Die deutsche Emma geht für ein Schuljahr an die Dunbridge Academy nach Schottland. Schon auf dem Weg/Flug dorthin lernt sie den Schulsprecher Henry kennen, zu dem sie sich auch sofort hingezogen fühlt. Nur ist Henry leider schon vergeben. Aber Emma will sich ja auch auf die Schule konzentrieren und nicht in die nächste Beziehung schlittern. Und auch Henry spürt gleich etwas Besonderes, als er Emma trifft, doch das kann er Grace, mit der er seit Jahren zusammen ist nicht antun, oder doch?Mit Emma bin ich gleich warm geworden. Für mich wird sie gleich so als typischer Teenager eingeführt. Erst verschlafen, dann alles schnell zusammenraffen und es gerade noch pünktlich schaffen. Wie sie und Henry sich dann kennenlernen fand ich sehr niedlich. Ihr wird aber schnell klar, dass Henry vergeben ist und damit für sie nicht zur Debatte steht. Doch auch wenn Emma Prinzipien hat, erkennt sie, dass es nicht immer leicht ist, sich auch daran zu halten. Es geht nämlich nicht immer nur um Prinzipien, sondern auch um das eigene Ich, das eigene Wohlbefinden und das eigene Glück. Emma ist sehr zielstrebig, sehr ehrgeizig und sehr diszipliniert und so gelingt es ihr auch, ihre Ziele zu erreichen. Nur eben bei einem Lehrer nicht, doch mit der Zeit erkennt sie glücklicherweise, dass es nicht an ihr liegt. Sie macht eine nachvollziehbare Entwicklung durch und wächst an ihren Herausforderungen.Ich finde Emma sehr authentisch und sehr sympathisch.Henry fand ich auch gleich toll. Er verliebt sich in Emma, obwohl er mit Grace zusammen ist und kämpft lange mit sich, welche der beiden die Richtige ist. Natürlich könnte man ihm vorwerfen, Grace schlecht behandelt zu haben, aber ich finde, für sein Alter ist sein Verhalten absolut nachvollziehbar, sich hin- und hergerissen zu fühlen, sich zu Fragen, ob man das Richtige macht und zu erkennen, dass es eben noch ganz andere Gefühle gibt, als die, die man bisher kennengelernt hat. Ich persönlich habe es auch nicht als Fremdgehen empfunden. Henry ist sehr authentisch und macht eine positive Entwicklung durch.Auch alle anderen Figuren haben mir sehr gut gefallen. Ganz besonders gelungen fand ich, dass es in diesem Roman keine „typisch bösen Zicken, die mobben“gab. Grace ist so ein wundervoller Mensch. Tori und Sinclair fand ich äußerst interessant, aber auch Olive. Emmas Vater fand ich sehr speziell, aber als Figur auch sehr gut entwickelt.Das Setting hat mich total abgeholt. Ich habe mich gefühlt, wie Henry es beschrieben hat. Es war wie nach nach Hause kommen. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt und dieses Internatsfeeling und das Zusammengehörigkeitsgefühl förmlich gespürt.Die Handlung hat mir gut gefallen. Es wurde eine ansteigende Spannungskurve mit vielen kleinen Konflikten und überraschen Wendungen entwickelt. Emma und Henry sahen sich mit einigen Hürden konfrontiert. Was Henry dann geschieht ist natürlich schlimm und damit hätte ich so auch nicht gerechnet, aber seine Reaktion darauf fand ich persönlich etwas zu heftig. Natürlich ist das irgendwie nachvollziehbar, aber um sein Verhalten in dieser Situation besser verstehen und mitfühlen zu können, hätte man als Leser/in eine intensivere Beziehung zu Maeve aufbauen müssen. Das ist aber nur meine persönliche Meinung. Insgesamt hat mich das in meinem Lesefluss aber nicht gestört. Leider hat mich aber das Geheimnis um Mr Ward etwas enttäuscht. Da hätte ich einfach mit etwas Größerem gerechnet, weil so viel Aufhebens darum gemacht wurde. Am Ende habe ich für mich aber gedacht: „Selbst Schuld, du hast es doch zugelassen.“ Und seine Reaktion daraus, Emma betreffend, hat für mich nicht so richtig gepasst. Da war die Entscheidung der Schulleitung die einzig richtige Lösung.Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Alles liest sich locker und flüssig. Der Ausdruck passt prima zu den Figuren und in das Genre. Die Dialoge waren sehr realistisch und unterhaltsam. Die Darstellung der emotionalen Ebene war großartig, sehr feinfühlig und bewegend. Aber ganz besonders haben mir die Beschreibungen der Settings und die atmosphärischen Beschreibungen gefallen. Es hat sich alles so echt angefühlt, als wäre man dabei.Von mir erhält dieser Roman eine klare Kaufempfehlung (4,5/5 Sterne), weil es ein besonderes Wohlfühl-Setting ist, weil die Figuren alle sehr authentisch und sympathisch sind und weil es sehr feinfühlig geschrieben wurde. Außerdem ist der Schreibstil wunderbar. Ein halbes Sternchen ziehe ich aber ab für das Geheimnis um Mr. Ward und Emmas Eltern. Hier hätte ich einfach etwas Größeres erwartet. Trotzdem hat mir der Roman insgesamt sehr gut gefallen.Vielen Dank an Sarah Sprinz und den LYX Verlag für diese Geschichte.
Mit ihrer New Adult-Trilogie, in welcher sich alles um das Internatsleben in der „Dunbridge Academy“ und eine große Liebe dreht, entführt uns Sarah Sprinz nach Schottland. Das alles zusammengenommen reizte mich natürlich sehr und so war es nicht verwunderlich, dass Band 1 der Reihe „Anywhere“ in meiner Büchersammlung landete.Intro:Ich bin ja ein totaler Schottland-Fan und lese mich deshalb so gern an diesen Ort. Da ich stets nach Büchern Ausschau halte, dessen Handlung in diesem Teil der Welt spielt, fiel mir auch „Dunbridge Academy-Anywhere“ in die Hände. Gut, an diesem hübschen Ding kam man um die Veröffentlichungszeit Anfang des Jahres aber auch wirklich nicht herum, und daran hat sich bisher mit der Herausgabe von Band 2 im Mai und Band 3 im September auch nichts geändert. Aber dazu komme ich dann in meinen anderen beiden Rezensionen zu den Folgebänden. Gerade in Bezug auf den hier rezensierten ersten Teil kann ich dennoch vorab sagen, dass die Nachfolger nicht ohne Grund bereits hier bei mir liegen und auf mich warten.Zur Handlung:Emma lässt ihre Freund*innen und ihre Mutter in Deutschland zurück und meldet sich für ein Auslandsjahr am schottischen Internat „Dunbridge Academy“ an. Hier haben einstmals ihre Eltern gelebt, gelernt und sich auch in der Liebe gefunden. Doch ihre Zuneigung konnte die Zeit nicht überdauern. Emma erhofft sich nun an diesem Ort Informationen zum Verbleib ihres Vaters, der die Familie vor Jahren letztendlich im Stich gelassen hat.Bereits am Ankunftstag begegnet Emma dem Briten Henri und weiß sofort, dass er bei ihr für ein kopfloses Chaos sorgen wird, dass zu diesem Zeitpunkt unpassender nicht sein könnte. Schnell bauen sich auf beiden Seiten ungeahnt intensive Gefühle auf, gegen die Beide machtlos erscheinen. Aber es liegt eindeutig zu viel schottisches Geröll zwischen ihren Füßen, weshalb eine Annäherung oder gar ein Ausleben dessen wenig aussichtsvoll scheint. Da wären nicht nur die Suche nach Emmas Vater und Henris Beziehung zu einem anderen Mädchen, nein, da lauert auch das Schicksal, welches erbarmungslos zuschlägt und eine Gerölllawine über beide hereinbrechen lässt...Die Figuren:Die Figuren sind sehr schön lebendig gezeichnet. Ich mochte alle von Beginn an sehr, was zeigt, dass sie meinen Geist und mein Herz erreichen und berühren konnten.Emma Wiley ist eine zielstrebige und sehr intelligente junge Frau, die weiß, was sie will. Dennoch ist sie sich nicht zu schade, Fehler einzugestehen und aus ihnen zu lernen. Allgemein wirkt sie auf mich in Vielem bedachter und erwachsener und ich würde ihr eine Reife über ihr zugeschriebenes Alter hinaus zusprechen. Das mag an ihrem Alltag in Deutschland liegen, denn sie lebte mit ihrer Mutter allein und war aufgrund des mütterlichen Stewardess-Berufes, bei dem man zwangsläufig viel auf