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Ich bleib in der Stadt und verreise | Vom Gehen und Verweilen in Wien | Oskar Aichinger | Buch
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion03.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine fantastische Idee, um das Gefühl zu haben, in der Stadt zu verreisen, und ich empfehle es jedem, der neue Perspektiven sucht. Es ist ein wunderbares Buch für alle, die eine entspannte Art des Wanderns suchen.
Es stellt sich immer wieder die Frage, wie man ein (bekannte oder fremde) Stadt am besten kennenlernt. Der Musiker und Schriftsteller Oskar Aichinger gibt mit dem Buch „Ich bleib in der Stadt und verreise“ eine eindeutige Antwort. Es sind das Gehen und das Verweilen, mit dem sich Menschen einen Ort zu eigen machen können. Aichinger selbst ist durch Wien gelaufen, jene Stadt, in die er vor Jahren gezogen ist, jene Stadt, die zu einer neuen Heimat geworden ist. Ihm geht es in dem abwechslungsreichen Buch darum, „die Stadt als Landschaft zu begreifen, die man auf abertausenden Wegen durchstreifen“ (S. 9) könne.Das Buch ist sicher nicht nur für die touristischen Besucher_innen der österreichischen Hauptstadt ein Gewinn. Sicher können auch Menschen, die in Wien leben, die eine oder andere Geschichte aus dem Buch ziehen. Flaniert man durch eine Stadt, so geht man häufig gedankenlos an Häusern, Brücken oder Gasthäusern vorbei. Aichinger zeigt, dass Orte immer mit vielen Menschen und noch mehr alltäglichen Episoden verbunden sind.Es sind nicht unbedingt die typischen Orte Wiens, an denen Aichinger vorbeiläuft, denen Aichinger seine Aufwartung macht. Es sind viele Orte, die für ihn eine besondere Bedeutung haben. Aichinger zeigt sich als Geschichtenerzähler vor dem Herrn. Seinem Parlieren (quasi) zuzuhören macht Freude. Vor allem hat er einen aufmerksamen Blick für die Menschen um ihn herum. So beschreibt er seine Rolle als Beobachter in einem Gasthaus mehr als treffend: „Manche Gruppen, oder soll ich sagen: Motive, kommen auf der Suche nach den raren Sitzplätzen mehrmals vorbei, sodass eine Art von Rhythmus aus Neuem und schon Bekanntem entsteht, ein ständiges Kommen und Gehen, das nie abreißt, so wie der Fluß meines Bieres“ (S. 65).Wer Wien als Einwohner oder touristischer Besucher kennt, dem wird vieles vertraut vorkommen. Dieses Wohlgefühl zieht sich von Seite zu Seite. So unterstreicht Aichinger seinen Sinn für Märkte, weshalb er auch immer wieder über den sagenumwobenen Naschmarkt streunt. Ein Markt wiege den Menschen in Sicherheit. Die Urangst des Menschen, hungern zu müssen, verschwinde im Angesicht der Fülle von Lebensmitteln. Konkret schreibt er: „Das damit verbundene Beiwerk aus Gerüchen und Lebendigkeit … verblasst dagegen wie Sekundärliteratur zur Fünften Beethovens“ (S. 93).Der distanzierte, aber wertschätzende Beobachter wird offenbar, als Aichinger sein Hocken und Gehen an der Alten Donau beschreibt. Er beschwert sich über das Essen an allen möglichen Orten, in allen möglichen Situationen. Er nennt es eine „Verletzung der Menschenwürde durch die eigene Person“ (S. 125), „eine Art von Sich-selber-an-den-Pranger-Stellen, die anzuschauen mir ein Gräuel ist“ (S. 125). Einer persönlichen Ästhetik begegnen die Leser_innen, gleichzeitig auch den unterschiedlichen Lebensarten der Menschen in Wien – ob sie nun von Aichinger geschätzt oder missachtet werden.Das Gehen durch die Stadt, so Aichinger, schärfe die Antennen des Menschen für die Veränderungen in der Stadt. Für ihn ist die Stadt ein Konglomerat aus unterschiedlichen Landschaften. Deshalb lohnt es sich nicht nur, mit dem Musiker und Schriftsteller Aichinger durch die Gassen und Straßen Wiens zu laufen. Sicherlich kann sein Buch auch motivieren, die eigene Umgebung anders in den Blick zu nehmen.
Ich habe dieses Buch nicht verschlungen, sondern in kleinen Happen genossen - ich lebe zwar schon seit 2 Jahrzehnten in Wien, habe aber viel Neues, Kurioses und Spannendes in diesem Buch über meine Wahlheimat gelernt. Dazu kommt der witzige und unnachahmlich charmante, beschwingte Schreibstil von Oskar Aichinger. Man merkt, wie sehr er die Stadt liebt!
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Letzte Aktualisierung: 16.10.2026 10:17 Uhr.