Dieses Buch hat es in sich! Genauer gesagt, was Udo Wieczorek ab seinem 4. Lebensjahr erlebt hat, hat es in sich. Das Buch, ein Tatsachenbericht, liest sich eher wie ein superspannender Psychoroman mit einer theaterreifen Dramaturgie. Aber schon nach wenigen Zeilen des Buches ahnt man es: Es ist tatsächlich Wahrheit und keine Fiktion. Was er zusammen mit seiner Ehefrau Daniela und Manfred Bomm so beharrlich gesucht und gefunden hat, legt allen und auch dem Leser nahe, dass Udo schon einmal gelebt hat, damals als Soldat Vinzenz.Aufgrund der Bedeutung des Inhaltes für unser aller Weltverständnis hatte ich mir vorgenommen, erst dann eine Rezension zu schreiben, wenn ich mir von den Autoren einen persönlichen Eindruck verschaffen konnte. Dies hat sich dann auch Anfang 2016 ergeben, als diese ihr Buch in Stuttgart vorstellten. Der schon bei der Lektüre entstandene Eindruck der vollkommenen Lauterkeit beider Autoren sah ich bestätigt einschließlich dem von Ehefrau Daniela, mit der wir glücklicherweise ins Gespräch kamen, weil wir "zufällig" neben ihr Platz genommen hatten.Als Vierjähriger begannen bei Udo Wieczorek erschreckende Alpträume, zunächst gelegentlich, dann jede Nacht. Es ging um Krieg und Berge und die Bilder wiederholten sich immer wieder, oft rasend schnell. Die Träume hörten so plötzlich wieder auf, wie sie aufgetreten waren. Vierzehn Jahre später setzten sie wieder ein, diesmal mit anderen Bildern und wiederum mit einer solchen Intensität, dass Realität und Traum nicht mehr unterscheidbar schienen. Es ging wieder um Berge, aber diesmal um eine Seilschaft, einen Adler der sein Nest verteidigte, eine feierlich besiegelte Freundschaft an einer markanten Stelle mit einem Drillingsbaum, ein Mädchen mit Zöpfen namens Marie, eine ins Holz geschnitzte Rose, eine zerbrochene Freundschaft und immer wieder um den Namen Josele. Am Ende eines jeden Traumes erschien das Gesicht eines jungen Mannes, unbekannt und doch seltsam vertraut.Fast 4 Jahre vergehen ohne weitere Träume. In einer Nahtoderfahrung holt ihn dann alles wieder ein. Nach einem Blinddarmdurchbruch muss er lange auf die Notoperation warten. Er fällt ins Koma, Frieden und Geborgenheit umfängt ihn. Um ihn herum ist nur noch Glück und Seligkeit. Ein weißer Punkt zieht ihn magisch an, der sich auch nach ihm ausstreckt. Ein Lichtarm erreicht ihn und bildet einen strahlenden Tunnel. Das Licht verebbt, stattdessen tauchen die Bilder des grausamen Krieges wieder auf. Er wird getroffen. Er möchte aus der Situation fliehen. Das bringt ihn zurück in den strahlenden Tunnel und auf den Weg zu diesem wunderbaren Licht. Eine Silhouette löst sich dort heraus. Es ist der junge Mann, dessen Gesicht er bisher am Ende jeden Traumes gesehen hatte. Er mahnt ihn - er hätte noch eine Aufgabe zu erledigen - im Diesseits. Udo kehrt um und landet wieder in seinem irdischen Körper.Udo Wieczorek, inzwischen verheiratet mit Daniela geht auf Spurensuche, zunächst in Büchereien und im Internet. In Südtirol tobte im ersten Weltkrieg ein solch fürchterlicher Gebirgskrieg wie er in seinen Träumen vorkommt. Dreimal fuhr er mit seiner Frau dorthin auf der Suche nach bekannten Bildern. In Wolkenstein, ihrer ersten Station blieb alles stumm in ihm. Aber dann im Hochpustertal, unweit der Drei Zinnen fand er alte Pfade, kannte Häuser und konnte auf historischen Fotos die Namen von längst verstorbenen Menschen benennen. Mühelos verstand er den einheimischen Dialekt und immer wieder kommen ihm Worte und Namen in den Sinn, die nur Südtiroler kennen, dabei war er noch nie dort gewesen.Als ihn während eines weiteren Urlaubs in dem Gebirgsdorf Sexten ein neuerlicher Alptraum befiel, skizzierte er nach dem Erwachen eine markante Stelle in einem alten Schützengraben aus dem Ersten Weltkrieg. Und weil er sich die Perspektive auf die umgebende Berglandschaft eingeprägt hatte, gelang es ihm, zusammen