Die Erzählungen des Folio Club: Übersetzt von Rainer Bunz (Manesse Bibliothek, Band 24)
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Die Erzählungen des Folio Club: Übersetzt von Rainer Bunz (Manesse Bibliothek, Band 24)

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Produktbeschreibung

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Bewertungen & Erfahrungen

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Redaktion 08.08.2026 testmonster.de · Redaktion
Klasse!
Volker M. 27.03.2024 amazon.de
„Die Erzählungen des Folio Club“ ist ein Werk Edgar Allan Poes, das es eigentlich nicht gibt. Zwar ist bekannt, dass er die Veröffentlichung plante, aber es kam nie dazu und erst lange nach seinem Tod wurde ein Manuskript gefunden, das die fragmentarische Rahmenhandlung enthielt. 1902 wurde der Text erstmals publiziert und seitdem versuchen sich Forscher darin, die zugehörigen Geschichten und ihre vermutliche Reihenfolge zu rekonstruieren. Erstmals hat Rainer Bunz das interessante Experiment nun ins Deutsche übertragen, wobei er auf die Urfassungen der einzelnen Binnenerzählungen zurückgreift, die sowohl sprachlich als auch inhaltlich von den späteren Fassungen abweichen, die Poe für andere Textsammlungen noch einmal überarbeitet hatte.Der Folio Club ist ein Gesellschaftsverein von elf Männern bürgerlicher Herkunft, die sich bei ihren Treffen gegenseitig ihre selbstverfassten Schriften vortragen. Die Rahmenhandlung ist nur als Einleitung erhalten, die Zwischentexte und das Abschlusskapitel hat Poe nicht mehr vollendet.Die einzelnen Binnenerzählungen sind äußerst ungewöhnlich, indem sie einerseits stark satirische Züge tragen, andererseits bereits sehr viele Elemente enthalten, die typisch für Poe werden sollen. Die Erzählungen wurden in verschiedenen Zeitschriften ab etwa 1832 veröffentlicht und gehören zu Poes ersten Publikationen überhaupt. Inhaltlich sind sie durch nichts verbunden, außer dem erkennbaren Willen, zu der Zeit modische Genres und Stile zu persiflieren. Viele der Protagonisten sind kaum verschlüsselte Karikaturen berühmter Autoren, Verleger, Kritiker und Publizisten, die heute zwar kaum mehr einer kennt, dank Rainer Bunz‘ Kommentierung aber wieder benannt werden. Überhaupt sind die Kommentierung und das umfangreiche Nachwort sehr wichtig, wenn man die Texte ganz durchdringen möchte. Poe bedient (satirisch) manchmal einen übersteigerten Bildungsdünkel, der mit fast schon absurden Referenzen glänzt, für die man am besten sämtliche antike griechische und römische Autoren aus dem Kopf zitieren kann. Das gehörte mit Sicherheit auch schon zu Poes Zeiten nicht zum normalen Bildungskanon.Die Geschichten sind außerordentlich vielfältig und reichen von einer, wir würden heute sagen „Zombiestory“ über venezianische Geistergeschichten bis zum Rendezvous mit dem Teufel. Viele Elemente, die Poe später noch ausgefeilter verwenden wird, sind hier bereits angelegt, auch stilistisch gibt es viele Parallelen. An manchen Stellen hatte ich fast den Eindruck, es sind literarische Fingerübungen für den späteren Meister, der sich bei den Erfolgsautoren seiner Zeit etwas abschaut. In der Folge wird Poe insbesondere die Schlusspointe noch etwas sicherer setzen, aber die Ansätze sind erkennbar.Der „Folio Club“ macht einige seltene und frühe Texte Poes erstmals auf Deutsch verfügbar, unterhaltsame Miniaturen auf meistens 10-15 Seiten, sachkundig kommentiert und mit einem sehr erhellenden Nachwort.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
Ste 27.03.2024 amazon.de
