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Rotes Bayern - Es lebe der Freistaat: Die Münchner Revolution 1918 und die Räterepubliken 1919. Ein Hörspiel von Hans Well und Sabeeka Gangjee-Well. Mit Musik und Liedern von den Wellbappn
Die Geschichte der bayrischen Revolution von 1918 in München ist nicht unbedingt vielen bekannt. Mit diesem Hörspiel wurde das nun geändert. Die historischen Entwicklungen werden in der Jetztzeit beginnend im Haus der bayrischen Geschichte erzählt und somit wird über das damalige Ereignis nichts mehr verschwiegen. Man reist dann direkt mit in die betreffenden Jahre und darf lebhaft teilhaben, wie man sich damals zum Aufstand gegen den bayrischen König Ludwig III. formierte. Untermalt wird dies durch musikalische Zwischenspiele der Wellbappn.Manchmal ist es doch spannend, wie man etwas über längst vergangene Zeiten erfährt. Durch Zufall bin ich zu diesem Hörbuch bzw. vielmehr Hörspiel gekommen und muss sagen, dass es ein wirklich interessantes Zuhören war. Über die Revolution in Bayern im Jahr 1918 bzw. die Räterepubliken 1919 war mir auch aus Schulzeiten nichts wirklich mehr großartig in Erinnerung. (Wenn es überhaupt in Geschichte Thema war…) Auch hatte ich von Kurt Eisner, ein unabhängiger Sozialdemokrat, noch nichts gehört. Insofern für mich ein spannender geschichtlicher Einblick.Das Hörspiel ist wirklich toll gemacht, denn man startet mit Gisela Schneeberger als „Museumsführerin“ im Haus der bayrischen Geschichte, wo sie verschiedene Einblicke gibt. Diese werden dann in der damaligen Zeit erzählt, sehr lebhaft, mit einem anderen Erzähler und den verschiedenen Personen der früheren Zeit. Ebenso immer wieder toll mit Geräuschen und natürlich Musik untermalt. Vielleicht ist es von Vorteil, wenn man aus Bayern kommt und somit die Wellbappn schon kennt bzw. des bayrischen Dialektverstehens mächtig ist. Das mag für „Zugereiste“ schwieriger sein. Gisela Schneeberger aber ist beispielsweise meiner Meinung nach wirklich gut zu verstehen, ich mag die Art und Weise wie sie spricht, einfach gerne.So erfährt man sehr lebhaft über die Ereignisse rund um die Jahre 1918 und 1919, ist quasi mitten drin dabei. Manchmal sind die Schilderungen auch ein wenig verwirrend, weil man beim Hörspiel die Personen und Geschehnisse vielleicht nicht gleich so gut zuordnen kann, hier habe ich mir gelegentlich auch ein wenig schwergetan. Dennoch war es alles in allem ein sehr spannendes, interessantes, durchaus anspruchsvolles aber auch mal lustiges Hörspiel – mit toller musikalischer Begleitung. Wer an der bayrischen Geschichte interessiert ist, dem kann ich dieses Hörbuch wirklich empfehlen, ich vergebe hier 4 von 5 Sternen.Zur Erläuterung:Bei der Revolution 1918 wurde der bayrische König Ludwig III. in München von einer Schar Linksoppositioneller um Kurt Eisner gestürzt. Ziel war es, dass der Krieg sofort beendet und der Staat in eine parlamentarische Demokratie umgewandelt werden sollte.
Der erste Weltkrieg hat Deutschland auch wirtschaftlich ruiniert, die Bevölkerung ist der alten Staatsordnung müde. Dass dabei gerade im konservativen Bayern eine Revolution angezettelt wird, die unblutig zur Demokratie führt, ist kaum bekannt, und doch hat Kurt Eisner genau dies geschafft und mit Hilfe seiner Unterstützer den Freistaat modernisiert...Geschichte wird immer noch oft als trockenes und langweiliges Auswendiglernen von Daten verstanden, da dies oft genug in der Schule so gelehrt wird. Dass das aber auch anders geht, zeigt das Hörspiel „Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat“, einer Produktion des Hörverlags aus dem Jahr 2018. Denn hier wird Geschichte lebendig, man folgt einigen Charakteren auf ihrem Weg zur Demokratie, lernt die Zusammenhänge kennen und bekommt den Weg aufgezeichnet, der seine Auswirkungen bis in die heutige Zeit hat. Die Erzählweise ist dabei sehr gelungen, die einzelnen Teile fügen sich stimmig zusammen und ergeben mit der Zeit ein immer vollständigeres Bild der Zeit bekommt, gut nachvollziehbar und lebendig. Schön ist, dass das in eine Rahmenhandlung eingebunden ist und dennoch kleinere Episoden als Nebenschauplätze ihren Platz gefunden haben, was lebendig und dynamisch wirkt. Aber natürlich gibt es hier auch nicht den Aufbau eines gewöhnlichen Hörspiels, dazu ist die Produktion zu realitätsbezogen, sodass es eben auch einige Längen gibt, in denen die Handlung ins Stocken kommt. Es lohnt sich dann aber durchzuhalten und dennoch alles in sich aufzunehmen, denn in der Gesamtbetrachtung ist ein sehr hörenswertes und gleichzeitig lehrreiches Stück entstanden, das mit Anspruch und historischen Momenten überzeugt.Johanna Bittenbender ist in kommerziellen Hörspielen bisher nicht in Erscheinung getreten, sorgt in dieser Produktion aber für eine sehr dichte Atmosphäre und überzeugt mit ihrer kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme. Auch Gisela Schneeberger macht ihre Sache sehr gut, sie taucht tief in die Atmosphäre der damaligen Zeit ein und punktet mit glaubhafter und eingängiger Sprechweise. Heinz-Josef Braun trifft ebenso in jeder Szene den richtigen Ton und bereichert die Sprecherriege mit seinem prägnanten Klang. Weitere Sprecher sind Bernhard Butz und Grd Heidenreich.Akustisch ist eine sehr passende Atmosphäre geschaffen worden, die die Dialoge in den Mittelpunkt stellt, aber auch authentische Musik einfließen lässt – klassische bayrische Volksmusik, mit Schwung gespielt von den „Wellbappn“, die immer sehr gut die jeweilige Stimmung getroffen haben. Es sind auch O-Töne mit eingeflossen, die sich natürlich vom Rest unterschieden, aber für noch mehr Authentizität verleihen.Der Hörverlag hat der Eigenproduktion eine sehr ansehnliche Verpackung spendiert und ein mehrfach aufklappbares Digipack entworfen, das mit seinem schwarz-weißen Cover mit einigen roten Absetzungen gut gestaltet ist. Im Inneren gibt es neben den beiden CDs, Zitaten und Quellenangaben noch ein eingeklebtes Booklet mit einer Einführung in das Thema, Informationen zu Zeitzeugen, den Mitwirkenden und einem sehr informativen Zeitstrahl zur Orientierung.Fazit: „ Rotes Bayern – Es lebe der Freistaat!“ ist eine sehr hörenswerte Art, sich sowohl dem Medium Hörspiel als auch der Historie auf eine ganz neue Art zu nähern – lebendig, authentisch und sehr gekonnt erzählt. Viele Zitate untermauern die Handlung, die zwar einige Längen hat, insgesamt aber unterhaltsam geraten ist.
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Letzte Aktualisierung: 22.10.2026 18:21 Uhr.