Die geistige Situation nach 1945 - Karl Jaspers und Hannah Arendt - Matthias Bormuth Gebunden
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Bücher EAN 9783835352858

Die geistige Situation nach 1945 - Karl Jaspers und Hannah Arendt - Matthias Bormuth Gebunden

Hersteller: Bormuth, Matthias  ·  MPN: 876818
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Die geistige Situation nach 1945 - Karl Jaspers und Hannah Arendt | Matthias Bormuth | Buch | 144 S.

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Till Kinzel 16.05.2024 amazon.de
Die Zahl der Publikationen von Matthias Bormuth, der in Oldenburg Ideengeschichte lehrt, ist kaum mehr zu überschauen; allein in den letzten Jahren sind etliche Bände erschienen. Darunter sind auch einige, die mit Karl Jaspers zu tun haben. Denn diesem Denker ist Bormuth besonders verbunden, ist er doch auch Herausgeber des Jahrbuchs der Jaspers-Gesellschaft und hat seinen Dienstsitz im Oldenburger Jaspers-Haus, in dem auch die nachgelassene Bibliothek des Philosophen untergebracht ist.In dem vorliegenden Essay setzt nun Bormuth seine langjährige Auseinandersetzung nicht nur mit Karl Jaspers, sondern auch mit Hannah Arendt fort, die sich hier auf die geistige Situation vor allem Deutschlands nach der Niederlage von 1945 bezieht. Die Schilderungen des Autors gehen ein auf die Jahre der Verfolgung, die Heidelberger Erfahrung der Befreiung durch die Amerikaner und die Bekanntschaft mit Melvin Lasky, die Wiedereröffnung der Universität und die Wiederaufnahme des Kontakts mit Hannah Arendt. Jaspers Reflexionen zur Schuldfrage, sein Wiedersehen mit Georg Lukács sowie die Auseinandersetzungen um die Rolle Goethes, Lessings und Thomas Manns kommen zur Sprache, aus jeweils unterschiedlichen Anlässen, so daß ein Panorama entsteht, innerhalb dessen immer wieder Querverbindungen persönlicher, politischer und gedanklicher Art aufscheinen.Bekannt sind die Auseinandersetzungen um das journalistische Eichmann-Buch Arendts, das von vielen ihrer jüdischen Zeitgenossen abgelehnt wurde. Auch der Jaspers-Schüler Golo Mann schreibt eine polemische Rezension, woraufhin sein Lehrer mit ihm bricht. Aber die Aufzeichnungen von Jaspers im Kontext seines Hannah-Projektes zeigen doch auch deutlich genug, daß er mit Hannah Arendt keineswegs völlig einverstanden war. So zierte er sich gewiß nicht ohne Grund, ihr selbst mit einer positiven Rezension zur Seite zu springen, was er problemlos hätte machen können, da ihm inzwischen die großen Medien zur Verfügung standen, vor allem der Spiegel. Ursprünglich sollte dort übrigens der Historiker Joseph Wulf eine Rezension schreiben, was Arendt wußte, die ihn aber als Teil einer Art jüdischen Verschwörung betrachtete; Wulfs Rezension wurde damals jedoch nicht gedruckt und erschien erst 2020 in der FAZ.Ein weiteres Thema ist letztlich die Schwierigkeit der Vermittlung von Verantwortungs- und Gesinnungsethik bei Jaspers, vor allem nachdem er sein Vorbild Max Weber verloren hatte und nun etwas krampfhaft versuchte, Arendt zu einem solchen zu machen. Interessant ist nun, daß Jaspers, wie Bormuth dezent herausarbeitet, mit Arendt keineswegs eine rückhaltlose Kommunikation betrieb und den Gehalt von Interviews aussparte, in denen er durchaus kritische Bemerkungen zu Eichmann in Jerusalem machte.Bormuths bedächtiger, vielfach informativer und allgemeinverständlicher Essay gibt einen Einblick in die diskursiven und politischen Gemengelagen der Nachkriegszeit. Dabei ist zu denken an den Ost-West-Gegensatz, an die Bewertung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, die Debatte über Verjährungsfristen, über die Haltung der Deutschen zum Hitlerregime, zur Kollektivschuld und zu den innerjüdischen Konfliktlinien im Zusammenhang mit der Stellung Arendts zum Zionismus und zum Staat Israel, die Entwicklung der Demokratie in der Bundesrepublik. Im Epilog des Bandes macht Bormuth die gleichsam popularphilosophische Ausrichtung des späten Jaspers fast hyperbolisch deutlich, wenn er in Anspielung auf Kants philosophisches Programm auch Jaspers eine Revolution der Denkungsart zuschreibt, die ihren Ausdruck ausgerechnet in einer positiven Neubewertung des Spiegel und Rudolf Augsteins fand (S. 125).Wichtig ist schließlich, was das Buch seine besondere Prägung gibt, der Bezug Bormuths nicht nur auf Jaspers und Arendt, die im Titel genannt werden, sondern auch auf Gertrud Jaspers, die man gleichsam den geheimen Faden nennen könnte, der durch das Buch läuft. Denn dieses Buch, das im übrigen dem jüdischen Historiker Ismar Schorsch gewidmet ist, macht deutlich, wie sehr die gemeinsamen Jahre des Denkers Jaspers mit seiner jüdischen Frau für die Positionierungen der Nachkriegszeit entscheidend waren. Denn es waren nicht zuletzt die Erlebnisse der NS-Jahre, in den denen das Damoklesschwert der Deportation über ihr schwebte, weshalb sie über den Umzug in die Schweiz erleichtert war.Das lesenswerte Buch enthält eine Literaturliste (S. 137 - 139), aber kein Register; Zitate werden nicht nachgewiesen, wie es dem Text als Essay entspricht.
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