Leky, Mariana: Was man von hier aus sehen kann
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Hersteller: Dumont  ·  MPN: 1091168
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Produktbeschreibung

Was man von hier aus sehen kann | Mariana Leky | Buch | 320 S. | Deutsch | 2017 | EAN 9783832198398

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 2 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 02.08.2026 testmonster.de · Redaktion
Das Buch hat eine klare Aufmachung und die Seiten sind gut lesbar. Die Bindung hält den Inhalt gut zusammen. Für den Preis bekommt man eine interessante Darstellung.
Kirsten Loos 19.06.2023 amazon.de
Es erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Kindheit, des Erwachsenwerdens und des Erwachsenseins. Es handelt von Liebe, Trauer, Verlust, vom Bleiben und Fortgehen, von Entwicklung und Stagnation.Aus der Sicht des zu Beginn neunjährigen Mädchens Luise wird das Leben in einem kleinen, abgelegenen Dorf geschildert. Dort wächst Luise im Kreise ganz besonderer Menschen auf. In diesem Mikrokosmos ist ihre Großmutter Selma – weit mehr als Luises Eltern – die wichtigste Person. Fast ebenso wichtig ist Luises Freundschaft zu ihrem gleichaltrigen Schulkameraden Martin. Weitere, teils skurrile, aber immer liebevoll geschilderte Persönlichkeiten, wie die Kräuterhexe Elsbeth oder die immer schlecht gelaunte Marlies spielen für die Kinder eine wichtige Rolle.Selma und der Optiker der Dorfes, der seit Jahren heimlich in Selma verliebt ist, kümmern sich in außergewöhnlich, liebevoller und wertschätzender Weise um beide Kinder. Sie bieten ihnen Orientierung in der Welt, die ihnen ihre Eltern nicht geben können. Selma bedeutet alles für Luise „Du hast die Welt erfunden“.In diese Idylle tritt der Tod. Wenn Selma von einem Okapi träumt, wird jemand im Dorf in den nächsten 24 Stunden sterben. Aus der naiven Sicht des Kindes wird zunächst geschildert, wie sich die Einwohner des Dorfes im Bewusstsein des möglichen baldigen Todes verändern. Leky greift die Frage auf: Was passiert mit den Menschen, wenn sie dem Tod ins Auge sehen? Die einfache Antwort ist: interessante, ungeahnte Wahrheiten kommen zutage und man wird zum besseren Menschen, aber nur „bis zum nächsten Lohnsteuerjahresausgleich oder Wasserrohrbruch“. Der humorvolle Ton endet, als die Vorahnung Selmas sich erfüllt.Der zweite Teil beginnt mit einem Zeitsprung: Luise ist auch nach ihrem Abitur in der gewohnten Umgebung geblieben, sie macht eine Buchhändlerlehre in der nahegelegenen Kleinstadt. Alles stagniert und geht seinen Gang bis Alaska, der Hund des permanent abwesenden Vaters verschwindet. Auf der Suche nach dem Hund macht Luise eine schicksalhafte Bekanntschaft.MotiveImmer wiederkehrende Motive im Roman sind Liebe und Trauer, Bleiben und Weggehen.Der Roman beginnt mit einer eindrucksvollen Szene des Abschieds: Selma sieht im gleißenden Sonnenlicht ihrem in den Krieg ziehenden Ehemann nach, der sich noch einmal umdreht und ihr zuwinkt. Die Szene wird zum Sinnbild für die verlorene Liebe ihres Lebens, denn der Ehemann kehrt nie aus dem Krieg zurück. Das negative optische Nachbild, bei dem man alles dunkle hell und alles helle dunkel sieht, brennt sich in ihr Herz und kehrt in den unterschiedlichsten Situationen zurück. „Immer wieder taucht plötzlich dieses Nachbild auf, dieses eine, ganz bestimmte, es taucht auf wie ein Bildschirmschoner des Lebens, und oft dann, wenn man überhaupt nicht damit rechnet.“ Dieses starke Motiv lässt den Leser die abgrundtiefe Traurigkeit erahnen, die Selma in ihrem Leben umfängt. Im Gegensatz dazu steht der leichte, präzise, oft humorvolle, manchmal naive Erzählstil des Roman.Die Menschen im Dorf werden psychologisch treffend, auf liebevolle Weise geschildert und durch ihr Tun charakterisiert. Die Erzählweise enthält Metaphern, wie „die Verstocktheit hatte auch Platz genommen“, die Luise charakterisiert oder „Die Stimmen schrien entsetzt auf“ bei der Charakterisierung des Optikers. Rührend ist die psychologische Erklärung seiner Gefühle für Selma. Er ist zu schüchtern, seine tief empfundene Liebe zu gestehen. Seine inneren „Stimmen“ halten ihn davon ab. „Auch jetzt, auf dem Weg zu Selma, waren die Stimmen natürlich unbedingt dafür, die Wahrheit über die Liebe zurückzuhalten, jetzt, wo man im Zurückhalten doch so versiert, wo man jahrzehntelang so gut mit der Zurückhaltung gefahren sei […]Alles dreht sich in den 20 Jahren, die der Roman beschreibt, um dieselben Menschen, die zwar älter werden und einen ganz normalen Lebensweg gehen, aber in der Nähe des Dorfes bleiben, Luise scheut die Veränderung und verlässt die Umgebung Ihrer Kindheit nicht. Das „Weggehen“ wird nur durch den Vater vollzogen. Auffällig ist, dass keine Konflikte ausgetragen werden. Die permanente Abwesenheit des Vaters wird z. B. nicht kommentiert oder kritisiert. Die Hauptpersonen sind immer „gut“, sie gehen immer respektvoll miteinander um, nie gibt es Streit oder Ärger. Das alles wirkt auf die Dauer merkwürdig starr.Trotzdem hat diese schnörkellose, humorvolle und doch tiefgründige Schilderung der Lebenswege und Beziehungsgefüge von Menschen eine äußerst fesselnde Wirkung. Sie führt uns den Verlust, der durch den Tod geliebter Menschen entsteht, tief empfundene Liebe und die Kraft, die durch eine schicksalhafte Begegnung entstehen kann, vor Augen. Der Leser fiebert mit den Personen, sieht sie altern, sieht ihre Fehler und Ängste, sieht die Magie im Alltag und erfährt dadurch mehr von seinem eigenen Leben.
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