Als jemand, der ständig auf der Suche ist, WAS und WIE etwas in Paartherapie wirkt, ist es für mich in hohem Maße faszinierend, wie Jochen Peichl sich eine ähnlichen Frage stellt, aber nicht allein auf Paartherapie sondern überhaupt auf das, was in Therapie passiert. Wichtig ist natürlich die therapeutische Beziehung, aber ist sie allein das Wirksame? Nein, empathisches Zuhören reicht nicht. Die zentrale Aussage, die er in diesem Buch nachgeht und die auch an anderen Stellen, wie etwa bei Grawe (1998, 2004) auftaucht ist die Tatsache, die Grawe so auf den Punkt bringt: Wir können Altes nicht wegmachen, wir müssen Neues hinmachen. Ob wirklich Altes weggemacht werden kann, also Stressoren gelöscht werden, ist noch in der Diskussion. Aber letztlich irrelevant, weil sich eine bessere Lösung immer durchsetzen wird.Ist ein Mensch in einer traumatischen Hochstress-Situation ausgesetzt kommt es in einer Notfallreaktion zu einem Verlust der integrativen Funktionen des Gehirns. Es bildet sich eine innere Distanz zum Traumageschehen und wird zu einer eigenen emotionalen Reaktion. Hier handelt es sich zunächst um eine hilfreiche und schützende Reaktion des Körpers. Gleichzeitig ist dies immer auch ein Risikofaktor für eine spätere Traumafolgestörung. Peichl zeigt, wie es mit Hilfe der dualen Aufmerksamkeit im EMDR möglich wird, aus dem Trauma-Netzwerk der Vergangenheit auszusteigen und in das Gegenwartsnetzwerk einzusteigen. Dabei wird der Therapeut zum achtsamen wohlwollenden Begleiter der versucht, für den Klienten die Balance zwischen Problemaktualisierung und der korrigierenden neuen Erfahrung zu halten. Dieser, der Therapeut, wird bei der Aktualisierung genau das, was in der Vergangenheit gefehlt hat, nämlich eine sichere Position außerhalb des Traumas.All diejenigen, die an dem spannenden Thema der Wirksamkeit therapeutischer Prozesse und deren Weiterentwicklung interessiert sind, werden nach der Lektüre sehr bereichert sein und sich weiter auf die Suche machen, die immer noch nicht abgeschlossen ist und vermutlich auch nicht sein wird.Grawe K. (1998). Psychologische Therapie. Göttingen: Hogrefe.Grawe K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.Dr. Rudolf Sanders