Wie die meisten Bücher von Rudolf Steiner enthält das Buch „Das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt im Verhältnis zu den kosmischen Tatsachen“ sehr viele interessante und tiefgehende Informationen. Ich werde im Rahmen dieser Rezension nur einzelne Themen anreißen.Der Mensch erhält die Kräfte, die er zur Formung seines Leibes und Schicksals braucht, von den göttlich-geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien. Vor der neuen Inkarnation treten an den Menschen die Wesenheiten der höheren Hierarchien heran und bieten ihm Gaben und Kräfte an. Wenn aber der Mensch während des letzten Erdenlebens die Gedanken und Ideen ablehnt, die der Aufklärung über die übersinnlichen Welten dienen, dann geht er durch das Leben zwischen dem Tod und der neuen Geburt wie durch eine Welt von Finsternis. Er sieht nicht, was ihm die göttlichen Wesenheiten für die nächste Inkarnation reichen wollen. Er kann nicht die Kräfte und Gaben in Empfang nehmen, die er für das nächste Erdenleben braucht, weil ihm das Licht des Verständnisses der übersinnlichen Welten fehlt. Der Mensch, der sagt, dass er sich die nötigen Kenntnisse über die übersinnlichen Welten erst nach dem Tode aneignen wird, verkennt die Tatsache, dass das Wissen über die geistigen Welten in der physischen Verkörperung erlangt werden muss. Ohne diese Erkenntnisse der geistigen Welten kann der Mensch nicht erkennen, was ihm die göttlichen Wesenheiten zwischen dem Tod und der neuen Geburt anbieten; er kann die Kräfte nicht bekommen, die er für das nächste Erdenleben braucht, so dass ihm dann die Kraft fehlt, die gesunden Organe und den gesunden Körper aufzubauen. Es werden ihm auch die Anlagen für das Entgegennehmen des spirituellen Wissens in der nächsten Verkörperung fehlen. Das führt letztendlich zu einer Verödung der Menschenseele und zu allen möglichen Krankheiten und Disharmonien in den nächsten Inkarnationen. Solche Menschen entwickeln in den nächsten Inkarnationen eine mangelhafte Logik, ein kurzsichtiges, stumpfes Denken.Im letzten Kapitel wird über den Pilgerweg des Menschen zwischen dem Tod und der neuen Geburt „von den großen makrokosmischen Verhältnissen aus“ berichtet. Um den Inhalt dieses Buches besser zu verstehen, empfehle ich parallel das Buch „Theosophie“ von Steiner zu lesen, weil dort das Leben des Menschen zwischen dem Tod und der neuen Geburt „von den inneren Seelenerlebnissen aus“ geschildert wird. Nach dem Verlassen des physischen Körpers gelangen der Astralleib und das Ich in eine Sphäre der geistigen Welt, in der sich die Seele alles abgewöhnen muss, was sie mit der letzten Erdenverkörperung verbindet (sog. Kamalokazeit):In der ersten Region der „Begierdenglut“ sehnt sich die Seele nach Sinneseindrücken (Leidenschaften, Triebe, selbstsüchtige Begierden, durch Augen sehen, durch Ohren hören), die sie aber nicht haben kann, da mit dem Tode die Sinnesorgane nicht mehr vorhanden sind. In der zweiten Region der „Reizbarkeit“ muss sich die Seele die Begierden nach Gedanken, die durch das Instrument des Gehirns gewonnen wurden, abgewöhnen (Fähigkeit, durch ein Gehirn zu denken). In der Region der „Wünsche“ werden die irdischen Wünsche des Herzens abgelegt (wegen der Unmöglichkeit ihrer Befriedigung). In der letzten Region der „Lust und Unlust“ wird die Sehnsucht abgelegt, mit dem physischen Erdenleibe der letzten Verkörperung zusammenzuleben (Selbstgefühl). Die Seele lernt, den physischen Körper der letzten Inkarnation nicht mehr als etwas Wesentliches zu empfinden. Das Durchgehen durch diese vier Regionen entspricht in makrokosmischer Hinsicht dem Sich-Hinausdehnen der Seele durch die Mond-Sphäre bis zur Merkur-Sphäre. Die