr Schwan, der händeringend versucht, irgendwelche Derivate an den Mann zu bringen. Der Schriftsteller Faust bleibt solange verschollen, bis sich der Ich-Erzähler langsam dessen Identität überstülpt, von einer Stalkerin verfolgt wird, seiner vermeintlichen Nichte Doris Unterschlupf gewährt und sogar einen Literaturpreis entgegennehmen soll.Hört sich alles spannend an, ist es aber nicht!Die Protagonisten sind alle opportunistisch, berechnend und absolut gefühllos. Der Ich-Erzähler, Archivar eines Zeitungsverlages a.D., dauerhaft beziehungslos, ist davon überzeugt, von lauter Irren umgeben zu sein, während er in seiner kargen, ungeschmückten und kaum möblierten Wohnung ausharrt. Diese Überzeugung kann man nun Befangenheit entgegensetzen, denn für mich ist sein Blick der sehr subjektive eines unreflektierten Menschenfeindes. Zwar fabuliert der Misanthrop gekonnt über Literatur und Klassische Musik, doch bleibt die Figur in seiner Zeichnung für mich sehr akzentlos."Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie man es aushielt, einen Roman nach dem anderen zu lesen, ohne Schaden an der Seele zu nehmen." S141Der Roman enthüllt mir am Ende zu wenig und lässt damit viel Raum zum Weiterdenken - allein es interessiert mich nicht.
"Sich mit Hingabe langweilen", das war das Ziel des Protagonisten und der Leser weiß, dass es so nicht kommen wird und es war auch der Anziehungspunkt zur Entscheidung für dieses Buch. Genüsslich und pointiert wird geschildert, wie es sich im Zusammenleben in einem Mietshaus so abspielt und regelmäßig muss ich auflachen. Das Ich des Buchs gerät immer mehr in Zwangslagen, weil er in die Vorrolle des Vormieters schlüpft. Es baut sich zunehmend Spannung auf und man hofft auf die totale Eskalation. Doch die Vorfreude erkaltet abrupt. Es kommt urplötzlich zu einem sehr schnellen und mehr als unbefriedigenden Ende der ganzen Geschichte. Der Begriff des offenen Endes wird hier mehr als neu definiert. Mehr als enttäuschend und vor allem: Ewig Schade um diese Idee für ein unterhaltsames Buch.
Deine Bewertung *
0/2000
Bewertungen werden nach Prüfung veröffentlicht. Bitte bleibe sachlich und fair.
* Alle Preise inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versandkosten. Preise und Verfügbarkeit können sich seit der letzten Aktualisierung geändert haben.
Beim Klick auf „Zum Angebot" oder „Zum Shop" verlässt du testmonster.de und wirst zum jeweiligen Händler weitergeleitet.
testmonster.de erhält ggf. eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten.
Letzte Aktualisierung: 29.09.2026 14:05 Uhr.