Jeder, der in der deutschen Humorszene einen Namen hat, kennt Ricarda Willimann. Nahezu alle verdanken ihr die eigene Karriere, sie hat mit revolutionär neuen Formaten Fernsehgeschichte geschrieben und als Gag-Produzentin, Comictexterin und Muse international Erfolge gefeiert. Die Welt der Comedy lag ihr zu Füßen, in Deutschland ebenso wie in den USA. Eine Urgewalt, deren Einfluss auf den Lauf der Humorgeschichte man niemals unterschätzen kann: Georg Kreissler verdankte ihr die Texte seiner besten Lieder, Loriot hätte ohne sie weder Dr. Klöbner noch Herrn Müller-Lüdenscheidt kennengelernt, sie hat David Letterman zum Nummer-1-Talker in den USA gemacht und Harald Schmidt seine eigene Show verschafft, sie hat Fix und Foxi ihren Stempel aufgedrückt sowie dem TITANIC-Magazin, Wigald Boning und Till Mette den entscheidenden Karrierekick gegeben. Till wer? Egal... Sie war Kleptomanin, examinierte Vollalkoholikerin, ihr Vermögensstatus war zeitlebens ungeklärt und ihr Riesenego reichte aus, einen Konzertsaal zu füllen.Warum zur Hölle hat die Öffentlichkeit von diesem Naturereignis nie etwas gehört? Die unglaubliche Geschichte wurde erst jetzt, mehr als 10 Jahre nach Ricarda Willimanns plötzlichem Verschwinden ans Tageslicht gebracht, zufällig entdeckt in einem nachlässig abgestellten Umzugskarton im Marburger Literaturarchiv. Darin verstaut der komplette Vorlass Ricarda Willimanns, eine humorhistorische Goldmine von epochalem Ausmaß, nur vergleichbar mit der ersten Mondlandung, der Entdeckung von Tutanchamuns Grab oder der des Universalheilmittels gegen Krebs. Kaum war der Name Willimann in aller Munde, meldeten sich all jene zu Wort, die sie kannten oder zu kennen glaubten: Elias Hauck (von Hauck & Bauer), Dominik Bauer (von Bauck & Hauer), Wigald Boning (von Wildeshausen), Till Mette (von Till Mette), Joachim Gauck (von wegen) und rund zwei Dutzend weitere Willimann-Gewächse haben Gedanken, Erlebnisse und Begegnungen zu Papier gebracht, Originaldokumente, historische Tagebucheintragungen und Speisekarten gesichtet und in Erinnerungen geschwelgt.Was für eine illustre Ausbeute, aber auch ein sehr ungewöhnliches Projekt für die Andere Bibliothek, die sich in der Regel um Autoren bemüht, bei denen man am Sargdeckel anklopfen muss. Ricarda Willimann, die Forrest Gump der Comedy, lebt. Wo, weiß keiner, sicher ist nur: Das alles ist bestimmt wieder ein riesengroßer Scherz.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
Der heilige Clemens (1048-1118) ist wohl der erste in diesem Kreis. Das Besondere an diesem Teilnehmer des 1. Kreuzzuges, der in der Mitte des Weges kehrt machte und nach Deutschland zurücklief: Es gibt keine schriftlichen Quellen. Alles was wir über den Heiligen und seine Sinnsprüche ("Bessser ein falsches Wort am rechten Platz als ein rechtes Wort am falschen Platz") wissen, ist im Wege der oral history durch die Jahrhunderte zu uns getragen worden. In Lauterbach beendete er seine Rückkehr, weil Schuhe und Strümpfe durchgelaufen waren ("Bei Lauterbach hab ich mein Strumpf verloren"). Er lebte fortan unter einem Nussbaum ("Viel Nuss viel Weh" ein Herbstspruch, wenn die Früchte des Baumes auf ihn prallten), wo er die Vision von der Madonna mit der blutigen Träne hatte. Ach es liess sich noch viel mehr von ihm berichten, doch er steht nicht allein:Im Bereich der Politik der Abgeordnete und Hinterbänkler Jakob Maria Mierscheid und im Bereich der Literatur: Der unvergessene Arnold Hau - nicht nur ein Bruder im Geiste von Ricarda Willigmann, sondern ich wage die Behauptung: Ihr Zwillingsbruder: Man vergleiche nur die Fotografie Arnold Haus, die den Künstler als begnadeten Falschspieler darstellt mit dem Abgang Ricarda nach dem Interview im Waldorf Astoria.Vier Sterne aus zwei Gründen: Vor mir hat ein vom Verlag bezahlter Lobhudler dem Buch bereits fünf Sterne gegeben. Ich muss mich aufmerksamkeitsheischend absetzen. Und da auch die "goldene Pointe" angeblich verschollen ist und deshalb nicht veröffentlicht werden kann, kann es nicht die volle Punktzahl geben.