Dieses Buch bietet eine gute Einführung in das Thema Russland und EU. Es hat mir geholfen Putin besser zu verstehen und ich denke es wäre empfehlenswert für unsere Vertreter in Brüssel, sich ebenso in dieses Thema einzulesen.Das Buch ist gut strukturiert
Geschrieben vom Altmeister des Journalismus, ist es eher die Frage, ob man imstande ist, das Buch aus der Hand zu legen bevor man damit fertig ist. Einen so tiefgründigen wie spannenden Einblick in Geschichte und Gegenwart Russlands wird man kaum sonstwo finden. Das Lesen dieses Buchs ist in jedem Fall ein Gewinn!
Rein geografisch gesehen stimmt das nur teilweise. Politisch und kulturell jedoch endet Europa an der Beringstraße. So jedenfalls sieht es der Autor dieses schmalen Buches, das sich vorwiegend mit der Geschichte Russlands befasst. Wenn man sie kennt, verwundern viele der jüngeren Entscheidungen, die in Berlin und Brüssel getroffen wurden. Dort macht man Politik vor allem aus westeuropäischer und amerikanischer Sicht. Deutschland und im Gefolge auch Österreich haben sich zwei Mal mit Russland angelegt. Beide Male ging das vorhersehbar nicht gut aus. .Vor allem in Österreich zählt Hugo Portisch zu den bekannten Journalisten. In diesem Buch versucht er, die jüngsten Entwicklungen im EU-Russland-Verhältnis auch aus historischer Sicht zu beleuchten. Leider fallen viele Menschen auf die dämonisierende Propaganda herein, mit der Russland und Putin überzogen werden. Politik jedoch sollte von Tatsachen ausgehen und nüchtern die eigenen Interessen kennen und die der anderen zu verstehen versuchen. Gegenwärtig jedoch streben die dafür in der EU Verantwortlichen eher nur danach, die eigenen Interessen durchzusetzen, die in Wirklichkeit die der USA sind. Dabei stören Verständnis und Rücksicht auf den russischen Standpunkt.Auf den ersten Blick steht insbesondere der Ukraine-Konflikt einem besseren Verhältnis zu Russland im Wege. Doch dieser Konflikt hat eine sehr lange Vorgeschichte, die mit dem von Gorbatschow herbeigeführten Zusammenbruch der Sowjetunion beginnt. Sieht man sich eine politische Karte von 1990 an und vergleicht sie mit der gegenwärtigen Situation, dann wird schnell klar, wer der Gewinner und wer der Verlierer der letzten dreißig Jahre ist. Zusagen, die Gorbatschow im Zuge der deutschen Wiedervereinigung gemacht wurden, sind längst kassiert worden. Faktisch steht die NATO inzwischen an den russischen Ostgrenzen. Russland hat das hingenommen. Es hat sich bis kurz nach der Jahrtausendwende sehr passiv verhalten. Das sieht man beispielsweise in der russischen Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Angriff auf den slawischen Verwandten Serbien. Selbst den Sturz des libyschen Diktators hat Russland nicht verhindert, obwohl es dazu sicher in der Lage gewesen wäre.Portisch erwähnt dies alles und macht dann klar, dass mit dem Versuch, die Ukraine in die EU zu locken, die rote Linie endgültig überschritten wurde. Russland hielt lange still, was insbesondere in den USA falsch gedeutet wurde. Dort herrschte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine einzigarte Siegermentalität, die glauben machte, dass man nun den Lauf der Dinge bestimmen könnte. Die Ukraine und insbesondere die Krim sind aus historischer und strategischer Sicht für Russland jedoch mehr als nur Teil des eigenen Einflussgebietes. Wer das besser verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Dort werden die Zusammenhänge recht gut erklärt. Was passiert, wenn man in das Einflussgebiet der USA eindringt, konnte man am Beispiel Kubas sehen. Heuchelei scheint ein Spezialgebiet westlicher Politiker zu sein.Man vertuscht in Brüssel und Washington den eigenen Machtanspruch gerne mit allgemeinen Prinzipien wie Menschenrechten, Demokratie und sonstigen plakativen Forderungen. Auch hält man sich gerne für die Schablone, nach der sich alle zu richten haben. Bei nur etwas genauerem Hinsehen enttarnen sich diese Forderungen sehr schnell. Sie werden nämlich nicht auf alle angewandt und oft nicht einmal selbst erfüllt.Man muss die russische Politik im Inneren und Äußeren nicht mögen. Das aber sollte einen Versuch, die Dinge objektiv und aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, nicht verhindern.Portischs Buch leistet auch in diesem Hinblick eine gewisse Aufklärungsarbeit, wenngleich es auch einige der üblichen Propagandafloskeln gegenüber Russland wiederholt. Für das Verständnis der russischen Politik ist eine kurze Zusammenfassung der sogenannten Russischen Doktrin von 2007 (auf den Seiten 78 und 79) von herausragender Bedeutung. Das ist ein Dokument im Umfang von 800 Seiten. Es wurde von russischen Wissenschaftlern schon einige Zeit vor Putins Installation erarbeitet, aber erst 2007 der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort findet man die Grundzüge der Politik Putins. Sie wird von einem klaren Gedanken beherrscht: "Jedes geistlose Nachahmen des Westens würde zum Verlust der Selbstachtung, des nationalen Patriotismus und zur Würdelosigkeit führen". Im Übrigen käme wohl jeder, der das russische Riesenreich gut kennt, zur Einsicht, von der Einführung einer "westlichen Demokratie" abzuraten. So würde Russland mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schnell unregierbar werden. Und das läge nur vordergründig im Interesse des Westens.Leider besitzt dieses Buch auch ein paar formale Schwächen, die einem aufmerksamen Lektor hätten auffallen müssen. So ist der Autor des Russischen offenbar nicht mächtig. Immer wenn er etwas aus dem Original zitiert, seien es einzelne Worte, Losungen oder Abkürzungen greift er daneben. Beispielsweise bedeutet das kyrillische CCCP nicht das, was er vermutet. Dazu hätten er oder der Verlag lediglich die entsprechende deutsche Abkürzung UdSSR konsultieren müssen. Und schließlich ist offenbar niemandem aufgefallen, dass die Geschichte der Besiedlung Sibiriens am Amur zwei Mal auf die gleiche Weise erzählt wird, einmal zu Beginn und einmal am Ende.Dessen ungeachtet trägt Portischs Buch einiges zum Verständnis russischer Politik bei. Man kann ihm nur eine große Leserschaft wünschen.