„Pu - es war einmal ein Bär“, wie alles begann, von Jane Riordan ist eine Neuinterpretation der legendären Geschichte des kleinen Jungen Christopher Robin und seines Bären Pu. Jane Riordan, Autorin aus London, erschuf, inspiriert von A.A. Milne, ihre eigene Welt, rund um die Freunde des Jungen. In dieser Geschichten, verteilt auf zehn Kapitel, entdecken Pu und die bekannten Freunde Ferkel, Eule, Tigger und I-Ah die Welt von Christopher Robin. Die Illustrationen von Mark Burgess im Stil von E.H.Shepard begleiten das beschriebene Geschehen und die Abenteuer der Protagonisten.Ich, als großer Fan der Geschichten von Pu, dem Bären und seinem Freund Christopher Robin, wurde von der Neuinterpretation positiv überrascht. Riordan spielt auf der Textebene mit viel Ironie, sehr viel Witz und Charme. Pu, der Bär, bekommt nahezu die gleichen Charakterzüge zugeschrieben, wie in den Erzählungen davor. Er ist verträumt, immer hungrig und unwissend philosophisch. Das bewirkt, dass die Freude am Lesen nicht abklang und ich mir vorstellen kann, dass das Vorlesen, sowie auch das Zuhören eine Menge Spaß machen können.In den ersten Kapiteln finden die bekannten Freunde einander und erleben eine Menge Abenteuer und entdecken zusammen mit den Leser*innen und Zuhörer*innen ihre Umwelt. Immer wieder verdreht Pu die ihm gerade erklärten Worte. Aus „Elefanten und Flusspferden“ werden „Ele-Pferde und Fluss-fanten“. Dies und vieles sorgen für eine Menge Lacher. Auch Pus Fragen sind immer wieder amüsant. „Was ist denn an einem Zoologischen Garten so logisch?“. Doch nicht nur Christopher Robin und Pu verlieren sich in ihrer Fantasie. Auch Pu und seine Plüschkollegen entdecken die spannende Welt und erleben die schönsten Abenteuer, wobei die Trennung zwischen Realität und Vorstellungen verschwimmt. Das ist jedoch völlig unwichtig. Auch lassen die Tiere durchblicken, dass sie sich in einer Geschichte befinden und durchbrechen somit quasi die vierte Wand. Sie erklären, dass die Geschichte erst zur Geschichte wird, wenn etwas passiert oder auch geschieht, was wiederum zur Geschichte gemacht werden kann. Diese metafiktionalen Elemente sind sehr interessant und es dürfte noch interessanter sein, welche Blicke und welche Reaktionen Kinder auf dieses Gedankenspiel haben. Am Ende ist die Neuinterpretation der Geschichten von Pu dem Bären eine Erzählung über den tiefen Verbund der Freundschaft, welche eine immense Kraft hervorbringen kann. Die Älteren werden von der Nostalgie und Sehnsucht zur eigenen Kindheit gepackt und die Jüngeren können sich in der Magie der Kreativität verlieren.Illustrationen gibt es auf jeder Seite, die Kreativität offenbart sich eher auf der Textebene. Demnach bilden die Illustrationen lediglich das Geschehen ab. Kennzeichnend für dieses schöne Buch, endet es mit den Worten „und hier endet das BEVOR, das, wie ihr sicher ahnt, der Beginn eines ebenso wunderbaren DANACH ist.“ Ich kann eine große Empfehlung für Groß und Klein aussprechen!Weitere Rezensionen auf ajum.de