mit seiner Ehefrau, diese Stelle ausfindig zu machen – auf dem nahen Berg Seikofel, auf dem im Sommer 1915 die Front zwischen Österreich-Ungarn einerseits und Italien andererseits heftig umkämpft war. Was er dort in jenem völlig überwucherten, kaum noch begehbaren Schützengraben hinter einer vermoosten und mit Flechten überwucherten Natursteinmauer nach Abtragen der Steine zutage förderte, ist schier unfasslich.Sie finden ein handschriftliches Dokument, das in einer verrosteten Blechdose steckte, die wiederum in einen fast vermoderten Feldpostsack gewickelt war.Ein Soldat, der mit „Vinz“ unterschrieb, hat nach schwerer Verwundung an zwei Tagen (13. und 14. August 1915) in der damals üblichen Kurrentschrift unter anderem festgehalten: „Seit Tagen prasselt furchtbares feindliches Feuer auf unsere Reihen. Verluste belaufen sich auf viele treue Kameraden. Wenn das so weitergeht, sind wir alle bald nicht mehr unter den Lebenden.“ Er schreibt von einer „Schandtat“, die sich an der nahen Rotwand zugetragen habe und die er offenbar nicht überwinden konnte.In den Alpträumen Udo Wieczoreks kam sie vor, diese Schandtat: Den Tod seines einstigen Jugendfreundes Josef, der auf der gegnerischen italienischen Seite hatte kämpfen müssen, dann aber als „Überläufer“ die Fronten wechseln wollte und dabei versehentlich ausgerechnet von Vinz erschossen wurde.Der später selber mit einem Lungenschuss im Sterben liegende Vinz hatte seinen Aufzeichnungen zufolge eine Vision, dass „jemand nach meinem Tod an dieser Stelle … vielleicht 1995, 1997 oder 1998 im August oder September seine Geschichte“ erfahren werde. Mysteriös: Genau dies sollten die Monate und Jahre sein, in denen die Wieczoreks erfolgreich auf Spurensuche gingen.Weiter schrieb Vinz, vermutlich an den Finder seiner Botschaft gerichtet: „Doch sollte jener Mann einmal an dieser Stelle stehen und diese Zeilen noch entziffern können, so besinne er sich danach, dass dieser Gang, den ich nicht mehr tun kann, auch für ihn der Friede sein wird. So gehe er hernach, gewiss weiß er schon wohin, und gebe dem armen, einst so geliebten Josef den letzten Frieden.“Und auch diese Ahnung des sterbenden Soldaten Vinz sollte sich erfüllen. Udo und Daniela finden die markante Stelle mit den Stümpfen des inzwischen abgesägten Drillingsbaumes, dort wo Josele und Vinz vor fast 90 Jahren ihre Freundschaft besiegelt hatten. Im Totholz einer Wurzelhöhle steckt eine metallene Schatulle, darin liegt eine eilig verfasste Botschaft von Josele an Vinz: "Was waren wir für dumme Burschen. Nicht der Geist riss unsere Freundschaft entzwei, sondern der Krieg. Es sei dir verziehen mein Freund. Werde glücklich mit ihr."Der letzte Satz lässt ahnen, dass die zerbrochene Freundschaft wegen des Mädchens Marie ausgelöst wurde und die Beiden durch den Krieg getrennt wurden.Ab dem Tag dieses Fundes mit der verzeihenden Botschaft von Josele waren alle Alpträume bei Udo Wieczorek verschwunden. Er hatte tatsächlich seinen Frieden wieder gefunden, so wie es Vinzenz prophezeit hatte.An dieser Stelle könnte die Geschichte von Udo Wieczorek enden. Niemand außer seinen Angehörigen hätte aber davon erfahren, dass es Menschen wie Udo gibt, deren Trauma so penetrant bis in das nächste Leben reicht, ja dass es überhaupt die Wiedergeburt gibt - dieses Wissen das uns im Westen lange verloren gegangen ist. Ähnlich wäre es vermutlich ausgegangen, wenn sich Udo vorzeitig einer psychologischen Behandlung wegen seiner Alpträume unterzogen hätte. Das vermutlich einmalig Spektakuläre an dem Fall ist, dass er zwei versteckte Schriftstücke findet, einmal sein eigenes Tagebuch aus dem letzten Leben und das andere ein an ihn gerichtetes Schriftstück, das seinen Zweck im letzten Leben nicht mehr erfüllen konnte.Udo Wieczorek hat seine Geschichte schreibend, in einem, als Roman deklarierten Buch, verarbeitet, aber man hätte es dann eben