Es ist keine klassische Biographie, die Max Brod 1934 über Heinrich Heine geschrieben und nach dem 2. Weltkrieg neu bearbeitet hatte, es ist eine mit großer emotionaler Wucht geschriebene Annäherung an Person, Werk und Lebensumstände des Dichters Heine. Sehr emotional, aber stets gelassen, und immer die gesamte Situation des jüdischen Lebens in Deutschland und Frankreich vor Augen (z.B.: was hat Napoleon für das jüdische Leben gebracht?), greift Brod sich einzelne biographische Punkte heraus, auch sehr oft längere Zitate, arbeitet sich dann daran ab, springt gelegentlich zeitlich, auch inhaltlich mit hohem Tempo. Und wie bereits erwähnt: längere Texteinschübe von Heine, immer wieder. Das hohe Tempo dieses Buchs reißt die Leser mit, von Beginn an.Max Brod bringt es selbst sehr gut auf den Punkt, was er möchte: "Nein, Heine war nicht rechenhaft, nicht nationalistisch veranlagt, der Sohn eines verspielten Vaters und einer verstandeshellen Mutter sollte zeitlebens verurteilt und begnadet sein, eine Mitte zwischen Fortschrittlichkeit und ahnungsvoller Dämmerung zu suchen, - ja, vielleicht wird das vorliegende Buch gerade in diesem Suchen nach einer schwer faßbaren, vibrierend lebendigen Mitte die wahre Bedeutung Heines darlegen. (...)", Seite 76.Im Nachwort wird dann auch ausführlich auf die Veränderungen eingegangen, die Max Brod in der Neuauflage nach dem 2. Weltkrieg veröffentlichte: "In einer Vorbemerkung zur Ausgabe von 1956 schreibt Brod, dass er neuere Forschungsergebnisse eingearbeitet hat und manches hat ändern müssen, `da die ungeheuren Ereignisse, deren Zeugen wir seit Jahren geworden sind, viel Tatsächliches und in manchen Fällen die ganze Blickrichtung, das Geschichtsbewußtsein nicht unberührt lassen konnten.(...)` (...)", Seite 474. Abschließend kommt Gerhard Kurz, der Autor des Nachwortes, allerdings zu dem Schluss, dass Brod viel zu wenig abgeändert hatte, 1956. Und er, Kurz, nennt dieses zu wenig "erstaunlich zurückhaltend". (Seite 474)Eine kuriose Sache erfährt der Leser auch im Nachwort: Brod sollte 1956, anläßlich Heines hundertstem Todesjahr, in Düsseldorf sprechen - diese Einladung wurde aber auf Druck des damaligen Bundespräsidenten Heuss zurückgezogen, weil Heuss einen "deutschen Redner" (Zitat) wollte.Fazit: Max Brods Buch ist ungefiltert. Heine sehr direkt.( J. Fromholzer )