„Die Erzählungen des Folio Club“ ist ein Frühwerk von Edgar Allan Poe, das fragmentarisch überliefert ist. Es versammelt elf Erzählungen, die in eine Rahmenhandlung eingebettet sind: Die Mitglieder des Folio Clubs treffen sich, ähnlich wie E.T.A. Hoffmanns Serapionsbrüder, um sich gegenseitig ihre literarischen Stücke zu präsentieren. Während die Erzählungen vollständig überliefert sind, existiert die Rahmenhandlung in Form einer kurzen Vorrede nur in einem fragmentarischen Zustand. Die Erzählungen entstammen den verschiedensten Genres. So finden sich humoristische Erzählungen („Wie man Geld auftreibt oder: Schwindeln als eine der exakten Wissenschaften betrachtet“), Gruselgeschichten in romantischer Tradition („Der Geisterseher“, „Siope“, „Metzengerstein“), burleske Teufelshändel („Ein geplatzter Handel“, „Der Herzog de l’Omelette“) und historische Erzählungen („Epimanes“, „Eine Geschichte aus Jerusalem“). Daneben existiert eine Geisterschiffgeschichte („Das Manuskript in der Flasche“) und jeweils eine absurd-komische Erzählung über den Scheintot („Ein entschiedener Verlust“) und die Nasen-Wissenschaft („Berühmt – Eine Erzählung“). So unterschiedlich die Erzählungen auch sind: Geeint werden sie durch ihren satirischen Charakter, der auf einem hohen Niveau angesiedelt ist. Der junge Poe spielt mit Genretraditionen und persifliert diese, versteckt in seinen Figuren reale Vorbilder (v.a. Autoren) und baut Referenzen zu anderen literarischen Werken ein. Da diese satirischen Züge vergleichsweise diffizil sind, ist vieles davon aus heutiger Perspektive nicht leicht ersichtlich/erkennbar. Umso verdienstvoller ist die Arbeit von Rainer Bunz, dem Herausgeber „Der Erzählungen des Folio Club“: In einem detaillierten Anmerkungsapparat werden intertextuelle Verweise, Fremdwörter, Personen und Zitate erklärt; ein ausführliches Nachwort kontextualisiert die einzelnen Novellen vor dem Hintergrund ihrer Genretradition und erläutert den jeweiligen satirischen Zug (Anmerkungen und Nachwort nehmen ungefähr 1/3 der Manesse-Ausgabe ein). Eine weitere Besonderheit der Manesse-Ausgabe ist, dass die elf Erzählungen erstmals in Erstfassung ins Deutsche übersetzt worden sind (Im Deutschen existieren bisher nur Übersetzungen späterer Fassungen der Erzählungen, in denen Poe Hinweise auf den Erzählkontext des Folio Club tilgte). Insgesamt ist „Die Erzählungen des Folio Club“ eine wissenschaftlich fundierte Edition von Poes frühen Erzählungen, die sowohl inhaltlich abwechslungsreich sind als auch mit Witz erzählt werden.
Manfred Orlick 27.03.2024 amazon.de
„Die Erzählungen des Folio Club“ sind ein Frühwerk des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe. Die Manesse-Ausgabe präsentiert die Texte der Erstveröffentlichungen, die sich teilweise erheblich von späteren Wiederveröffentlichungen unterscheiden. Es handelt sich hier also um Erstfassungen, die erstmals ins Deutsche übertragen wurden.Mit seinen zwölf Prosatexten der Erzählsammlung wollte Poe die literarischen Strömungen seiner Zeit auf die Schippe nehmen. Daher bedient er sich der damals beliebten Genres und ahmt sie nach, wobei er sie ins Lächerliche zieht. In der Auftaktgeschichte „Der Folio-Club“ parodierte Poe die Herrenrunde dieses Clubs – alles natürlich höchst bemerkenswerte Männer der gehobenen Gesellschaft. In „Der Geisterseher“ (ein Bezug auf Schillers gleichnamige Novelle) nahm Poe die literarische Italienbegeisterung gegen Ende des 18. Jahrhunderts aufs Korn. Den Teufelsgeschichten, die in der Romantik zu voller Blüte gelangten, widmete er sich satirisch in „Ein geplatzter Handel“. Weitere Folio-Club-Erzählungen beschäftigen sich mit den Genres der Seefahrergeschichten („Das Manuskript in der Flasche“), der Fabel, der Horrorgeschichte, der Modewelle des Orientalismus oder in der abschließenden Geschichte „Berühmt“ der Selbstinszenierung mancher Schriftsteller. Auch in anderen Geschichten spießte Poe gekonnt die Marotten der literarischen Platzhirsche auf.Fazit: Poes Debüt bietet eine humorvolle Lektüre, wobei es zu den einzelnen Erzählungen zahlreiche erklärenden Anmerkungen des Herausgebers Rainer Bunz gibt. Weitere Informationen findet man in seinem umfangreichen (immerhin 60 Seiten) Nachwort. Außerdem eine sehr ansprechende Ausstattung und Ergänzung der Manesse-Bibliothek.
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