Dieses Buch ist mal wieder ein Beweis dafür, wie ungerecht Bestsellerlisten mitunter bestückt sind, denn es ist eindeutig besser als vieles, was zigfach verkauft wird. Grund genug, nun endlich auch mal eine Rezension zu schreiben, damit auch andere Bücher wahrgenommen werden als nur die, die sich bereits erfolgreich weit oben in den Verkaufscharts platzieren konnten.Ich selbst bin ebenfalls nur durch Zufall über dieses Buch gestolpert und sehr froh, dass ich mich zum Kauf entschlossen habe, denn es ist spannend, unterhaltsam, gruselig, traurig, witzig und ein bisschen sexy. Übertrieben? Nein, keineswegs, auch wenn ich selbst auch überrscht war, endlich mal wieder so ein ein abwechslungsreiches Buch zu lesen. Dass es dem Autor gelingt, eine solche Bandbreite von Eindrücken und Emotionen glaubwürdig beim Leser zu erzeugen, ist schon eine Kunst. Dabei dann an keiner Stelle lächerlich oder aufgesetzt zu wirken, zeugt von echtem Schreibtalent.Besonders die detailliert und liebevoll gestalteten Figuren haben mir sehr gefallen, deren Zusammenspiel oft witzig, aber auch hochgradig emotional ist, ohne jedoch jemals unrealistisch oder übertrieben zu sein, und deren Gestaltung und Konstellationen ausreichend Tiefe und genug Raum bieten für viele weitere Staller-Romane, die hoffentlich bald folgen mögen.Bemerkenswert auch die bidlhafte Sprache, die das Geschehen wie einen Film im Kopf des Leser ablaufen lässt, der völlig in den Bann gezogen wird von einer Geschichte, die endlich mal Neues bietet im gewohnten Krimi-Allerlei. Es wird nie langweilig, obwohl der Autor nicht an der Beschreibung von Details spart, was dazu führt, dass man beim Lesen oft den Eindruck hat, selbst anwesend zu sein und alles tatsächlich mitzuerleben. Die spannende Handlung, die unterhaltsamen Dialoge und das feine Gespür des Autors für die passende Stimmung ziehen einen sogar so in den Bann, dass ich das Buch nur aus der Hand gelegt habe, weil ich bereits wieder aufstehen musste. Das passiert mir nur bei Büchern, die so gut geschrieben sind, dass ich die Zeit tatsächlich komplett vergesse.Aber nicht nur das Schreibtalent überzeugt, sondern auch die offensichtlich vorhandenen Insider-Kenntnisse des Autors, was den Fernsehbetrieb und den Beruf des Journalisten angeht. Wer also einmal einen Blick hinter die Kulissen einer Fernsehsendung, egal ob in Hinsicht auf Entstehung, Aufbereitung der Themen, Kameraführung, Interviewgestaltung oder Tontechnik werfen möchte, der ist hier gut bedient. Auch die geschilderte Pressekonferenz der Polizei lässt ahnen, dass der Autor einer solchen sicher häufiger beigewohnt hat, genau wie auch so manche der härteren Szenen, bei denen man sich fragt, ob man sich sowas wirklich ausdenken kann oder nur schreiben kann, wenn man es erlebt hat.Ein weiteres Merkmal des Schreibstils ist die feine Ironie, ganz besonders die kleinen Insider, die man in Richtung manch namhafter Persönlichkeiten und Redaktionen lesen darf, gestalten das Ganze amüsant, denn hier wird so mancher kleiner Tritt verteilt, was mich grinsen ließ.Der Autor scheint mit der Sprache also förmlich zu spielen und dieses Spiel beherrscht er, was sich zeigt, wenn Staller und Bombach sich gegenseitig auf den Arm nehmen, wenn Beziehungen ausgelotet werden, wenn Erlebtes den Raum füllt, ohne direkt ausgesprochen zu werden und besonders auch dann, wenn Sprachlosigkeit mit Worten beschrieben wird, ohne zerredet zu werden.Ein Buch, das auch ein Film sein könnte, und vielleicht ja sogar mal einer wird. Es würde mich nicht wundern.