Dieses Buch enthält fünf kleinere Schriften Fritsches: „Kleines Lehrbuch der weißen Magie“ (1934), „August Strindberg, Gustav Meyrink, Kurt Aram“ (1934), „August Strindbergs Erweckung durch Emanuel Swedenborg“ (um 1940), „Paracelsus als Richter“ (1941) und „Gustav Meyrink. Ein Okkultistenschicksal“ (Fragment 1946). Man kann anhand der chronologischen Lektüre gut Kontinuität und Wandel in Fritsches Denken und Schreiben nachvollziehen.Die Kontinuität gibt sich thematisch kund. Mit Meyrink, den Fritsche als einen seiner persönlichen Lehrmeister sah und mit dem er kurz vor dessen Tod in Briefverkehr stand, mit Strindberg und mit Paracelsus sind drei Namen genannt, die Fritsches Werk von Anfang bis Ende durchziehen und also sinn- und stilbildend waren.Der Wandel offenbart sich in der zunehmenden Reife und Eigenständigkeit der Texte, auch in der wachsenden Selbstsicherheit des Vortrages. Sieht man von den frühen Gedichten ab, so ist das „Kleine Lehrbuch“ überhaupt Fritsches erste Veröffentlichung, die erste stringent thematische ohnehin. Er nannte sie einmal treffend „eine Jugendarbeit voller Ungefähr und mit einigen Vergissmeinnichtsträußchen“. Was kann man auch von einem 23-jährigen an Erleuchtung und Einblick erwarten? Gemessen daran ist es sogar ein verdächtig reifes kleines Werk, gemessen daran sind seine Kenntnisse und Einsichten enorm. Man merkt allerdings, dass er sich von seinen Lehrmeistern noch nicht emanzipiert hat, es wirkt noch zerstückelt und wie eine Zitatensammlung, was wiederum auf eine gewisse und ganz natürliche Autoritätsgläubigkeit hinweist. Der Titel klingt auch geheimnisvoller als der Inhalt es rechtfertigt, denn es geht im Großen und Ganzen um Lebensberatung, es geht darum, die sittliche Reinigung des Menschen, der sich dem Okkulten widmen will, vorzubereiten. Nur der gereinigte Mensch ist überhaupt in der Lage, die höheren Weihen zu erlangen, seien es nun religiöse oder eben „magische“. Der junge Fritsche kann da schon aus Erfahrung sprechen, hat er sich doch mit schwarzmagischem Geplänkel abgegeben und dabei keine guten Erfahrungen gemacht. Daher ist die Alternative, „die weiße Magie, deren vornehmste Praktiken das Gebet, die Versenkung, der reine Lebenswandel und die Verwendung der erworbenen Fähigkeiten zum Heil der Menschheit darstellen, ein Pfad des Lichtes und der Weisheit“. Wie also sammelt man Kenntnisse und bei wem, wie reinigt man sich innerlich und äußerlich, wie betet und meditiert man, was isst und trinkt man und vor allem, was nicht, welche Achtsamkeit- oder Meditationsübungen sind zu empfehlen und dergleichen mehr – das sind die Fragen, die Fritsche hier behandelt und deren Zusammenhang an eine ganze Reihe alter Meister erinnert. Heutzutage würde das Büchlein unter „Lebenshilfe“ zu finden sein; wer tiefe Geheimnisse erwartet, ist auf dem falschen Dampfer und verwechselt vor allem die Reihenfolge: Ohne Lebenswandel keine Einsicht!Die zweite Schrift ist ein persönliches Erinnerungsbüchlein und ehrt noch einmal drei seiner Lehrer. Im Strindberg-Artikel aber findet Fritsche schon eigene Kategorien, etwa wenn er Mystik und Magie begrifflich überzeugend trennt und auch sein späteres Lebensthema Homöopathie kündigt sich mit der Signaturenlehre schon an. Der Ton wird selbstbewusster, kraftvoller, verkündender – man spürt ihm das Bewusstsein, die Wahrheit auf seiner Seite zu haben, an. Der Nachruf auf Meyrink zeigt Fritsches Erzähltalent – es ist eine begeisterte Liebeserklärung. Zu einem sehr persönlichen Erinnerungsstück wurde der Text über Aram.Das Crescendo an Leidenschaft gipfelt im Büchlein über Strindberg und Swedenborg – da sieht Fritsche nicht nur Forscher und Magier vereint, in Strindbergs aufregendem Leben mit ewigem Auf und Ab erkennt er sich auch selbst wieder. Des Schweden literarisches Werk spielt dabei so gut wie keine Rolle und schon damit sprengt Fritsche den bekannten Rahmen.„Paracelsus als Richter“ ist ein Lamento über den Niedergang des medizinischen Ethos, heute so aktuell wie damals.Noch einmal einen anderen Aspekt bringt das Meyrink-Fragment zu Tage, denn hier arbeitet Fritsche historisch-biografisch, ist psychologisch orientiert und sehr einfühlend. Sowohl der Mensch, der Künstler als auch der Sinnsucher Meyrink treten sehr plastisch hervor und es ist wirklich schade, dass Fritsche dieses Leben nur bis zum „Golem“ erzählt hat und den Nachweis der okkulten Macht Meyrinks, der angekündigt wird, nicht erbringt. Trotzdem dürfte dieser kleine