Reisen ist, frühzeitig auf Selbständigkeit angewiesen.Henri Bennington ist ein sehr sympathischer, offener und freundlicher Typ, der gefühlt mit jedem auskommt, was seiner Aufgabe als Schulsprecher sicher sehr zuträglich ist.Er ist Emma in ihrer Reife recht ähnlich. Henri ist zielstrebig und hat ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. Seine Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit sind herausragend. Auch er musste frühzeitig sein Leben ohne seine Eltern meistern, welche als Ärzte ohne Grenzen im Ausland arbeiten.Seine ausgesprochene Warmherzigkeit hat mir des Öfteren das Herz gewärmt. Es läge ihm völlig fern, Menschen zu verletzen und er kann den Gedanken nicht ertragen, dass Andere wegen seiner Taten oder Äußerungen traurig sein könnten.Sämtliche Nebenfiguren fügen sich an den passenden Stellen in die Handlung und füllen sie ihrer Aufgabe entsprechend aus, sodass ein lebhaftes Gesamtkonstrukt entsteht.Der Schreibstil:Sarah Sprinz hat einen schönen, leicht zu lesenden Schreibstil, der den Leser*in ab der ersten Seite abholt und mit Emma ins Flugzeug nach Schottland steigen lässt. Ihre Sprache ist jung und frisch und dem Alter der Charaktere angepasst.Die Handlung ist in sich schlüssig und jederzeit gut verständlich. Die Spannungskurve zog gleich zu Beginn gut an, sodass man zielstrebig und neugierig immer weiterlesen wollte. Dies hielt sich für mich etwa bis zur Mitte des Buches, dann verspürte ich einen ungeahnten kleinen Dämpfer. Die Kurve stagnierte und die Handlung zog mich nicht mehr so in den Bann. Grund dafür waren unter anderem an dieser Stelle eingearbeitete Szenen, die ich den beiden Figuren innerhalb eines stets lebhaften Internatsalltags und einem dementsprechend hohen Risiko, entdeckt zu werden, so nicht zugeschrieben hätte. Das wirkte auf mich irgendwie nicht passend und, ja, auch etwas abwegig. Dieser Hänger sorgte dafür, dass mir die Faszination entglitt. Gleichzeit holten mich plötzlich die Charaktere nicht mehr so ab, wie ich es mir gewünscht hätte. Als hätte man bei ihnen plötzlich einen Stöpsel gezogen und alle Luft wäre entwichen. Ich habe das Buch dann ein paar Tage zur Seite gelegt, denn ich wollte meine Gedanken ordnen und Abstand gewinnen. Ich erhoffte mir, der Geschichte damit die Möglichkeit zu geben, mich nach einer Pause erneut an dem Punkt abholen zu können, wo sich der Level des Lesevergnügens bis zur Hälfte befunden hatte. Und dies war dann Gott sei Dank der richtige Ansatz. Auf einmal hatte mich die Handlung durch eine dramatische Wendung plötzlich wieder und die Emotionen sprühen mich regelrecht an. Das blieb dann auch bis zum Ende so und ich konnte das Buch letztlich mit einem wirklich warmen Herzen und wider Erwarten sogar feuchten Augen zuklappen. Und das war etwas, mit dem ich zwischenzeitlich nicht mehr gerechnet hatte!Das Setting ist bildhaft und atomsphärisch gezeichnet. Ich konnte mir das Internat mit all seinen darin befindlichen Räumlichkeiten und Gängen, und das wundervoll ländliche Umfeld mit dem ewig nassen schottischen Wetter so richtig gut vorstellen.Fazit:Mit „Anywhere“ aus der Dunbridge Academy“-Reihe ist Sarah Sprinz ein schöner, lebendiger und emotionaler Reihenauftakt gelungen, der Lust darauf macht, weiter an diesem wundervollen schottischen Internat und im Kreise der liebevoll und lebhaft gezeichneten Figuren zu verweilen. Ich möchte mehr erfahren über die Menschen in Emmas neuem Freundeskreis. Was beweist, dass mich mein erwähnter Hänger nicht nachhaltig beeindrucken konnte und mich gleichzeitig wieder zu meiner Ausgangsäußerung bringt, dass sich die beiden anderen Schätzchen bereits auf meinen SuB befinden.Hier warten nun jeweils zwei andere Couples auf mein freudiges Schottland-Internat-Liebe-Leseherz.