Auf 5 CDs liest hier Peter Simonisckek 6 Meistererzählungen von Joseph Roth. Er hat einen ganz leichten österreichischen Akzent, der für die Geschichten eines österreichischen Autoren genau richtig ist. Ruhig und bedächtigt liest er und versetzt den Hörer vom ersten Augenblick an in die Zeit, als die KuK-Monarchie zusammenbrach. Wie gern möchte man ihm noch weiter zuhören, wie schnell sind die Geschichten um. Dabei haben sie in sich kein Tempo, das das provozieren würde. Joseph Roth hat sich Zeit genommen in seinen Darstellungen der Zeit, der Landschaft, der Ereignisse, der Charaktere und ihres Außen- und Innenlebens. Die Sprache ist herausragend, die Beschreibungen suchen ihresgleichen.Die Auswahl an Meistererzählungen umfasst "Barbara", die Geschichte einer Mutterliebe, "April", fast die schönste Geschichte, "Erbeeren", "Stationschef Fallmerayer", über einen Mann, der um einer Frau willen aus seinem festen Alltag ausbricht, großartig, "Triumph der Schönheit", in der eine Frau einen Mann zerstört, und "Die Büste des Kaisers", meine Lieblingsgeschichte aus dieser Sammlung. Mal sind es die kleinen Leute, die Roth beschreibt, mal die Soldaten oder die Grafen. Jeder von ihnen hat mit Umbrüchen zu kämpfen, mit dem Ende des Alten, Gewohnten und Geliebten und dem Anderssein des Neuen, mit inneren Konflikten, die man keinem anderen Menschen erklärbar machen kann. Jede Geschichte für sich ist schön, weil sie ganz tief eintaucht in die menschlichen Seelen, mit all ihren Absonderlichkeiten. Sehr zu empfehlen und ein wahrer Hörgenuss.
Moses Joseph Roth (*1894 in Österreich-Ungarn; †1939 in Paris) war ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Die Novelle erschien 1934 in der Zeitschrift »Les Nouvelles littéraires« unter dem Titel Le Triomphe de la Beauté.Die Französisch-Übersetzerin Joseph Roths, Blanche Gidon (*1883; †1974), will Frauenverachtendes in der Novelle erkannt haben. Zugegeben, der Sprachakrobat Roth, hat sich am Ende des 3. Kapitels mit ironischer Wirklichkeit aufs Hochseil gewagt: »Sie [Anm. die Natur] gleicht diese Ungerechtigkeit aus, indem sie den Glanz der Frauen, der die Männer einst geblendet hat, ziemlich früh erlöschen läßt und indem sie die alten Damen zwingt, mit den Jahren die zweifelhafte Hilfe der Friseure, Masseure und Chirurgen in Anspruch zu nehmen, damit die verfallenen Brüste, Bäuche, Wangen und Schenkel wieder eine halbwegs annehmbare Form bekommen. [Kindle (S.15)]«Schriftwerke sowohl neueren Datums als auch vergangener Jahrhunderte, von egoistischen und untreuen Männern mit Schmerbauch, Haarkranz und Plattfüßen erzählend, gibt es reichlich. Verachtet derartiges Schriftgut die Männer? Lassen wir die Kirche im Dorf und verstehen wir Roths Novelle als spöttischen Zeitvertreib, der die Frauen aufs Korn nimmt. Der Titel der Novelle könnte, so man will, sämtliche Frauen meinen, wiederum begrenzt das Substantiv «Schönheit» den Kreis der Angesprochenen. Schlips tragende Frauen sind rar und jene, die sich auf selbigen getreten fühlen, müssen es nicht lesen.Einiges von Joseph Rot ist mir bekannt und ich mag seine wirksame schnörkellose Ausdrucksweise. Eine unumwundene Sprache, die die jeweilige Thematik schnell aufgreift. Roths sonst üblich prägnanter Schreibstil entfaltet sich bei dieser Novelle zögerlich und nicht mit vollem Reiz. Ansprechend und kurzweilig ist die Geschichte dennoch erzählt.Doktor Skowronnek ist Frauenarzt und erzählt die Geschichte seines Freundes, ein Diplomat und dessen Frau Gwendolin. Gwendolin besaß ein langes langweiliges Kinn, schön war sie trotzdem, blond und mit ausgesprochen guter Figur. Roth charakterisiert die Protagonistin mit ein paar akzentuierenden Sätzen: »Gewiß hatte sie ›Manieren‹ – was man so nennt. Sie war eben aus guter Familie. [Kindle (S.15)]« Mit figurativer Sprache, unmissverständlich in der Aussage, setzt Roth uns über Gwendolin in Kenntnis: »Die jungen Mädchen dieser Art sind nicht hungrig; sie sind nur genäschig [Anm. naschhaft]. Der Hunger, den man befriedigen muß, bringt, unter Umständen, fürchterliche Strafe. Die Genäschigkeit aber, der man Genüge tut, bringt keinen Schaden, nur Lust und die Genugtuung: man wäre ein bißchen gefährdet gewesen. [Kindle (S.15)]«Die naschhafte Gwendolin, ist nicht willens, ihrem Mann zu dessen Stationen der Diplomatie quer durch Europa zu folgen. Doktor Skowronnek wird deshalb vom Freund gebeten, auf die Gattin achtzugeben. Er findet sie schon bald Schampus schlürfend in ihrem Hotelzimmer, mit Herrn Lakatos, einem jungen Advokaten. Gwendolin nippt weiterhin am Schampus und nascht, bis der Erste Weltkrieg endet. Die österreichisch-ungarische Monarchie ist passé und der Diplomat ist ohne Profession und kehrt heim. Der Doktor, vom Freund nach der Treue seiner Gemahlin befragt, rückt mit der Wahrheit heraus. Gwendolin leugnet ab und wird von ihrem Mann bald darauf beim Seitensprung in flagranti erwischt. Verzweifelt nimmt sich der Diplomat das Leben und Gwendolin nimmt Herrn Lakatos zum Bräutigam.Männern könnte die Novelle gefallen, geneigten Frauen auch.Veraltete Rechtschreibung, die mich weiter nicht störte.