Eins vorweg: Das Buch von Michael Landmann ist niederschmetternd in seiner frühen Erkenntnis und treffenden Analyse einer politischen Linken, die sich erfolgreich grundlegender emanzipatorischer Inhalte entledigt hat.Die neue Linke ist erheblich näher dran am Antisemitismus, als man sich das bis dato vorstellen konnte. Dass an der ersten Selektion von Juden und Nichtjuden nach dem Ende des Faschismus sogenannte Linke aus der linksextremen Gruppe „Revolutionäre Zellen“ beteiligt waren, hat man damals (1976) nur mit einem schwächlichen Schulterzucken und verhaltenem Kopfschütteln beantwortet. Dabei war dies ein mehr als deutliches Zeichen ihres sich schnell wandelnden Selbstverständnisses."Israelkritik“ ist heute bei fast allen Linken und Grün-Alternativen – aber auch in der breiten Mitte – eine Selbstverständlichkeit. Fast niemand macht sich die Mühe, unvoreingenommen die historische Entwicklung nachzuverfolgen, die zur heutigen Situation geführt hat. Eine kritische Sicht auf arabische Palästinenser ist faktisch nicht vorhanden. Deren eliminatorischer Antisemitismus wird negiert in einer Mischung aus Bequemlichkeit, verkitschter Vorstellung und dem Verlangen nach einer „revolutionären“ Bewegung, die eigene, simple Projektionen bedient. Deren behauptete Opferrolle wird in keiner Weise infrage gestellt, zugleich wird damit die Zukunft der nächsten heranwachsenden Generation dieser Zielgruppe auf immer dieselbe Rolle festgeschweißt. Die deutsche und internationale Linke macht mit, und fixiert dies mit einer als infantil zu bezeichnenden „Solidarität“.Landmann hat das alles gespürt und dagegen angeschrieben. Er konnte einfach nicht glauben, dass seine Genossen in ihrer großen Mehrheit dermaßen vom Wahn der Irrationalität besessen waren. So plump kann die Welt doch nicht sein, es muss doch für plausible Argumente zugänglich sein! Sind denn alle verrückt geworden? Ja, so unglaublich es klingt, manche Dinge sind simpel, dass es weh tut. Einer der Gründe, warum viele Juden zu Beginn des III. Reiches scheinbar wie gelähmt waren, taucht hier wieder auf. Dass Logik, Menschlichkeit und Freundschaft plötzlich ohne jeglichen Wert sind, war etwas, was einfach nicht real sein konnte. Die meisten glaubten, den massiv zunehmenden Drangsalierungen durch bisher bewährtes „Aushalten“ begegnen zu können. Es war einfach nicht vorstellbar, dass sich Nachbarn, Bekannte und Freunde abwenden, diese sich plötzlich als Psychopathen entpuppen könnten.Der Antisemitismus von heute versteckt sich unter dem Deckmäntelchen „Israelkritik“ und die Ausgrenzung gilt an der Oberfläche nicht den „Juden“ sondern den Zionisten und vor allem der Verwirklichung ihres Zieles: Israel. Diesen Projektionen und Übertragungen gilt es nicht nur zu widerstehen sondern diese sind so lange scharf zu kritisieren bis nicht mehr das Existenzrecht dieses Staates infrage gestellt wird und eine Kritik [oder Nörgelei] an Israel sich in nichts mehr unterscheidet von einer solchen an einem x-beliebigen anderen demokratischen Staat.