Kamaloka-Sphäre dauert etwas bis über die Mond-Sphäre hinaus. Dann beginnen die lichteren Bereiche der Seelenwelt.Mit dem Eintreten in die Merkur-Sphäre erreicht die Seele die fünfte Region, die Region des „Seelenlichts“. Die Naturschwärmerei bzw. bloße Lust an der Natur, insofern sie einen sinnlichen Charakter an sich trägt, unterliegt hier der Läuterung. Auch die Seelen, die während des Erdenlebens von ihren religiösen Verrichtungen die Erhöhung ihrer sinnlichen Wohlfahrt verlangen, werden geläutert, weil die selbstsüchtigen Triebe auf die Sinnenwelt gerichtet waren und die äußeren Befriedigungsmittel nach dem physischen Tod fehlen. Die sechste Region der „tätigen Seelenkraft“ entspricht der Venus-Sphäre. Viele Künstler und Wissenschaftler gehören hierher. Ihre Tatenlust hat zwar keinen egoistischen Charakter. Ihre Motive liegen aber in der Erhöhung eines sinnlichen Lustgefühls. Diese Bindung an die physische Welt muss geläutert werden. Die Seele muss im Erdenleben in einer gewissen Weise religiöse Impulse entwickeln, um durch die Venus-Sphäre richtig durchzugehen. In der siebten Region des „Seelenlebens“ - in die Sonnen-Sphäre - befreit sich die Seele von ihren letzten Verbindungen zur sinnlich-physischen Welt. Die hochbegabten Persönlichkeiten, die nur über die Vorgänge der physischen bzw. materiellen Welt nachgedacht haben, werden hier geläutert. Ihre materialistische Weltanschauung muss zerstört werden.Dann tritt die Seele in das Geisterland ein. Steiner sagt, dass dieses Geisterland der physischen Welt so unähnlich ist, dass die Beschreibung dieser Welt wie Phantastik vorkommen muss. Die erste Region des Geisterlandes ist die erste Region der Davachan, die Mars-Sphäre. Das ist die Welt lebendiger Gedanken und Geistwesen. In dieser Welt befinden sich die „Urbilder“ (= Archetypen, Urformen, Urgestalten) aller Dinge und Wesen, die in der physischen und seelischen Welt vorhanden sind (grober Vergleich: Ideenwelt von Platon). Die physischen Dinge und Wesenheiten sind lediglich „Nachbilder“ dieser „Urbilder“. Die Urtöne und Urformen der anderen Wahrnehmungen wie „geistiges Schmecken“ findet man hier. „Diese Region bildet das Grundgerüst des Geisterlandes. Es kann mit dem festen Land unserer physischen Erde verglichen werden. Es ist die Kontinentalmasse des Geisterlandes“ (vgl. Theosophie, S. 109). Die zweite Region des Geisterlandes – das zweite Gebiet des Devachan - ist das ozeanische Gebiet des Geisterlandes, enthält die Urbilder des Lebens und fällt kosmisch mit der Jupiter-Sphäre zusammen. Die dritte Region des Geisterlandes – das dritte Gebiet der Davachan – ist das Luftgebiet des Geisterlandes, enthält die Urbilder alles Seelischen und fällt kosmisch mit der Saturn-Sphäre zusammen. Hier sind Gefühle, Leidenschaften, Instinkte usw. auf geistige Art vorhanden. Die Freuden und Leiden der Geschöpfe in den anderen Welten spiegeln sich in den atmosphärischen Vorgängen dieses Luftkreises („Geistergewitter“: zuckende Blitze, rollender Donner). Die vierte Region des Geisterlandes geht über unser Planetensystem hinaus. Die Urbilder dieser Region sind „Wesenheiten, welche die Urbilder der drei unteren Regionen beherrschen und deren Zusammenarbeit vermitteln“ (Theosophie, S. 110). In der fünften, sechsten und siebten Region findet man die Schöpferkräfte der Urbilder der unteren Regionen der Davachan.Im Buch werden viele andere sehr interessante Themen ausführlich dargestellt: Leben zwischen dem Tod und der neuen Geburt, Lehre von Reinkarnation und Karma, Homer, Michelangelo, Christian Rosenkreutz, Mysterienstätte, Die siebenjährigen Zyklen des Menschen, Mysterium von Golgatha, Bedeutung des Christus-Impulses, Buddha usw.