nur als spannenden Psychoroman gelesen. Der Journalist Manfred Bomm ahnte aber, dass hinter dem Roman eine wahre Geschichte steht und überzeugte Udo Wieczorek noch mal nach Südtirol zu fahren, diesmal um einen historischen Bezug zu finden - einen Beweis für die Existenz von Vinzenz.Große Verdienste für das Auffinden des historischen Vinzenz hat Rudolf Holzer, der Ortschronist von Sexten und Bruder Siegfried Volgger, ein Franziskanermönch vom Kloster Bozen. Die Spur führte in das kleine Bergdorf Centa San Nicolò, südöstlich von Trient. Vinsenzo Luici Rossi war der vollständige, italienisch geschriebene Name. Ein Besuch des Dorfes lässt in Udo eine Vielzahl von Bildern und Namen aufblitzen. Er skizziert alles, was sein inneres Auge ihm zeigt. Einen seltsamen Turm, ein Bildstock, ein Opferstock, eine Kirche, einen Tunnel und immer wieder den Namen Hinterloch. Die Suche nach heutigen Spuren seiner inneren Bilder bringt Eindeutiges zutage: Eine alte Photographie zeigt jenen eigenartigen Turm. Er wurde 1915 von den Österreichern vor den heranrückenden Italienern gesprengt. Der Bildstock, der Opferstock, der Tunneleingang einer inzwischen aufgelassenen Strasse, alles war noch da. Nur der Name Hinterloch blieb lange ein Rätsel, bis sie auf einer Wandertafel bei Centa als einziges deutsches Wort das "Hinterloch" entdeckten, was vermutlich mal eine heute nicht mehr auszumachende kleine Höhle bezeichnet hat. Udo Wieczoreks heutige Vorliebe für das Klettern und die Höhlenforschung hat wohl hier seinen Ursprung gehabt.Eine Ehrentafel im Ort zeigt alle Gefallenen der Weltkriege mit Namen und Bildern. Das Bild von Vinsenzo Luigi Rossi war jenes Gesicht, das Udo Wieczorek immer am Ende eines jeden Traumes gesehen hatte - sein Spiegelbild aus einer anderen Zeit.Dann kam es zum Höhepunkt der Erkundung seines früheren Lebens. Bruder Siegfried hatte die Nachkommen der Familie von Vinzenz ausfindig gemacht. Entgegen aller Befürchtungen wurden sie herzlich empfangen und der Grund ihres Besuches sofort akzeptiert. Äußerlich hatte er das Haus nicht mehr erkannt, aber im Innern wusste er um eine nicht vollendete Sonnenuhr an einer Garagenwand, die früher mal die Außenwand war. Ein Großneffe zog ein Bild mit Vinzenz hervor. Udo kamen spontan einige Namen der anderen Abgebildeten in den Sinn und dass es der Tag war bevor sie eingezogen wurden. An der Ehrentafel der Gefallenen konnte man die Richtigkeit seiner Erinnerung verifizieren.Meines Wissens gibt es keinen zweiten Fall in der Literatur, der eine Rückerinnerung an ein früheres Leben mit so zahlreichen verifizierten Elementen enthält. Absolut einmalig dürfte das Auffinden zweier versteckter Schriftstücke aus dem früheren Leben sein. Es gibt durchaus andere sehr eindrucksvolle Erinnerungen von Kindern an ihre frühere Leben, wie der Fall James Leininger: [...] . Der Psychiater Jan Stevenson und sein Nachfolger Jim Tucker haben tausende Fälle gesammelt. Auch der kleine James hatte als erstes Alpträume mit spontanen Erinnerungen an sein früheres Leben, die dann aber im Schulalter verblassten. Der Unterschied zu allen anderen Fällen ist, dass sich bei Udo Wieczorek die Alpträume nach der Pubertät wieder neu einstellten und er ihnen selber beharrlich bis zu ihrer Auflösung nachgegangen ist.In dieser Rezension deute ich die Erfahrungen von Udo Wieczorek ganz selbstverständlich als Reinkarnation. Im Buch werden in der Schlussbetrachtung auch andere Interpretationen erörtert. Den Autoren und jedem Leser wird klar sein, dass die Erfahrungen von Udo Wieczorek nicht zwingend als Reinkarnation interpretiert werden muss. Das Buch will einfach nur die Erfahrung von Udo Wieczorek beschreiben. Die Interpretation kann nur jeder Leser für sich selbst finden. Für die Autoren, das kann ich sicher sagen, ist die Vorstellung am plausibelsten, dass Vinzenz Rossi als Udo Wieczorek wiedergeboren wurde.