Chronologisch (vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des 20. Jahrhunderts) und sehr unterhaltsam schreibt der Autor und ehemalige NDR Redaktionsleiter Hanjo Kesting über Komponisten und Librettisten und ihre unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit, mal geglückt, mal weniger geglückt (= die Zusammenarbeit!) . Im Mittelteil, 19. Jahrhundert, befindet sich zusätzlich das Gesamtkunstwerk Richard Wagner, der seine Texte stets selbst verfasste ("Wie gut sind Wagners Operntexte?", ab Seite 187). Er nimmt eine Sonderstellung ein, sofern man das so nennen möchte.Eine der bekanntesten Kombinationen der Operngeschichte dürfte das Duo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal sein. Kesting schreibt: "Beide kamen zueinander als bereits etablierte Künstler. Strauss, der Sinfoniker und Liederkomponist, Hofmannsthal, der Lyriker, Erzähler und Dramatiker. Beide brachten einen hohen Anspruch mit ein. (...) Allerdings war es keine Liebe auf den ersten Blick. Viel spricht dafür, dass Strauss und Hofmannsthal sich anfangs fremd waren und sich im Laufe der Jahre, trotz intensiver Zusammenarbeit, nicht wirklich nahekamen. (...)", Seite 295 -296. Kesting zitiert mehrere Auszüge aus dem Briefwechsel der beiden (den man unbedingt ganz lesen sollte!). Eine gewisse unterschiedliche Tonlage der Texte fällt sogleich auf: "So wie Hofmannsthal die burschikosen Anrempeleien des Komponisten Strauss ertragen lernen musste, so wurden diesem die scharfen und pointierten Formulierungen seines Dichters zur manchmal leidvollen Gewohnheit. (...)", Seite 299.Ein weiteres Hauptstück des Buchs sind die unterschiedlichen Versuche, Goethes FAUST auf die Opernbühne zu bringen, deren populärster (heute) der von Gounod sein dürfte; Boitos "Mefistofele" und Berlioz` "La damnation de Faust" erfahren gerade so etwas, das man durchaus als Rückkehr (auf die Bühne) bezeichnen kann.Kestings Buch ist so aufgebaut, dass man auch präzise auf einzelne zeitliche und thematische Abschnitte zugreifen kann; das Hauptgerüst der Gliederung sind die Jahrhunderte.Am Ende von Kestings Opernbuch befindet sich das (wie ich finde) unterhaltsamste Kapitel von allen: das über Brecht. "Bis der reitende Bote des Königs erscheint - Bertolt Brecht und das Musiktheater". Bei Brecht hat man sogleich viele nicht ganz ernste Bilder vor dem inneren Auge - was bei Da Ponte (Mozart) oder Eugene Scribe (> Meyerbeer) schwer fallen dürfte."Alles, was Hypnotisierversuche darstellen soll, unwürdige Räusche erzeugen muss, benebelt, muß aufgegeben werden." (Bertolt Brecht, Seite 339.Fazit: sehr lesenswert!(J. Fromholzer )